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Home Themen Außenpolitik & Verteidigung

Ukraine-Wiederaufbau: Deutschland zahlt 97 Mrd. Euro seit 2022

durch Redaktion Bundestag
14. Juli 2026
in Außenpolitik & Verteidigung
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/6845

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/6845

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VerfahrensstandAntwort
Anfrage beantwortet
✓
Anfrage eingereicht
Die parlamentarische Anfrage wurde eingereicht.
2
Antwort veröffentlicht
Die Bundesregierung hat schriftlich geantwortet.
Vorgang VO335608 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/6845 | Antwort | Original-PDF | dip.bundestag.de

⏱ 7 Min. Lesezeit
⚡ Auf einen Blick
  • Deutschland stellt knapp 97 Mrd. Euro Ukraine-Hilfe bereit
  • Energieinfrastruktur-Wiederaufbau kostet laut RDNA5 90,6 Mrd. US-Dollar
  • Ukraines BIP schrumpfte 2022 um 28,8 Prozent gegenüber Vorjahr
🔗 Hintergrund: Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/6212).
  • Caritas international: 142 Mio. Euro Förderung ohne Projektdetails
  • Bürgergeld 2025: 46,65 Mrd. Euro Gesamtausgaben im SGB II

Hintergrund

Russland greift die Ukraine seit dem 24. Februar 2022 militärisch an. Zur regelmäßigen Erfassung der Kriegsschäden erstellen die Weltbank, die Vereinten Nationen, die ukrainische Regierung und die EU-Kommission gemeinsam den sogenannten Rapid Damage and Needs Assessment (RDNA). Der fünfte Schadensbericht (RDNA5) wurde am 23. Februar 2026 veröffentlicht. Die Fraktion Die Linke hat mit ihrer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6212) eine umfassende Bilanz der wirtschaftlichen Folgen und der deutschen sowie europäischen Hilfsleistungen eingefordert. Das Auswärtige Amt hat die Antwort der Bundesregierung am 2. Juli 2026 übermittelt.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • knapp 41 Mrd. Euro — zivile bilaterale Unterstützung Deutschlands für die Ukraine seit Februar 2022 (Stand: 31. März 2026)
  • rund 56 Mrd. Euro — militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine, geleistet oder bereitgestellt (Stand: 31. März 2026)
  • 90,6 Mrd. US-Dollar — Wiederaufbaukosten im ukrainischen Energie- und Rohstoffsektor laut RDNA5, davon 70,8 Mrd. US-Dollar allein für das Stromsystem
  • 28,8 Prozent — Rückgang des ukrainischen BIP im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr laut Nationalbank der Ukraine
  • 8,3 Mrd. Euro — von Deutschland seit 2022 bereitgestellte zivile Projektmittel für Energieversorgung, Gesundheitswesen und öffentliche Infrastruktur (Stand: 31. März 2026)

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Infografik BT-Drs. 21/6845
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Im Detail

Die Bundesregierung hat seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 bilaterale zivile Unterstützung für die Ukraine in Höhe von knapp 41 Mrd. Euro und militärische Unterstützung in Höhe von rund 56 Mrd. Euro geleistet bzw. für die kommenden Jahre bereitgestellt (Stand 31. März 2026).

— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6845, S. 6

Deutschland hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 insgesamt knapp 97 Milliarden Euro an Hilfsleistungen für die Ukraine geleistet oder bereitgestellt: knapp 41 Milliarden Euro an ziviler bilateraler Unterstützung und rund 56 Milliarden Euro an militärischer Hilfe (Stand: 31. März 2026). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/6845) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/6212) hervor, die das Auswärtige Amt am 2. Juli 2026 übermittelt hat.

Die Zahlen verdeutlichen die Dimension des deutschen Engagements: Allein die zivilen Projektmittel für Wiederaufbau, Energieversorgung und Gesundheitswesen belaufen sich auf rund 8,3 Milliarden Euro — verteilt auf die Jahre 2022 (ca. 2,7 Mrd. Euro), 2023 (ca. 2,8 Mrd. Euro), 2024 (ca. 2,7 Mrd. Euro), 2025 (ca. 2,4 Mrd. Euro) und 2026 bislang ca. 1,2 Milliarden Euro. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Haushaltstiteln lehnte die Bundesregierung ab, da dies aufgrund der Vielzahl betroffener Titel nicht mit angemessenem Aufwand darstellbar sei.

