Wissenschaftlicher Dienst analysiert „Flexploitation“ in der modernen Arbeitswelt
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer aktuellen Analyse den Begriff der „Flexploitation“ nach Pierre Bourdieu untersucht und dessen Anwendbarkeit auf heutige Arbeitsformen geprüft. Der französische Soziologe prägte 1997 diesen Begriff aus „Flexibilität“ und „Ausbeutung“ und kritisierte damit die neoliberale Wirtschaftspolitik, die durch bewusste Flexibilisierung des Arbeitsmarktes Arbeitnehmer zur Unterwerfung zwinge.
Die Studie identifiziert Plattformarbeit als moderne Form der Flexploitation. Etwa 28 Millionen Menschen arbeiten in der EU über Online-Plattformen, oft formal als Selbständige ohne arbeitsrechtlichen Schutz. Die neue EU-Plattformarbeitsrichtlinie von 2024 soll hier Abhilfe schaffen, indem sie eine gesetzliche Vermutung des Arbeitsverhältnisses einführt.
Bei atypischen Beschäftigungsformen zeigt die Analyse differenzierte Ergebnisse. Leiharbeit kann je nach Qualifikationsgrad unterschiedlich bewertet werden: Während gering qualifizierte Arbeiter oft in prekären Situationen verharren, nutzen Fachkräfte in Bereichen mit Arbeitskräftemangel die Leiharbeit bewusst für bessere Konditionen.
Befristete Verträge erfüllen bei qualifizierten Arbeitnehmern meist eine Brückenfunktion, können aber bei Geringqualifizierten zur dauerhaften Unsicherheit führen. Besonders problematisch ist die Situation des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen, wo 66 Prozent befristet arbeiten und oft in prekäre Verhältnisse gedrängt werden.
Bei Teilzeitarbeit unterscheidet die Studie zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Teilzeit. Letztere, die 2024 noch 4,7 Prozent betraf, kann durchaus als Flexploitation eingestuft werden.
Die geringfügige Beschäftigung betrifft 7,6 Millionen Menschen. Während sie für Schüler, Studierende und Rentner meist unproblematisch ist, führt sie bei Arbeitslosen sowie Hausfrauen und Hausmännern oft zu strukturellen Abhängigkeiten und kann den Übergang in reguläre Beschäftigung verhindern.
Die Analyse warnt vor negativen Auswirkungen auf das Sozialversicherungssystem. Atypische Beschäftigung führt zu geringeren Beitragseinnahmen bei gleichzeitigen Mehrausgaben für Transferleistungen. Dies unterfinanziert die Sozialkassen und erfordert verstärkte Finanzierung aus Steuermitteln, wodurch weniger Geld für staatliche Investitionen zur Verfügung steht.























































