- Schlachtschweinepreise unter 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht
- ASP-bedingte Exportverluste nach China seit 2020 ungeklärt
- 21 Fragen zu Förderung, Wettbewerbsnachteilen und Versorgungssicherheit
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7914 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) trat 2020 erstmals in Deutschland auf und führte seitdem zu weitreichenden Importbeschränkungen wichtiger Abnehmerstaaten, insbesondere China. Gleichzeitig hat Spanien seine Schweineproduktion in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet und ist zur führenden Schweinenation in der EU aufgestiegen. Für deutsche Schweinehalter bedeutet dies einen doppelten Druck: wachsende Konkurrenz im Binnenmarkt bei gleichzeitig gesperrten Drittlandsmärkten. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat strebt laut Pressemitteilung vom Frühjahr 2026 ein Regionalisierungsabkommen mit China an, ein Abschluss steht jedoch noch aus.
- unter 1,50 Euro/kg Schlachtgewicht — aktueller Schlachtschweinepreis laut Vorbemerkung der Anfrage, bei dem viele Betriebe Verluste schreiben.
- seit 2020 — Beginn der ASP-Ausbrüche in Deutschland und damit der Importbeschränkungen durch China und andere Drittstaaten.
- 21 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Marktlage, Exportverlusten, Förderung und Wettbewerbsnachteilen.
Im Detail
Für zahlreiche Schweinehalter ist eine kostendeckende Erzeugung derzeit nicht mehr möglich.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7914
Die Schweinehaltung in Deutschland steckt nach Einschätzung von Branchenvertretern und aus Sicht der Fragesteller in einer strukturellen Krise: Der Preis für Schlachtschweine ist auf unter 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht gefallen, während die Produktionskosten gleichzeitig erheblich gestiegen sind. Für viele Betriebe ist eine kostendeckende Erzeugung damit nicht mehr möglich. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7914, eingereicht am 8. September 2026, richtet die AfD-Fraktion 21 Einzelfragen an die Bundesregierung — zu Ursachen, Folgen und möglichen Gegenmaßnahmen.
Schweinehaltung unter Druck: Preisverfall trifft auf steigende Kosten
Die Situation unterscheidet sich laut Vorbemerkung der Fragesteller grundlegend vom bekannten Schweinezyklus, bei dem auf Niedrigpreisphasen typischerweise eine Produktionsanpassung und anschließende Erholung folgt. Diesmal bleibt die Erholung aus. Die Anfrage fragt die Bundesregierung, ob sie den Preisrückgang seit dem 1. Januar 2024 noch als normalen Zyklus oder bereits als strukturelle Marktkrise bewertet. Darüber hinaus sollen Daten zur Entwicklung der schweinehaltenden Betriebe, der Mastschweine- und Zuchtsauenbestände seit 2020 — aufgeschlüsselt nach Jahren und Bundesländern — vorgelegt werden.
Von besonderem Interesse ist die Frage, ob die Zahl der Betriebe stärker zurückgegangen ist als die Zahl der gehaltenen Schweine — ein Indiz für Konzentrationsprozesse, die vor allem kleinere Familienbetriebe treffen und die regionale Wertschöpfung im ländlichen Raum gefährden könnten. Die Anfrage fragt explizit nach den Schlussfolgerungen der Bundesregierung für Versorgungssicherheit und Struktur der Schweinehaltung.
ASP-Exportverluste und Regionalisierungsabkommen mit China
Seit dem ersten Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im Jahr 2020 sind wichtige Exportmärkte für deutsches Schweinefleisch gesperrt oder eingeschränkt. Besonders der chinesische Markt fällt ins Gewicht: Die AfD-Fraktion fragt, wie hoch die Bundesregierung die seit 2020 entstandenen Exportverluste einschätzt — differenziert nach Jahren sowie nach Fleisch und Nebenprodukten. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat laut einer Pressemitteilung aus dem Frühjahr 2026 einen Fahrplan für ein Regionalisierungsabkommen mit China angekündigt. Die Anfrage will wissen, welche konkreten Schritte, Fristen und Zwischenergebnisse dieser Fahrplan enthält, welche Behörden beteiligt sind und wann mit einem rechtsverbindlichen Abschluss zu rechnen ist. Zum Vergleich wird auf Frankreich verwiesen, das entsprechende Mechanismen bereits seit Längerem etabliert hat. Ähnliche Fragen stellen sich für andere asiatische Drittlandsmärkte, für die die Bundesregierung ebenfalls Angaben zu laufenden Verhandlungen machen soll.
