- Nebenerwerbslandwirte zahlen oft mehr Beiträge als Gewinne
- Bundesregierung sieht neues Berechnungsmodell als gerechter
- Etwa 55% der Landwirte betreiben Nebenerwerb
Nebenerwerbslandwirte: AfD fragt nach Beitragslast bei Krankenversicherung
Hintergrund
Nebenerwerbslandwirte bewirtschaften etwa 30 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche und erzeugen knapp 10 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion. Seit 2025 werden die Beiträge zur Landwirtschaftlichen Krankenkasse nach einem neuen Standardeinkommen-Modell berechnet, was besonders bei tierhaltenden Betrieben zu Beitragssteigerungen geführt hat.
Diese Beiträge sind zum Teil höher als die realen Gewinne die von dem landwirtschaftlichen Betrieb, welcher z. T. als Hobby oder Freizeitbeschäftigung betrieben wird, erzielt werden.
— Vorbemerkung der Fragesteller BT-Drs. 21/5817
Die Bundesregierung hat eine umfangreiche Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zur Sozialversicherungsbeitragspflicht für Nebenerwerbslandwirte beantwortet (BT-Drs. 21/6121 vom 22. Mai 2026). Die AfD forderte konkrete Zahlen an. Diese betreffen Belastungen von Landwirten, die ihre Betriebe neben einem anderen Hauptberuf führen.
Beiträge und Gewinne im Verhältnis
Nach Angaben der AfD sind etwa 55 Prozent aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmer Nebenerwerbslandwirte. Bemerkenswert dabei: Diese bewirtschaften rund 3 Millionen Hektar — etwa 30 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Nach Darstellung der Fraktion übersteigen die Beiträge zur Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) teilweise die realen Gewinne der Betriebe erheblich.
Nebenerwerbslandwirte müssen oft mehr Krankenversicherungsbeiträge zahlen, als sie mit ihrem Hof verdienen — ein Sachverhalt, der besonders Rentner betrifft.
Die Bundesregierung liefert detaillierte Gewinnzahlen aus dem Testbetriebsnetz: Nebenerwerbsbetriebe haben 2024 im Durchschnitt 15.160 Euro verdient. Haupterwerbsbetriebe erzielten deutlich höhere Erträge.
Neues Berechnungsmodell seit 2025
Seit 2025 erfolgt die Beitragsberechnung nach dem sogenannten Standardeinkommen. Hintergrund ist, dass das bisherige System aufgrund der Grundsteuerreform nicht mehr anwendbar war. Dies hat zu deutlichen Verschiebungen geführt: 43 Prozent der Mitglieder sind in eine höhere Beitragsklasse eingestuft worden, 42 Prozent hingegen in eine niedrigere. Die Beitragssteigerungen liegen je nach Klasse zwischen 8,1 und 13,9 Prozent.
Situation der Rentner
Rentner, die ihre kleinen Betriebe weiterführen, zahlen sowohl Krankenversicherungsbeiträge aus ihrer Rente (8,75 Prozent des Zahlbetrags) als auch LKK-Beiträge als Betriebsinhaber. 2025 sind etwa 218.823 Rentner bei der LKK beitragspflichtig gewesen. Dies ist bemerkenswert, da die durchschnittliche Regelaltersrente für männliche Landwirte 2024 monatlich nur 582,76 Euro betragen hat, für Frauen sogar nur 434,90 Euro.
Zu mehreren Fragen hat die Bundesregierung keine Daten liefern können. Entsprechende Erhebungen existieren nicht. Eine Härtefallregelung für unverhältnismäßige Beitragsbelastungen gibt es laut Bundesregierung nicht — lediglich für Fälle, in denen die Bewirtschaftung über Landkreisgrenzen hinaus erfolgt.
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Betroffen sind etwa 55 Prozent aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmer in Deutschland, die ihre Betriebe im Nebenerwerb führen. Besonders belastet sind Rentner, die ihre kleinen Betriebe weiterführen und dabei sowohl Krankenversicherungsbeiträge aus ihrer Rente als auch LKK-Beiträge zahlen müssen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen vollständig mit konkreten Zahlen, weicht aber bei einigen Punkten auf fehlende Datengrundlagen aus.
Die Anfrage ist beantwortet — das Verfahren ist abgeschlossen. Die AfD hatte konkrete Zahlen zu Beitragsbelastungen und Gewinnen von Nebenerwerbslandwirten angefordert, die die Bundesregierung größtenteils geliefert hat.
- Standardeinkommen
- Berechnungsgrundlage für Krankenversicherungsbeiträge, die regional differenziert das Einkommenspotenzial der landwirtschaftlichen Betriebe abbildet.
- LKK
- Landwirtschaftliche Krankenkasse — spezielle Krankenversicherung für Landwirte und ihre Familienangehörigen.
- SVLFG
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau — Träger der landwirtschaftlichen Sozialversicherung.
Wie viele Landwirte arbeiten im Nebenerwerb?
Etwa 55 Prozent aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmer in Deutschland bewirtschaften ihre Betriebe im Nebenerwerb.
Warum sind die Beiträge oft höher als die Gewinne?
Die Beiträge werden nach dem Standardeinkommen berechnet, nicht nach den tatsächlichen Gewinnen der einzelnen Betriebe.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6121 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/6121 | Antwort | Original-PDF | dip.bundestag.de

































































