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Home Themen Bildung & Forschung

Ukraine-Forschung: 22 Fragen zu Wiederaufbau und Kooperation

durch Redaktion Bundestag
15. August 2026
in Bildung & Forschung
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/3499

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/3499

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VerfahrensstandKleine Anfrage
Beantwortet
✓
Einreichung
Eingereicht von einer Fraktion oder einzelnen Abgeordneten.
✓
Antwort der Bundesregierung
Die Regierung antwortet schriftlich innerhalb vorgeschriebener Fristen.
3
Veröffentlichung
Anfrage und Antwort werden als Drucksache veröffentlicht.
Vorgang VO338264 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/3499 | Kleine Anfrage | Original-PDF | dip.bundestag.de

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/3499 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

⏱ 7 Min. Lesezeit
⚡ Auf einen Blick
  • Ukrainischer Forschungshaushalt sank 2021–2023 um 48 Prozent
  • Danziger Erklärung zielt auf 3 Prozent des BIP für Forschungsausgaben
  • 22 Fragen zu Stipendien, Wiederaufbau und Kooperation mit der Ukraine

Hintergrund

Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 steht auch das ukrainische Wissenschafts- und Forschungssystem unter extremem Druck. Laut den Angaben in der Drucksache sank der Haushalt der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zwischen 2021 und 2023 um 48 Prozent. Universitätsgebäude und Forschungseinrichtungen wurden durch Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt oder zerstört, zuletzt das O.V. Palladin-Institut für Biochemie in Kyjiw am 2. Juli 2026. Die Unterzeichnung der Danziger Erklärung am 26. Juni 2026 durch die Bundesregierung setzt einen multilateralen Rahmen für den Wiederaufbau der ukrainischen Forschungsinfrastruktur und die langfristige Integration der Ukraine in den Europäischen Forschungsraum.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 48 % — Um diesen Anteil sank der Haushalt der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zwischen 2021 und 2023.
  • 20 % — Um so viel ging die Zahl der im Land tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits 2022 zurück.
  • mehr als 1.500 — So viele ukrainische Akademikerinnen und Akademiker traten laut Drucksache dem Militär bei.
  • 70 — So viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden nach Angaben der Fragesteller getötet.
  • 3 % des BIP — Angestrebte Zielmarke für ukrainische Forschungs- und Entwicklungsausgaben gemäß Danziger Erklärung.

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Infografik BT-Drs. 21/3499
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Im Detail

Russlands Krieg hat die ukrainische Forschung schwer getroffen: Russische Angriffe haben Universitätsgebäude zerstört, Forschungsgelder wurden in die Verteidigung umgeleitet, und viele Akademikerinnen und Akademiker haben das Land verlassen.

— Vorbemerkung BT-Drs. 21/3499, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Russische Raketen und Drohnen treffen in der Ukraine nicht nur zivile Infrastruktur und Wohngebiete — sie zerstören auch Jahrzehnte wissenschaftlicher Arbeit. In der Nacht auf den 2. Juli 2026 traf ein massiver Angriff das O.V. Palladin-Institut für Biochemie in Kyjiw, eine hundert Jahre alte Einrichtung der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Zwei der vier Institutsgebäude wurden weitgehend zerstört, Labore brannten aus oder wurden durch Löschwasser beschädigt, und ein flächendeckender Stromausfall bedrohte wertvolle Zelllinien zur Antikörperproduktion.

Dieser konkrete Vorfall bildet den Ausgangspunkt für die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/3499, eingegangen am 13. August 2026). Die 22 Fragen umfassende Anfrage richtet sich an die Bundesregierung und zielt darauf ab, Transparenz über die bisherige finanzielle und institutionelle Unterstützung des ukrainischen Wissenschaftssystems herzustellen — und über die Konsequenzen, die Deutschland aus der Unterzeichnung der Danziger Erklärung vom 26. Juni 2026 zieht.

Wissenschaftskooperation mit der Ukraine: Was steht auf dem Spiel?

Die Dimension der Zerstörung ist erheblich: Laut den in der Drucksache genannten Zahlen sank der Haushalt der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zwischen 2021 und 2023 um 48 Prozent. Bereits 2022 verließen 20 Prozent der im Land tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Stellen — mehr als 1.500 traten dem Militär bei, 70 wurden getötet. Universitätsgebäude wurden bombardiert, Forschungsgelder in die Verteidigung umgeleitet. Parallel dazu verzeichnet die Ukraine nach Angaben der Fragesteller im Bereich Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien eine bemerkenswerte Innovationsdynamik, die durch den Krieg erzwungen wurde.

Vor diesem Hintergrund fragt die Fraktion zunächst nach den konkreten Haushaltsmitteln, die Deutschland seit Beginn des Angriffskrieges 2022 jährlich für die Unterstützung des ukrainischen Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationssystems bereitgestellt hat — aufgeschlüsselt nach Einzelplänen, Haushaltsjahren und Programmlinien. Damit verbunden ist die Frage nach der Fortführung akademischer Sonderprogramme wie dem DAAD-Programm „Zukunft Ukraine“, Sonderausschreibungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung im laufenden Jahr 2026 sowie deren Budgetplanung für 2027. Wie sich der Bundesfinanzplan 2026–2030 auf diese Fördermittel auswirkt, bleibt eine der offenen Fragen.

