- 721 Mio. Euro Bauinvestitionen für Bundeswehr in Hamburg bis 2029
- Zwölf Liegenschaften mit rund 1,28 Mio. m² Gesamtfläche in Betrieb
- Kein Musterungszentrum in Hamburg derzeit aktiv – Standortentscheidung angekündigt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6529 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Oktober 2025 erließ das Bundesministerium der Verteidigung ein Moratorium, das die Umwandlung militärischer Liegenschaften in zivile Nachnutzung vorübergehend aussetzt. Hintergrund ist der geplante personelle Aufwuchs der Bundeswehr auf mindestens 255.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2035 sowie die Ausweitung der Verteidigungsausgaben. Hamburg gewinnt dabei als Verkehrs- und Logistikknoten im Kontext der NATO-Mobilitätsstrategie und des Konzepts „Drehscheibe Deutschland“ an militärischer Bedeutung. Die Fraktion Die Linke hatte mit ihrer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6179) konkrete Informationen über Ausmaß und Planung der Bundeswehrpräsenz in Hamburg eingeholt.
- 721 Mio. Euro — Bauinvestitionen für Bundeswehr-Liegenschaften in Hamburg, geplant für 2026 bis 2029.
- 12 Liegenschaften — Anzahl der aktiv genutzten Bundeswehr-Objekte in Hamburg, alle im Betrieb des Bundeswehrdienstleistungszentrums Hamburg.
- 260.000 m² — Größte Einzelliegenschaft ist die Douaumont-Kaserne am Holsterhofweg.
- 130 km — Länge des Militärstraßengrundnetzes auf Hamburger Stadtgebiet.
- 255.000 Soldatinnen und Soldaten — Zielgröße für den Personalaufwuchs der Bundeswehr bis 2035, laut Vorbemerkung der Fragesteller.
Im Detail
In der Freien und Hansestadt Hamburg sind gegenwärtig für die Jahre 2026 bis 2029 Bauinvestitionen in Höhe von rund 721 Mio. Euro für Liegenschaften der Bundeswehr vorgesehen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6529, S. 4
Für den Zeitraum 2026 bis 2029 plant der Bund Bauinvestitionen von rund 721 Millionen Euro in Bundeswehr-Liegenschaften in Hamburg. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/6529, 15. Juni 2026) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Die Drucksache legt erstmals gebündelt offen, welche Kasernen und Objekte die Bundeswehr in der Hansestadt unterhält – und welche strategische Rolle Hamburg im Kontext des militärischen Ausbaus spielt.
Bundeswehr-Liegenschaften Hamburg: Zwölf Objekte, alle in Nutzung
Das Bundeswehrdienstleistungszentrum Hamburg verwaltet insgesamt zwölf Liegenschaften. Darunter befinden sich fünf große Ausbildungskasernen: die Hanseatenkaserne (Stolterstraße, 120.000 m²), die Douaumont-Kaserne (Holsterhofweg, 260.000 m²), die Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne (Blomkamp, 250.000 m²), die Reichspräsident-Ebert-Kaserne (Osdorfer Landstraße, 200.000 m²) sowie die Clausewitz-Kaserne (Manteuffelsstraße, 240.000 m²). Hinzu kommen das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg (Lesserstraße, 130.000 m²) sowie mehrere Verwaltungsobjekte und ein sonstiges Objekt in der Rodigallee. Laut Bundesregierung sind alle genannten Liegenschaften in Nutzung; Erweiterungen oder Umnutzungen sind derzeit nicht geplant.
Strategische Liegenschaftsreserve: Eine Hamburger Fläche betroffen
Seit Oktober 2025 gilt ein bundesweites Moratorium, das die Umwandlung militärischer Liegenschaften in zivile Nutzung stoppt. In Hamburg ist dem Verteidigungsministerium zufolge ein „ehemaliges Betriebsgrundstück“ davon betroffen. Ob dieses Objekt dauerhaft der strategischen Liegenschaftsreserve zugeführt wird, ist nach Angaben der Bundesregierung noch nicht entschieden. Das Moratorium steht im Zusammenhang mit dem geplanten Personalaufwuchs der Bundeswehr auf mindestens 255.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2035, für den auch neue Musterungs- und Ausbildungskapazitäten benötigt werden.
Kein Musterungszentrum in Hamburg – noch
Aktuell finden am Standort Hamburg keine Assessmentverfahren oder Musterungen statt. Die Bundesregierung verweist für die geplante Einrichtung eines Musterungszentrums in Hamburg auf eine Pressemitteilung des Bundesministeriums der Verteidigung vom 7. Mai 2026. Einzelheiten zu Kapazitäten und Zeitplan nennt die Antwort nicht. Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Digitalisierung und Modernisierung der Bundeswehr zeigt die Drucksache, dass Hamburg schrittweise als militärischer Standort ausgebaut wird.
