- Ghana ist erstes afrikanisches Land mit EU-Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft
- Deutschland unterstützt Ghanas Streitkräfte durch Ausbildung, Beratung und Ausstattungshilfe
- Ghana belegt Rang 7 weltweit bei UN-Friedensmissionen mit 1.925 Soldaten
Deutsch-ghanaische Beziehungen in Sicherheit und Verteidigung
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im August 2026 eine umfassende Analyse der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Ghana erstellt, mit Schwerpunkt auf Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Das Dokument des Fachbereichs EU 6 beleuchtet Ghanas politische Verfassung, die Geschichte der Beziehungen beider Länder sowie die konkrete sicherheitspolitische Zusammenarbeit.
Ghana als stabiler Partner in Westafrika
Ghana gilt als gefestigte Demokratie mit einem Freedom-House-Score von 80 von 100 Punkten und hat seit Einführung der heutigen Verfassung 1992 mehrere demokratische Machtwechsel erlebt. Im Gegensatz zu Nachbarstaaten wie Burkina Faso oder Mali blieb Ghana von Militärputschen verschont. Aktueller Staatspräsident ist seit Januar 2025 John Dramani Mahama vom National Democratic Congress. Die Analyse verweist jedoch auf Verschlechterungen bei der Pressefreiheit sowie auf ein im Mai 2026 verabschiedetes, international kritisiertes Anti-LGBT-Gesetz. Ghana bewältigt zudem eine schwere Schuldenkrise; die Bundesregierung stimmte im November 2025 einer Umschuldung von 53 Milliarden Euro zu.
Geschichte und Stand der bilateralen Beziehungen
Die Beziehungen reichen weit zurück: Bereits 1683 gründete das Kurfürstentum Brandenburg auf dem Gebiet des heutigen Ghana die Kolonie Groß Friedrichsburg, von der aus schätzungsweise 30.000 Menschen versklavt und in die Karibik verschleppt wurden. Seit der ghanaischen Unabhängigkeit 1957 bestehen formelle diplomatische Beziehungen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte Ghana 2017 und 2025, Bundeskanzler Olaf Scholz zuletzt 2023. In Deutschland leben derzeit rund 53.000 ghanaische Staatsbürger.
Sicherheitspolitische Zusammenarbeit im Detail
Deutschland zählt zu den wichtigsten Partnern Ghanas bei der Ausbildung und Ausstattung der Streitkräfte. Seit 2013 ist Ghana Partnerland im deutschen Programm zur Ausstattungshilfe für Afrika; im Zeitraum 2021 bis 2024 umfasste das Programm ein Budget von rund 11,2 Millionen Euro. Vor Ort setzt die German Armed Forces Technical Advisory Group (GAFTAG) das Programm um. Waffentransfers sind ausdrücklich ausgeschlossen.
Im März 2026 unterzeichnete Ghana als erstes afrikanisches Land ein Abkommen über eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit der Europäischen Union. Die Bundeswehr bildet im Rahmen der EU-Initiative im Golf von Guinea zwei- bis dreimal jährlich ghanaische Soldaten aus. Zudem beteiligt sich Deutschland regelmäßig an der Marineübung Obangame Express zur Bekämpfung von Piraterie im Golf von Guinea.
Friedenssicherung und KAIPTC
Ghana stellt mit 1.925 Soldaten mehr als zehn Prozent seiner aktiven Streitkräfte für UN-Friedensmissionen bereit und belegt damit Rang 7 unter allen UN-Mitgliedstaaten. Deutschland gehört seit der Gründung 2004 zu den wichtigsten Unterstützern des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) in Accra, das bislang rund 30.000 Personen aus 90 Ländern ausgebildet hat.


































































