- Chinas Anteil an deutschen Lithium-Akku-Importen stieg auf rund zwei Drittel
- China liefert 100 Prozent der schweren Seltenen Erden für die EU
- Bei 20 von 56 versorgungsrelevanten Wirkstoffen besteht hohes Kapazitätsrisiko
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6799 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reiste vom 25. bis 29. Mai 2026 nach Peking und Kanton und wurde von einer Wirtschaftsdelegation mit rund 40 Unternehmen begleitet. Ziel waren laut Bundesregierung politische Gespräche, Unternehmensbesuche und der Austausch über wirtschaftspolitische Fragen einschließlich Energietechnologien. Nach Destatis-Daten stieg der Anteil chinesischer Lieferungen bei deutschen Lithium-Ionen-Akku-Importen binnen zwei Jahren von knapp der Hälfte auf rund zwei Drittel; bei Solarmodulen von 89 auf knapp 93 Prozent, bei Antibiotika von gut 65 auf rund 73 Prozent. China liefert laut EU-Kommission 100 Prozent der schweren Seltenen Erden für die Europäische Union. Der Critical Raw Materials Act soll Lieferkettenrisiken durch Diversifizierung und strategische Reserven mindern.
- ca. zwei Drittel — Chinas Anteil an deutschen Lithium-Ionen-Akku-Importen, gestiegen von knapp der Hälfte innerhalb von zwei Jahren (Destatis-Daten).
- knapp 93 % — Chinas Anteil an deutschen Solarmodul-Importen, zuvor rund 89 Prozent (Destatis-Daten).
- rund 73 % — Chinas Anteil an deutschen Antibiotika-Importen, gestiegen von gut 65 Prozent (Destatis-Daten).
- 20 von 56 — versorgungsrelevante Wirkstoffe mit hohem Kapazitätsrisiko durch Konzentration in China (IW Köln / Pro Generika, 2025).
- 100 % — Chinas Anteil an der Lieferung schwerer Seltener Erden für die EU laut EU-Kommission.
Im Detail
Die Reise der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie nach China wirkt aus Sicht der Fragesteller vor diesem Hintergrund wie ein Brennglas: Sie macht bestehende Abhängigkeiten, strukturelle Standortprobleme und den Handlungsdruck der Bundesregierung sichtbar.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6799
Deutschlands Wirtschaft ist bei einer wachsenden Zahl strategisch wichtiger Güter von China abhängig — und diese Abhängigkeit nimmt zu. Lithium-Ionen-Akkus, Solarmodule, Antibiotika, Seltene Erden: In all diesen Bereichen dominiert China die Lieferketten. Vor diesem Hintergrund reiste Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vom 25. bis 29. Mai 2026 nach Peking und Kanton — begleitet von einer Wirtschaftsdelegation mit rund 40 Unternehmen. Die AfD-Fraktion stellt nun in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6799 insgesamt 47 Fragen zu Zielen, Ergebnissen und Kosten dieser Reise.
China-Abhängigkeit in Zahlen
Nach Auswertungen auf Basis von Destatis-Daten ist Chinas Anteil an den deutschen Einfuhren von Lithium-Ionen-Akkus binnen zwei Jahren von knapp der Hälfte auf rund zwei Drittel gestiegen. Bei Solarmodulen nahm der Anteil von etwa 89 auf knapp 93 Prozent zu, bei Antibiotika von gut 65 auf rund 73 Prozent. Laut EU-Kommission liefert China 100 Prozent der schweren Seltenen Erden für die gesamte Europäische Union. Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag des Pharmaverbandes Pro Generika kommt zu dem Ergebnis, dass bei 20 von 56 als versorgungsrelevant eingestuften Wirkstoffen ein hohes Kapazitätsrisiko besteht — besonders betroffen sind Antibiotika, Schmerzmittel und Diabetesmedikamente. Bei einzelnen Wirkstoffen liegt der Anteil chinesischer Produktionskapazitäten bei deutlich über 70 Prozent.
Was gilt aktuell?
Auf EU-Ebene soll der Critical Raw Materials Act die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen durch Diversifizierung, eigene europäische Kapazitäten und strategische Reserven verringern. Im Pharmabereich hat die EU-Kommission eine Reform des Arzneimittelrechts angestoßen, die die Versorgungssicherheit verbessern und eine Anpassung nationaler Rechtsordnungen erfordern soll. Deutschland und Frankreich haben am 18. Mai 2026 eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der europäischen Pharmaindustrie veröffentlicht. Eine umfassende nationale Strategie zur Verringerung von Arzneimittelabhängigkeiten von China besteht nach Einschätzung der Fragesteller bisher nicht.
47 Fragen zur China-Reise: Worum geht es?
Die Anfrage gliedert sich in mehrere Themenstränge. Zunächst fragen die Abgeordneten nach den Zielen und der Zusammensetzung der Wirtschaftsdelegation: Welche Unternehmen waren dabei, wie viele davon waren Mittelständler oder Start-ups, und nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt? Auch interessiert die Fragesteller, welche Verbände und Institutionen in die Reisevorbereitung einbezogen wurden.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf konkreten Ergebnissen: Welche Vereinbarungen, Absichtserklärungen oder Memoranda of Understanding wurden geschlossen? Welche Themen blieben ungelöst? Wie und wann plant die Bundesregierung, den Bundestag über Verlauf und Ergebnisse zu unterrichten?