Danziger Erklärung als Wendepunkt der Wissenschaftskooperation

Zentrales Referenzdokument der Anfrage ist die Danziger Erklärung (Gdańsk Declaration), die am 26. Juni 2026 im Rahmen der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz verabschiedet und von Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), unterzeichnet wurde. Die Erklärung formuliert das Ziel, die ukrainischen Forschungs- und Innovationsausgaben langfristig an die EU-Benchmark von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heranzuführen und die Ukraine tiefer in den Europäischen Forschungsraum zu integrieren. Die Fraktion fragt, welche unmittelbaren politischen und finanziellen Verpflichtungen die Bundesregierung daraus ableitet und durch welche bilateralen oder EU-koordinierten Maßnahmen sie die Ukraine auf dem Weg zu dieser Zielmarke unterstützen will.

Konkret erkundigt sich die Anfrage außerdem, in welchen der drei im Rahmen der Danziger Konferenz aktivierten Arbeitsgruppen — zu den Themen Gerätespenden, Diaspora und Internationalisierung sowie Regionale Entwicklung durch Forschung und Innovation — Deutschland die Federführung übernimmt oder aktiv mitarbeitet. Ebenso wird gefragt, ob die KfW Bankengruppe eingebunden werden soll, um Finanzierungslinien für den Wiederaufbau zerstörter Forschungsinfrastrukturen bereitzustellen.

Ukrainische Wissenschaftler in Deutschland und Brain-Drain-Risiko

Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die in Deutschland lebenden ukrainischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Gefragt wird, wie viele von ihnen mit Stand 1. Juli 2026 über öffentlich finanzierte Stipendien oder Arbeitsverträge an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gefördert werden — aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Geschlecht. Zudem fragt die Fraktion nach empirischen Erkenntnissen zu den Rückkehrabsichten dieser Gruppe und dem damit verbundenen Risiko einer dauerhaften Abwanderung von Forschungskapazitäten aus der Ukraine.

Weitere Fragen betreffen technische und bürokratische Hemmnisse beim Transfer ausgesonderter Laborgeräte aus deutschen Universitäten in die Ukraine, die Beteiligung ukrainischer Hochschulen als Koordinatoren an Horizon-Europe-Projekten, die Koordinierung mit internationalen Gebern sowie das Innovationspotenzial des ukrainischen Start-up- und Tech-Sektors — etwa in den Bereichen Drohnentechnologie, Künstliche Intelligenz und IT — für den Wissenstransfer nach Deutschland. Die wöchentlichen Schriftlichen Fragen KW 28/2026 zeigen, wie breit das parlamentarische Fragerecht zu Ukraine-bezogenen Themen derzeit genutzt wird.

Die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/3499 steht noch aus.

Weiterlesen:

  • Schriftliche Fragen Juni 2026: 99 Antworten der Bundesregierung
👥 Wen betrifft das?

Unmittelbar betroffen sind ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Land sowie diejenigen, die seit Kriegsbeginn nach Deutschland geflohen sind. Auch deutsche Forschungseinrichtungen, Universitäten und Organisationen wie DAAD, DFG und Alexander von Humboldt-Stiftung sind als potenzielle Kooperationspartner und Förderinstitutionen betroffen. Mittelbar berührt sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da die Anfrage nach konkreten Haushaltsmitteln und zukünftigen finanziellen Verpflichtungen Deutschlands fragt.

Parlamentarischer Fahrplan

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 27.08.2026) Ukraine-Forschungshilfe: 182 Mio. Euro seit Kriegsbeginn →

📖 Begriffe erklärt
Danziger Erklärung (Gdańsk Declaration)
Am 26. Juni 2026 verabschiedetes multilaterales Dokument der International Coalition for Science, Research and Innovation in Ukraine, das den Wiederaufbau des ukrainischen Forschungssystems und dessen Integration in den Europäischen Forschungsraum anstrebt.
Horizon Europe
Das wichtigste EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation mit einem Budget von rund 95,5 Milliarden Euro für die Laufzeit 2021–2027, an dem auch assoziierte Drittstaaten teilnehmen können.
BMFTR
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt – das zuständige Bundesressort für Forschungs- und Wissenschaftspolitik in Deutschland.
❓ Häufige Fragen

Was ist die Danziger Erklärung?

Die Danziger Erklärung (Gdańsk Declaration) wurde am 26. Juni 2026 im Rahmen der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz von der International Coalition for Science, Research and Innovation in Ukraine verabschiedet. Deutschland unterzeichnete sie, vertreten durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Was ist mit dem Palladin-Institut in Kyjiw passiert?

In der Nacht auf den 2. Juli 2026 traf ein russischer Drohnen- und Raketenangriff das hundert Jahre alte O.V. Palladin-Institut für Biochemie in Kyjiw. Zwei der vier Gebäude wurden laut Drucksache weitgehend zerstört, Labore brannten aus oder wurden durch Löschwasser beschädigt.

Wie viele Wissenschaftler haben die Ukraine verlassen?

Laut der Vorbemerkung der Fragesteller sank die Zahl der im Land tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits 2022 um 20 Prozent. Mehr als 1.500 traten dem Militär bei, 70 wurden getötet.

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