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Ukraine-Wiederaufbau: Energieinfrastruktur größter Kostenfaktor

Für die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie die Gesamtkosten des Wiederaufbaus verweist die Bundesregierung auf den fünften internationalen Schadensbericht RDNA5 vom 23. Februar 2026, der von Weltbank, Vereinten Nationen, der ukrainischen Regierung und der EU-Kommission gemeinsam erarbeitet wurde. Laut RDNA5 belaufen sich die Kosten für den Wiederaufbau im Energie- und Rohstoffsektor auf 90,6 Milliarden US-Dollar. Der mit Abstand größte Anteil entfällt auf den Wiederaufbau des Stromsystems mit 70,8 Milliarden US-Dollar; hinzu kommen Fernwärmesysteme sowie Gas- und Ölinfrastruktur. Eigene Erkenntnisse zu Gesamtschadenszahlen oder zu den volkswirtschaftlichen Gesamtkosten für die Ukraine hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht.

Wirtschaftliche Folgen: Ukraines BIP 21 Prozent unter Vorkriegsniveau

Die makroökonomischen Auswirkungen des Krieges sind erheblich: Das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine schrumpfte laut Nationalbank der Ukraine 2022 um 28,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2025 lag das ukrainische BIP noch immer 21 Prozent unter dem Vergleichswert von 2021. Die Inflation stieg zum Jahresende 2022 auf 26,6 Prozent und betrug in den Folgejahren 5,1 Prozent (2023), 12,0 Prozent (2024) und 8,0 Prozent (2025). Für die wirtschaftlichen Folgen in Deutschland und der EU erklärt die Bundesregierung, eine isolierte Quantifizierung der BIP-Effekte sei aufgrund sich überlagernder Faktoren — Corona-Pandemie, Energiepreisschock, US-Zollpolitik, Nahostkonflikt — nicht möglich.

Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts

Das Auswärtige Amt hat in den Jahren 2022 bis 2026 substanzielle Mittel für humanitäre Hilfe in der Ukraine aufgewendet: 462,4 Millionen Euro (2022), 367,5 Millionen Euro (2023), 374,4 Millionen Euro (2024), 186,7 Millionen Euro (2025) sowie bis zum 9. Juni 2026 bereits 137,7 Millionen Euro. Der Anteil der Ukraine an den gesamten humanitären Mitteln des Auswärtigen Amts lag zwischen 13 und 17,6 Prozent der jeweiligen Jahresbudgets. Parallel dazu stellte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zwischen 2022 und 2025 insgesamt 2,2 Milliarden Euro für mehrjährige Programme in der Ukraine bereit.

Transparenz und Antikorruption: Verweis auf frühere Antworten

Auf die Fragen nach Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Missbrauch von Wiederaufbaumitteln sowie zur Transparenz der Mittelverwendung verweist die Bundesregierung pauschal auf eine frühere Antwort vom 10. Dezember 2025 (BT-Drs. 21/3236). Angaben zu Umsatz- und Gewinnentwicklungen deutscher Rüstungsunternehmen seit Kriegsbeginn sowie zu Beschäftigungseffekten im Rüstungssektor macht die Bundesregierung nicht — ihr lägen dazu keine statistischen Daten vor. Im Elektrizitätsbereich wurden laut Antwort auf Basis des Strompreisbremsegesetzes (StromPBG) Überschusserlöse in einem hohen dreistelligen Millionenbetrag abgeschöpft; zwei große weitere Abschöpfungsverfahren stehen noch aus. Pläne zur Einführung europäischer Instrumente zur Abschöpfung von Übergewinnen im Rüstungs- oder Energiesektor gibt es nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht.

Die deutsche öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) an die Ukraine machte 2022 rund 5,74 Prozent der gesamten deutschen ODA aus (2.046 Mio. US-Dollar von 35.641 Mio. US-Dollar), 2023 rund 2,67 Prozent (1.010 Mio. US-Dollar) und 2024 rund 3,14 Prozent (1.032 Mio. US-Dollar). Die Entwicklung zeigt, dass der absolute Ukraine-Anteil an der deutschen ODA nach dem Ausnahmejahr 2022 auf einem erhöhten, aber niedrigeren Niveau verblieb — auch weil das Gesamtvolumen der deutschen ODA von 2022 bis 2024 selbst schwankte. Mehr über die finanzielle Belastung der deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler durch staatliche Ausgaben lesen Sie auch in unserem Beitrag zu Deutschlands Steuerlastproblem.