Militärstraßennetz und Hamburger Hafen
Das Militärstraßengrundnetz umfasst in Hamburg rund 130 Kilometer. Angaben zum Anteil am Gesamtstraßennetz enthält die Antwort nicht; die Festlegung des Militärischen Eisenbahn-Grundnetzes (MEGN) für Hamburg ist laut Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. Zur Frage, welche Vereinbarungen zwischen Bund und Hamburg über die militärische Nutzung von Verkehrswegen bestehen, teilt die Regierung lediglich mit, dass sich eine entsprechende Vereinbarung noch in der Abstimmung befinde – ohne inhaltliche Details zu nennen. Die Frage nach der Rolle des Hamburger Hafens in militärischen Logistikkonzepten beantwortet die Bundesregierung mit einem Verweis auf die Nationale Hafenstrategie, ohne konkrete Aussagen zur militärischen Nutzung zu machen.
Auswirkungen auf zivile Nutzungen: Verweis auf frühere Drucksache
Die Frage nach konkreten Auswirkungen militärischer Planungen auf zivile Flächen und Infrastruktur in Hamburg beantwortet die Bundesregierung mit einem Verweis auf ihre Vorbemerkung in BT-Drs. 21/2953. Inhaltliche Ausführungen dazu bleiben aus. Anwohnerinnen, Anwohner und Unternehmen in zwischengenutzten Liegenschaften werden laut Bundesregierung nur „im Bedarfsfall anlassbezogen“ in Reaktivierungsprozesse eingebunden. Umweltbelastungen der vom Moratorium betroffenen Liegenschaft stuft die Behörde als nicht relevant ein.
Die Bundeswehr-Investitionen in Hamburg fügen sich in den bundesweiten Trend ein: Deutschland baut seine Verteidigungsinfrastruktur massiv aus, um NATO-Vorgaben zu erfüllen. Hamburg nimmt dabei als Logistikdrehscheibe und Hafenstandort eine besondere Rolle ein. Parallel laufen laut aktueller Berichterstattung weitere parlamentarische Debatten zur Bundeswehr-Modernisierung in dieser Wahlperiode.
Weiterlesen:
- Verteidigungsministerium muss Kritik des Bundesrechnungshofs ernst nehmen
- Deutscher Einsatz in Straße von Hormus nur unter Zustimmung der Anrainerstaaten
- Diese Woche im Bundestag – KW26/2026
Betroffen sind vor allem Hamburger Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen rund um die Kasernenstandorte sowie Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Verkehrsnetzes, das teilweise militärischen Anforderungen unterliegt. Unternehmen und Personen, die Liegenschaften der Bundeswehr zwischennutzen, werden nach Angaben der Bundesregierung nur anlassbezogen in Reaktivierungsprozesse eingebunden.
Bei mehreren Fragen verweist die Bundesregierung auf andere Drucksachen oder laufende Abstimmungen, ohne konkrete Inhalte zu nennen – etwa zur Rolle des Hamburger Hafens (Verweis auf Nationale Hafenstrategie), zu zivilen Auswirkungen (Verweis auf BT-Drs. 21/2953) und zur Vereinbarung mit Hamburg über Verkehrswege (noch in Abstimmung). Die Kernzahlen zu Liegenschaften und Investitionen werden vollständig beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 15.06.2026) Hamburg wird militärische Drehscheibe: Was das bedeutet →
- Strategische Liegenschaftsreserve
- Seit Oktober 2025 hält die Bundeswehr Liegenschaften, die eigentlich für eine zivile Nachnutzung vorgesehen waren, für künftige militärische Nutzung vor. Ein Moratorium stoppt die Umwidmung.
- Militärstraßengrundnetz
- Ein festgelegtes Straßennetz, das für militärische Transporte und Truppenverlegungen genutzt werden kann. In Hamburg umfasst es rund 130 Kilometer.
- Drehscheibe Deutschland
- Strategisches NATO-Konzept, wonach Deutschland als zentraler Transitkorridor für den raschen Verlegung von Truppen und Material in den östlichen Bündnisbereich dient.
Wie viele Liegenschaften betreibt die Bundeswehr in Hamburg?
Laut BT-Drs. 21/6529 betreibt die Bundeswehr in Hamburg aktuell zwölf Liegenschaften, darunter fünf Kasernen, das Bundeswehrkrankenhaus und mehrere Verwaltungsgebäude. Alle sind in aktiver Nutzung.
Gibt es ein Musterungszentrum der Bundeswehr in Hamburg?
Nein. Laut Bundesregierung werden am Standort Hamburg derzeit keine Assessmentverfahren oder Musterungen durchgeführt. Zur Einrichtung eines Musterungszentrums wird auf eine Pressemitteilung des BMVg vom 7. Mai 2026 verwiesen.
Was ist die strategische Liegenschaftsreserve der Bundeswehr?
Seit Oktober 2025 gilt ein Moratorium, das die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften in zivile Nachnutzung aussetzt. Betroffene Flächen werden der strategischen Liegenschaftsreserve zugeführt und für künftige militärische Nutzung vorgehalten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6529 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































