- Mindestens 143 Christen im Iran im Berichtszeitraum festgenommen
- IRGC zerstörte Kirchengebäude in Maschhad im Juni 2026
- Seit 2017 über 65.000 Asylanträge iranischer Staatsangehöriger in Deutschland
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7726 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung bestätigt in ihrer Vorbemerkung, dass die Verfolgung religiöser Minderheiten im Iran auf hohem Niveau bleibt. Insbesondere Bahá’í, christliche Konvertiten und sunnitische Muslime werden laut Bundesregierung häufig unter dem Vorwurf der Spionage festgenommen. Nach dem Konflikt zwischen Iran und Israel ab Juni 2025 und dem Tod des Obersten Führers Ali Khamenei im Februar 2026 sowie der Machtübernahme durch Mojtaba Khamenei berichteten NGOs von einer Verschärfung der Lage. Die USCIRF dokumentiert für den Berichtszeitraum mindestens 143 Festnahmen von Christen – eine Zahl, die die Bundesregierung in ihrer Antwort zitiert, ohne eigene Erhebungen dagegenzustellen.
- 143 Festnahmen — Laut USCIRF Annual Report 2026 wurden im Berichtszeitraum mindestens 143 Christen im Iran festgenommen.
- 11.846 Asylanträge (2018) — Höchststand iranischer Asylantragstellender in Deutschland; davon 5.454 mit Angabe Christentum.
- 1.208 Asylanträge (Jan.–Jun. 2026) — Aktuelle Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Spitzenjahr 2018.
- 50 Christen — Laut Angaben aus der Anfrage wurden allein im unmittelbaren Nachgang des Iran-Israel-Krieges mindestens 50 Christen festgenommen.
- 65.663 Asylanträge gesamt (2017–Jun. 2026) — Summe aller iranischen Asylantragstellenden in Deutschland im genannten Zeitraum laut Bundesregierung.
Im Detail
Nach Erkenntnissen der Bundesregierung gehen Angriffe auf religiöse Minderheiten bzw. Beschneidung ihrer Rechte in der Regel von der iranischen Regierung aus oder werden von der Regierung toleriert.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7726, Antwort zu Frage 12
Christliche Minderheiten im Iran stehen unter zunehmendem staatlichem Druck. Die Bundesregierung hat am 25. August 2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7469) geantwortet und bestätigt: Angriffe auf religiöse Minderheiten gehen im Iran in der Regel von der Regierung aus oder werden von ihr toleriert. Mindestens 143 Christen wurden laut USCIRF Annual Report 2026 im Berichtszeitraum festgenommen – eine Zahl, die die Bundesregierung zitiert, ohne eigene statistische Erhebungen dazu vorzulegen.
Besonders gravierend ist die Situation der rund eine Million christlichen Konvertiten im Iran. Zwar ist Apostasie – der Abfall vom Islam – im iranischen Strafgesetzbuch nicht explizit kodifiziert, doch werden Konvertiten regelmäßig wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ oder „Propaganda gegen den Staat“ verurteilt. Missionarische Tätigkeit kann nach Angaben der Bundesregierung mit der Todesstrafe geahndet werden. Christliche Gemeinden, die Konvertiten aufnehmen, riskieren behördliche Schließung.
Christenverfolgung im Iran: Neue Eskalationsstufe 2026
Die Drucksache 21/7726 dokumentiert eine Ausweitung der Verfolgung auf traditionelle, staatlich registrierte Kirchen. Am 4. Juni 2026 zerstörte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) ein offizielles evangelisches Kirchengebäude in Maschhad. Am 10. Juni 2026 wurde die St.-Nikolaus-Kirche in Teheran, die einzige legale russisch-orthodoxe Gemeinde des Landes, überfallen. Am 3. Juli 2026 kündigte die IRGC die Beschlagnahme der evangelisch-presbyterianischen St.-Peter-Kirche in Teheran samt ihrem gesamten Vermögen an – einem der ältesten protestantischen Kirchengebäude des Irans. Den rund 20 auf dem Gelände lebenden Gemeindefamilien drohte demnach Räumung oder Inhaftierung.
Ob diese Eskalation mit dem am 17. Juni 2026 unterzeichneten Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA zusammenhängt, beantwortet die Bundesregierung nicht: Sie erklärt, keine eigenen Erkenntnisse zu einem solchen Zusammenhang zu haben. Ebenso äußert sie sich nicht zur Frage, ob der politische Machtwechsel nach dem Tod Ali Khameneis im Februar 2026 die Lage religiöser Minderheiten verändert hat.