Besonderes Gewicht legt die Anfrage auf kritische Rohstoffe — darunter Seltene Erden, Gallium, Germanium und Graphit. Die Fragesteller wollen wissen, welche Rohstoffe in den Gesprächen thematisiert wurden, ob belastbare Vereinbarungen erzielt wurden und welche Position Deutschland in den Brüsseler Verhandlungen zu einer möglichen EU-Rohstoffreserve vertreten hat.
Im Bereich Pharma und Arzneimittelversorgung fragen die Abgeordneten nach dem Umfang der Gespräche zur pharmazeutischen Versorgungssicherheit, nach der deutschen Haltung zum EU-Pharma-Paket sowie nach Vorbereitungen zur Umsetzung des Critical Medicines Act. Ergänzend wird gefragt, weshalb bisher keine umfassende nationale Strategie zur Verringerung von Arzneimittelabhängigkeiten umgesetzt wurde.
Auch Agrar- und Ernährungswirtschaft steht auf der Agenda: Die AfD erkundigt sich nach Abhängigkeiten bei Agrarchemie, Verpackungsmaterialien und Zusatzstoffen sowie nach potenziellen Risiken für die Ernährungssicherheit. Für den Mittelstand interessiert die Fraktion, welche Hindernisse beim China-Geschäft bekannt sind und welche Instrumente der Außenwirtschaftsförderung eingesetzt werden.
Schließlich fragen die Abgeordneten nach den Kosten der Reise: Welche Bundesministerien und Behörden waren beteiligt, wie viele Personen wurden entsandt, und welche Ausgaben entstanden für Reise, Unterbringung, Sicherheit und Logistik? Auch ob externe Agenturen oder Lobbydienstleister eingebunden wurden, ist Gegenstand der Anfrage.
Strukturelle Standortfragen im Fokus
Neben der China-Reise selbst thematisiert die Anfrage den Zusammenhang zwischen Deutschlands China-Abhängigkeit und strukturellen Standortproblemen. Laut Vorbemerkung der Fragesteller erschweren hohe Energiepreise, Bürokratie, langsame Genehmigungen und Investitionshemmnisse eine eigenständige Verringerung der Abhängigkeiten. Ob die Bundesregierung diesen Zusammenhang anerkennt und welche Reformen sie eingeleitet hat, ist ebenfalls Gegenstand der 47 Fragen. Das Thema berührt damit auch die breiteren Debatten um den Industriestandort Deutschland und die Energieeffizienz-Politik.
Die wachsende China-Abhängigkeit ist auch im Kontext der Versorgungssicherheit bei Medikamenten relevant — ein Thema, das parallel zur Notfallversorgung-Reform 2026 diskutiert wird. Mehr zur Außenwirtschaftspolitik und Entwicklungszusammenarbeit findet sich im Beitrag zur Reform der deutschen Entwicklungshilfe.
Weiterlesen:
- CDU-Werkstattgespräch: Industrie im Wettbewerb
- Energieeffizienzgesetz – mehr Effizienz, weniger Bürokratie
- Notfallversorgung-Reform 2026: 1,2 Mrd. Euro Einsparpotenzial
Betroffen sind Unternehmen der deutschen Industrie und des Mittelstands, die auf kritische Rohstoffe, Solarkomponenten oder pharmazeutische Vorprodukte aus China angewiesen sind. Darüber hinaus berührt das Thema Patienten und das Gesundheitssystem, da bei zahlreichen Antibiotika, Schmerzmitteln und Diabetesmedikamenten hohe Abhängigkeiten von chinesischen Produktionskapazitäten bestehen. Für Verbraucher sind indirekt Preisstabilität und Verfügbarkeit von Alltagsprodukten wie Akkus und Solaranlagen relevant.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/6799) wurde am 30. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat ab Einreichung 21 Tage Zeit zur Antwort; die Frist läuft voraussichtlich bis zum 21. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Anfrage als abgeschlossen gelten.
- Kritische Rohstoffe
- Materialien, die für die Wirtschaft und Industrie strategisch wichtig, aber in der Versorgung gefährdet sind — darunter Seltene Erden, Gallium, Germanium und Graphit. Die EU führt eine offizielle Liste kritischer Rohstoffe.
- Critical Raw Materials Act
- EU-Verordnung zur Sicherung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen durch Diversifizierung, eigene europäische Kapazitäten und strategische Reserven.
- Memorandum of Understanding (MoU)
- Absichtserklärung zwischen zwei Parteien, die Zusammenarbeit oder Ziele festhält, aber in der Regel rechtlich nicht bindend ist.
Wann reiste Wirtschaftsministerin Reiche nach China?
Laut Drucksache reiste Katherina Reiche vom 25. bis 29. Mai 2026 nach Peking und Kanton, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation mit rund 40 Unternehmen.
Wie abhängig ist Deutschland von chinesischen Arzneimitteln?
Laut einem IW-Köln-Gutachten im Auftrag von Pro Generika besteht bei 20 von 56 versorgungsrelevanten Wirkstoffen ein hohes Kapazitätsrisiko; bei einzelnen Wirkstoffen liegt der chinesische Produktionsanteil bei über 70 Prozent.
Was fragt die AfD konkret?
47 Fragen zu Zielen, Ergebnissen und Kosten der Reise, zur Zusammensetzung der Wirtschaftsdelegation, zu Vereinbarungen bei kritischen Rohstoffen sowie zur deutschen Position in EU-Verhandlungen zu Pharma und Rohstoffen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6799 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