Wettbewerbsnachteil durch nationale Auflagen
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Schweinehalter im EU-Binnenmarkt. Die Fragesteller verweisen auf die Ausweitung der Produktion in Spanien, das inzwischen die führende Position beim EU-Sauenbestand inne hat. Die Anfrage fragt, in welchem Umfang die Bundesregierung den aktuellen Preisdruck auf zusätzliches Angebot aus Spanien zurückführt. Zudem soll die Regierung darlegen, in welchen Bereichen Deutschland über EU-Mindeststandards bei Tierhaltungs-, Bau-, Genehmigungs-, Dokumentations- und Kontrollauflagen hinausgeht und welche Mehrkosten je Mast- oder Sauenplatz daraus entstehen. Gefragt wird auch, ob polnische Schweinehaltungsbetriebe umfangreich mit EU-Finanzmitteln gefördert werden — und wenn ja, in welcher Höhe. Zur Versorgungskette fragt die Anfrage außerdem nach der Marktmacht großer Schlachtunternehmen und des Lebensmitteleinzelhandels sowie nach der Verteilung der Wertschöpfung zwischen Erzeugern, Schlachtung, Verarbeitung und Handel.
Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung: Bilanz gefordert
Die Bundesregierung soll Auskunft geben, wie viele schweinehaltende Betriebe seit Beginn des Bundesprogramms Umbau der Tierhaltung Anträge auf investive Förderung oder laufende Mehrkostenförderung gestellt haben, wie viele bewilligt oder abgelehnt wurden und welches Fördervolumen jeweils beantragt und bewilligt wurde — aufgeschlüsselt nach Jahr und Bundesland. Darüber hinaus fragt die Anfrage, ob die im Bundeshaushalt verfügbaren Mittel überhaupt ausreichen, um den gesetzlich geforderten Stallumbau zu finanzieren, ohne weitere Betriebsaufgaben auszulösen. Branchenvertreter warnen bereits vor einem Strukturbruch insbesondere in der Sauenhaltung, wie die Anfrage unter Verweis auf Verbandsmitteilungen festhält.
Schließlich fragt die AfD-Fraktion nach der strategischen Ausrichtung der Bundesregierung: Welche Zielgröße verfolgt sie für die künftige heimische Schweinefleischerzeugung? Strebt sie eine stabile Inlandsproduktion an — oder eine weitere Reduzierung der Tierbestände? Und wie positioniert sie sich zur Entschließung des Europäischen Parlaments, das eine stärkere Unterstützung heimischer Tierhalter und Schutz vor Drittlandsimporten fordert? Antworten der Bundesregierung stehen aus. Zur Struktur der deutschen Agrarförderung bietet der Beitrag Klimafinanzierung: 6,11 Mrd. Euro aus Bundeshaushalt 2024 ergänzende Einordnungen zu Haushaltsprioritäten. Hintergründe zu Umweltauflagen in der Landwirtschaft liefert der Beitrag Gülleansäuerung: Rechtslücke bremst Ammoniak-Minderung.
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Betroffen sind vor allem schweinehaltende Familienbetriebe in Deutschland, insbesondere in der Sauenhaltung und Ferkelerzeugung. Branchenverbände warnen vor einem weiteren Strukturbruch, der die regionale Wertschöpfung im ländlichen Raum sowie die heimische Versorgungssicherheit bei Schweinefleisch gefährdet. Mittelbar betroffen sind auch Verbraucherinnen und Verbraucher, die bei weiterem Rückgang der Inlandsproduktion stärker auf Importe angewiesen wären.
Die Kleine Anfrage ist am 8. September 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt Zeit, zu antworten. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
- Schweinezyklus
- Wiederkehrendes Muster aus Preisverfall, Produktionsrückgang und anschließender Preiserholung auf dem Schweinemarkt, das sich typischerweise über mehrere Jahre erstreckt.
- Afrikanische Schweinepest (ASP)
- Hochansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die für Menschen ungefährlich ist, aber zu Handelsverboten anderer Länder gegenüber betroffenen Regionen führt.
- Regionalisierungsabkommen
- Handelsabkommen, das Exporte aus nachweislich seuchenfreien Regionen eines Landes erlaubt, auch wenn die Tierseuche in anderen Landesteilen vorkommt.
Warum sind die Schweinepreise so niedrig?
Laut Vorbemerkung der Anfrage hat die Ausweitung der Produktion in Spanien das Angebot im EU-Binnenmarkt erhöht, während gleichzeitig Exportmärkte wie China wegen der Afrikanischen Schweinepest gesperrt sind.
Was ist das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung?
Es handelt sich um ein staatliches Förderprogramm, das Schweinehaltern beim tierwohlgerechten Umbau ihrer Ställe finanziell helfen soll — die Anfrage fragt, wie viele Betriebe davon bisher profitiert haben.
Was ist ein Regionalisierungsabkommen mit China?
Ein solches Abkommen würde es erlauben, Schweinefleisch aus ASP-freien Regionen Deutschlands nach China zu exportieren, obwohl das Virus andernorts im Land aufgetreten ist.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7914 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