Hinsichtlich des Wiederaufbaus betont die Bundesregierung, dass sowohl öffentliche als auch private Mittel benötigt werden. Deutsche und europäische Unternehmen spielten nach Einschätzung der Bundesregierung eine erhebliche Rolle beim Wiederaufbau — eine systematische Erfassung der beteiligten Unternehmen und Branchen erfolge jedoch nicht. Im Rahmen der deutsch-ukrainischen Energiepartnerschaft wurden bisher über 34.000 Güter an die Ukraine geliefert; gefördert werden zudem der ukrainische Netzbetreiber Ukrenergo, kommunale Strom- und Wärmeversorgung sowie Gesundheits- und Rehabilitationszentren. Vergleichbare Fragen zur Transparenz staatlicher Finanzmittel werden auch in anderen Bereichen parlamentarisch aufgeworfen, etwa zur Mittelverwendung in der GKV oder zu Sozialausgaben im SGB II.

Weiterlesen:

  • Spionage und Sabotage: 25 Fragen zur Bedrohungslage in Deutschland
👥 Wen betrifft das?

Unmittelbar betroffen sind die Bevölkerung der Ukraine sowie ukrainische Geflüchtete in Deutschland. Mittelbar betroffen sind deutsche Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da die Unterstützungsleistungen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Darüber hinaus sind Unternehmen der Energie-, Rüstungs- und Baubranche sowie internationale Finanzinstitute als Akteure im Wiederaufbau relevant.

⚖️ Antwortverhalten der Bundesregierung

😠😕😐😊

😕 Teilweise beantwortet

Bei mehreren Fragen (u. a. zu Gesamtschadenszahlen, volkswirtschaftlichen Kosten für Deutschland, Rüstungsunternehmensdaten) verweist die Bundesregierung auf externe Quellen oder erklärt, keine eigenen Erkenntnisse zu besitzen. Fragen zu Korruptionsprävention und Transparenz werden pauschal auf eine frühere Schriftliche Antwort (BT-Drs. 21/3236) verwiesen.

📅 Parlamentarischer Fahrplan

Die Anfrage ist mit der Antwort des Auswärtigen Amts vom 2. Juli 2026 abgeschlossen. Ein weiteres parlamentarisches Verfahren ist nicht vorgesehen. Die Bundesregierung veröffentlicht die Liste der Unterstützungsleistungen für die Ukraine quartalsweise auf ihrer Website.

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Strompreisbremsegesetz (StromPBG)
  • Stabilisierungsmechanismusgesetz (StabMechG)
📖 Begriffe erklärt
RDNA5
Rapid Damage and Needs Assessment — internationaler Schadensbericht zur Ukraine, erstellt von Weltbank, VN, ukrainischer Regierung und EU-Kommission. Der fünfte Bericht erschien am 23. Februar 2026.
ODA
Official Development Assistance — öffentliche Entwicklungshilfe, die nach international anerkannten OECD-Kriterien erfasst und gemeldet wird.
EFSF/ESM
Europäische Finanzstabilisierungsfazilität und Europäischer Stabilitätsmechanismus — Rettungsschirme, die während der Eurokrise ab 2010 eingerichtet wurden.
❓ Häufige Fragen

Wie viel Geld hat Deutschland der Ukraine insgesamt gegeben?

Laut Bundesregierung wurden seit Februar 2022 knapp 41 Mrd. Euro zivile und rund 56 Mrd. Euro militärische Unterstützung geleistet oder bereitgestellt (Stand: 31. März 2026).

Was kostet der Wiederaufbau der ukrainischen Energie­infrastruktur?

Der internationale RDNA5-Schadensbericht beziffert den Bedarf im Energie- und Rohstoffsektor auf 90,6 Mrd. US-Dollar, davon entfällt der Großteil (70,8 Mrd. US-Dollar) auf das Stromsystem.

Wie stark ist die ukrainische Wirtschaft durch den Krieg geschrumpft?

Das ukrainische BIP schrumpfte 2022 laut Nationalbank der Ukraine um 28,8 Prozent und lag 2025 noch immer 21 Prozent unter dem Wert von 2021.

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6845 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

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15. Oktober 2026
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