Asylzahlen: Christen stellen größte Gruppe unter iranischen Antragstellern
Die Antwort enthält umfangreiche Statistiken zu iranischen Asylantragstellenden in Deutschland. Von 2017 bis Juni 2026 wurden insgesamt rund 65.663 Asylanträge von Personen mit iranischer Staatsangehörigkeit gestellt. In den Jahren 2017 und 2018 – dem bisherigen Höchststand mit 11.846 Anträgen – gaben jeweils über 5.000 Antragstellende das Christentum als Religionszugehörigkeit an und stellten damit die größte Einzelgruppe. In jüngeren Jahren verschob sich das Verhältnis: 2023 überholten konfessionslose und muslimische Antragstellende die christlichen (2.088 von 10.206), was auf veränderte Fluchtgründe hinweist. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 1.208 Asylanträge gestellt, davon 301 mit Angabe Christentum. Derzeit beobachtet die Bundesregierung keine verstärkten Fluchtbewegungen aus der Region in Richtung Europa.
Deutschlands Engagement für Religionsfreiheit im Iran
Im Bereich bilateraler Kooperation erklärt die Bundesregierung knapp: Es finde keine Entwicklungszusammenarbeit oder sicherheitspolitische Kooperation mit dem Iran statt, die an Fortschritte beim Minderheitenschutz geknüpft werden könnte. Das Auswärtige Amt engagiert sich nach eigenen Angaben multilateral – etwa in der Internationalen Kontaktgruppe für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und im Rahmen des VN-Menschenrechtsrats, wo Deutschland die Verlängerung des Mandats der unabhängigen „Fact-Finding Mission on the Islamic Republic of Iran“ unterstützt hat. Die humanitäre Hilfe Deutschlands erfolgt bedarfsorientiert und unabhängig von der Religionszugehörigkeit der Begünstigten – spezifische Projekte für christliche Gemeinden im Iran nennt die Bundesregierung nicht.
Die Antwort auf Frage 2 – nach konkreten Fallzahlen von Verhaftungen und Verurteilungen nach Jahren – verweist die Bundesregierung vollständig an öffentlich zugängliche NGO-Berichte. Eigene gesonderte Statistiken zur religiösen Verfolgungslage erhebt die Bundesregierung nicht. Auch Fluchtgründe werden vom BAMF statistisch nicht erfasst, wie die Antwort auf Teilfrage 15d klarstellt.
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Unmittelbar betroffen sind christliche Gemeinden im Iran – vor allem Konvertiten muslimischer Herkunft, die am stärksten staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind, sowie Mitglieder protestantischer Freikirchen. Mittelbar betroffen sind in Deutschland lebende oder Asyl beantragende Iraner: Von 2017 bis Juni 2026 gaben in den Asylverfahren mehrere zehntausend Antragstellende mit iranischer Staatsangehörigkeit das Christentum als Religionszugehörigkeit an – allein 2017 und 2018 jeweils über 5.000 Personen.
Bei mehreren Fragen – insbesondere zu konkreten Fallzahlen nach Jahren (Frage 2), zum Zusammenhang des Iran-USA-Rahmenabkommens mit Kirchenübergriffen (Frage 5) und zur Lageentwicklung nach dem Machtwechsel (Frage 6) – gibt die Bundesregierung an, keine eigenen Erkenntnisse zu haben, und verweist auf öffentlich zugängliche NGO-Berichte. Die humanitäre Frage (Frage 10) wird grundsätzlich, ohne projektspezifische Aufschlüsselung beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Christenverfolgung Iran: 143 Festnahmen und neue Repressionen 2026 →
- Apostasie
- Abfall vom Islam. Im Iran ist dies zwar nicht eigens im Strafgesetzbuch kodifiziert, wird aber über andere Straftatbestände verfolgt.
- IRGC
- Islamische Revolutionsgarde des Iran – paramilitärische Elitetruppe, die auch innenpolitisch gegen religiöse Minderheiten vorgeht.
- USCIRF
- U.S. Commission on International Religious Freedom – unabhängige US-Behörde, die Religionsfreiheitslage weltweit beobachtet und jährlich berichtet.
Werden Christen im Iran staatlich verfolgt?
Laut Bundesregierung gehen Angriffe auf religiöse Minderheiten im Iran in der Regel von der iranischen Regierung aus oder werden von ihr toleriert. Konvertiten vom Islam drohen Anklagen wegen 'Handlungen gegen die nationale Sicherheit'.
Wie viele Iraner haben seit 2017 in Deutschland Asyl beantragt?
Laut Bundesregierung wurden von 2017 bis Juni 2026 insgesamt rund 65.663 Asylanträge von Personen mit iranischer Staatsangehörigkeit gestellt – davon gaben viele Christentum als Religionszugehörigkeit an.
Was unternimmt Deutschland für verfolgte Christen im Iran?
Die Bundesregierung engagiert sich nach eigenen Angaben in multilateralen Foren wie der VN-Menschenrechtsrat-Sondersitzung und unterstützt die VN-Sonderberichterstatterin zu Iran. Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem Iran findet nicht statt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7726 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































