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Home Themen Recht & Inneres

6,7% der Frauen betroffen: Chemische Unterwerfung weiter verbreitet

durch Redaktion Bundestag
12. Juni 2026
in Recht & Inneres
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/6233

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/6233

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VerfahrensstandAntwort
Beantwortet
✓
Anfrage eingereicht
Die parlamentarische Anfrage wurde eingereicht.
2
Antwort veröffentlicht
Die Bundesregierung hat schriftlich geantwortet.
Vorgang VO334728 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/6233 | Antwort | Original-PDF | dip.bundestag.de

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6233 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

⏱ 4 Min. Lesezeit🔄 Akt.: 12.06.2026
⚖️ Verfahrensstand
✅Beantwortet
📅 02.06.2026
⚡ Auf einen Blick
  • 6,7% aller Frauen von K.o.-Tropfen betroffen
  • Täternetzwerke organisieren sich über Telegram
  • Bundesregierung plant Verschärfung des Strafrechts

K.o.-Tropfen: Regierung bestätigt 6,7% Betroffenenquote

Hintergrund

Der Fall Gisèle Pelicot machte 2024 international auf systematische Vergewaltigungen mit K.o.-Tropfen aufmerksam. Journalistische Recherchen deckten in Deutschland ein organisiertes Netzwerk auf, das sich über Telegram-Chatgruppen koordinierte und Anleitungen zur Betäubung von Frauen austauschte. Das Bundeskriminalamt warnt seit 2025 vor den Gefahren solcher Täterstrukturen.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 6,7 Prozent — Lebenszeitprävalenz unfreiwilliger K.o.-Tropfen-Verabreichung bei Frauen
  • 3,7 Prozent — Entsprechende Quote bei Männern laut LeSuBiA-Studie
  • 1,8 Prozent — 5-Jahres-Prävalenz bei Frauen, zeigt aktuelle Betroffenheit
  • Unter 3 Prozent — Anzeigenquote bei sexuellen Übergriffen gegen Frauen

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Infografik BT-Drs. 21/6233
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Im Detail

Die zugeführten Betäubungs- und Schmerzmittel verhindern, dass sich die Opfer an die Tat erinnern können oder unmittelbar körperliche Folgen der Vergewaltigung spüren.

— Bundeskriminalamt in BT-Drs. 21/6233

Die Bundesregierung bestätigt eine Verbreitung chemischer Unterwerfung in Deutschland. Laut der Dunkelfeldstudie LeSuBiA sind 6,7 Prozent aller Frauen bereits von unfreiwilliger Verabreichung von K.o.-Tropfen betroffen gewesen, wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervorgeht (BT-Drs. 21/6233 vom 2. Juni 2026). Bei Männern liegt die Quote bei 3,7 Prozent.

Die Anzeigenquote bei sexuellen Übergriffen liegt bei unter drei Prozent. Das bedeutet, dass 97 Prozent der Taten nicht zur Anzeige gebracht werden. Die Täter nutzen diese Dunkelziffer und organisieren sich über verschlüsselte Messenger-Dienste sowie internationale Online-Plattformen, wie die Regierung weiter ausführt.

Organisierte Täternetzwerke im Darknet

Journalistische Recherchen deckten 2025 ein deutsches Vergewaltigernetzwerk auf. Es koordinierte sich über geschlossene Telegram-Chatgruppen. Die Täter tauschten dort Anleitungen zur Betäubung von Frauen aus, lieferten sich Medikamente und Dosierungsanleitungen und dokumentierten ihre Verbrechen mit Fotos und Videos.

Vergewaltigungen sind teilweise live unter Anweisung anderer Netzwerkmitglieder begangen und übertragen worden. Nutzer konnten sich auf Plattformen wie motherless.com über Betäubungsmethoden austauschen. Das Bundeskriminalamt kennt diese Strukturen seit zweieinhalb Jahren.

Was gilt aktuell?

Die gezielte Verabreichung von Betäubungsmitteln zum Zweck sexueller Übergriffe ist bereits nach geltendem Recht als Vergewaltigung strafbar. Der Einsatz von K.o.-Tropfen wird jedoch bisher nicht explizit als schwere Form der Tat gewertet. Dies soll sich durch eine Gesetzesänderung ändern.

Das Bundeskriminalamt warnt auf seiner Website vor den Gefahren. Diese gehen von derartigen Täterstrukturen aus. Dabei stellt die Behörde fest:

Die zugeführten Betäubungs- und Schmerzmittel verhindern, dass sich die Opfer an die Tat erinnern können oder unmittelbar körperliche Folgen der Vergewaltigung spüren.

Rechtliche Verschärfung geplant

Am 13. Mai 2026 beschloss das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes vor K.o.-Tropfen. Künftig soll der Einsatz solcher Substanzen in § 177 StGB explizit als ‚gefährliches Mittel‘ eingestuft werden. Die Mindeststrafe würde dann von drei auf fünf Jahre Freiheitsstrafe steigen.

Die Linken-Fraktion kritisiert den Entwurf. Er hebt nur den Strafrahmen bei bereits strafbaren Taten an. Die Verabreichung von Betäubungsmitteln ohne Wissen wird nicht als eigenständiger Straftatbestand erfasst. Die Bundesregierung teilt diese Einschätzung nicht und verweist darauf, dass das Verhalten bereits nach geltendem Recht strafbar ist.

Für Betroffene steht das bundesweite Hilfetelefon ‚Gewalt gegen Frauen‘ unter 116 016 zur Verfügung. Die Beratung erfolgt anonym. Kostenlos und rund um die Uhr in 18 Fremdsprachen.

Weiterlesen:

  • 7,8 Milliarden: Psychiatrische Behandlung wird immer teurer
  • 450 Plätze für Millionen Kinder: Suchtrehabilitation am Limit
👥 Wen betrifft das?

Primär betroffen sind Frauen im nahen sozialen Umfeld der Täter. Die meisten Übergriffe finden in Partnerschaften oder im Bekanntenkreis statt. Auch Männer in queeren Dating-Kontexten sind von chemischer Unterwerfung betroffen.

⚖️ Antwortverhalten der Bundesregierung

😠😕😐😊

😕 Teilweise beantwortet

Die Bundesregierung verweist bei konkreten Fallzahlen wiederholt auf fehlende statistische Erfassung. Konkrete Maßnahmen gegen Darknet-Plattformen werden nur oberflächlich behandelt.

Parlamentarischer Fahrplan

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 02.06.2026) Chemische Unterwerfung: Bundesregierung zur Verbreitung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt befragt →

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Strafgesetzbuch § 177
📖 Begriffe erklärt
K.o.-Tropfen
Betäubungsmittel wie GHB oder Benzodiazepine, die heimlich verabreicht werden um Wehrlosigkeit zu erzeugen.
Chemische Unterwerfung
Französischer Begriff 'soumission chimique' für gezielte Betäubung zum Zweck sexueller Gewalt.
❓ Häufige Fragen

Was ist chemische Unterwerfung?

Gezielte Verabreichung von Betäubungsmitteln wie K.o.-Tropfen zum Zweck sexueller Übergriffe.

Wie verbreitet ist das Phänomen?

6,7% aller Frauen erlebten bereits unfreiwillige K.o.-Tropfen-Verabreichung, bei Männern sind es 3,7%.

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