- Agroforstsysteme verbinden Gehölze mit Ackerbau und Tierhaltung auf einer Fläche
- Hecken können pro Hektar rund 220 Tonnen Kohlenstoff dauerhaft speichern
- Förderprogramme decken Anlagekosten oft nicht vollständig ab
Agroforstsysteme und ihre ökonomische Bewertung
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im August 2026 eine Analyse zu den Kosten von Umweltbelastungen in der Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf Agroforstsystemen vorgelegt (WD 8 – 3000 – 051/26). Das Dokument beleuchtet Definition, Förderung und wirtschaftliche Bewertung dieser Landnutzungsform, die Gehölze wie Bäume und Sträucher mit Ackerkulturen oder Tierhaltung kombiniert.
Was sind Agroforstsysteme?
Agroforstsysteme umfassen verschiedene Kombinationen: Bäume mit Ackerkulturen (silvoarable Systeme, etwa Hecken), Bäume mit Tierhaltung (silvopastorale Systeme, etwa Streuobstwiesen) sowie Mischformen aller drei Elemente. Ihre Vorteile liegen im Schutz vor Wind- und Wassererosion, der Verminderung von Stoffeinträgen in Gewässer, der Kohlenstoffbindung im Boden sowie der Förderung der Biodiversität. Seit 2023 ist Agroforst in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) als landwirtschaftliche Flächennutzung definiert, wodurch der Anspruch auf Agrarförderung auch bei Gehölzstreifen erhalten bleibt.
Förderung in Deutschland
Landwirte können über die Öko-Regelung 3 bis zu 600 Euro pro Hektar Gehölzfläche als Beibehaltungsprämie erhalten. Neuanlagen werden durch bundeslandspezifische Investitionsförderungen mit teils mehreren tausend Euro pro Hektar bezuschusst. Die Finanzierung erfolgt über den Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft sowie den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, ergänzt durch nationale Mittel der Länder.
Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen
Die Analyse stellt verschiedene Bewertungsansätze vor. Das Umweltbundesamt empfiehlt für 2026 emittierte Treibhausgase einen Kostensatz von 350 Euro pro Tonne CO₂, bei Gleichgewichtung der Interessen heutiger und künftiger Generationen sogar 1.000 Euro pro Tonne. Für Biodiversität und Wasserverschmutzung fehlen nach Einschätzung des Umweltbundesamtes noch belastbare Kostensätze. Allein die Hitze- und Dürreextreme der Jahre 2018 und 2019 verursachten erfassbare Schäden von rund 35 Milliarden Euro. Die Hitzewelle im Juni 2026 kostete laut einer Prognos-Studie etwa 6,3 Milliarden Euro.
Hecken als Beispiel: Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit
Hecken gelten als besonders klimawirksames Element der Agroforstwirtschaft. Forschungen des Thünen-Instituts im Projekt „CarboHedge“ zeigen, dass Hecken im langjährigen Mittel rund 220 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern können und jährlich etwa 25 Tonnen Kohlenstoff binden. Eine 720 Meter lange Neuhecke auf Ackerland kann langfristig die Treibhausgasemissionen eines Durchschnittsdeutschen über zehn Jahre kompensieren.
Wirtschaftlich betrachtet lässt sich eine Hecke mit positiven Annuitäten jedoch in der Regel nicht rentabel bewirtschaften, da die Gesamtkosten für nachhaltige Nutzung und Entwicklung hoch sind und Holzpreise derzeit niedrig bleiben. Eine Studie des Thünen-Instituts identifiziert kompliziertes Ordnungsrecht, fehlende Märkte für Schnittgut und unzureichende Förderung als zentrale Hemmnisse. Der Klimaschutzaspekt von Hecken wird in der Förderpraxis bislang kaum berücksichtigt; CO₂-Zertifikate im Rahmen des Carbon Farming könnten künftig eine wichtige Rolle spielen.
































































