- 1.028 Fahrkartenautomaten in Bayern — 356 weniger als 2015
- An 495 von 1.071 Bahnhöfen gibt es keinen stationären Ticketverkauf
- Sanierungsrückstand im Regionalbereich Süd: über 20,7 Milliarden Euro
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7548 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit Jahren beobachten Fahrgastverbände und Kommunen in Bayern einen Rückzug der Deutschen Bahn aus dem stationären Vertrieb. Zwischen 2010 und 2025 sank die Zahl der klassischen Reisezentren in Bayern nach Angaben der Fragesteller von 75 auf 46. Die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7316) zielte darauf ab, diese Entwicklung anhand aktueller Daten zu belegen und zugleich den Zustand der Infrastruktur sowie den Fortschritt der Stationsoffensive Bayern zu erfassen. Verantwortlich für Planung und Organisation des öffentlichen Personennahverkehrs in Bayern ist nach Angaben der Bundesregierung die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die entsprechende Leistungen im Rahmen von Ausschreibungen vergibt.
- 1.028 Fahrkartenautomaten — Stand Juli 2026 in Bayern; 2015 waren es noch 1.384.
- 46 Reisezentren — 2026 noch vorhanden; 2015 waren es 67. Parallel stieg die Zahl der Video-Reisezentren von 9 auf 41.
- 21 DB-Agenturen — 2026 noch aktiv; 2015 waren es 91 Agenturen mit verkehrsvertraglichen Verpflichtungen.
- 20,76 Mrd. Euro — Gesamtsanierungsrückstand im Regionalbereich Süd Ende 2025; 2020 betrug er noch 9,04 Mrd. Euro.
- 101 Langsamfahrstellen — Ende 2025 im bayerischen Netz, davon 26 seit mehr als sechs Monaten bestehend, auf 74 km Streckenlänge.
Im Detail
Die DB AG bietet derzeit an 576 von 1 071 bayerischen Verkehrsstationen eine stationäre Erwerbsmöglichkeit.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7548, S. 2
An fast der Hälfte aller Bahnhöfe in Bayern können Reisende keine Fahrkarten mehr vor Ort kaufen. Laut der am 10. August 2026 veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7548, Anfrage BT-Drs. 21/7316) bietet die Deutsche Bahn AG nur noch an 576 von 1.071 bayerischen Verkehrsstationen eine stationäre Erwerbsmöglichkeit. An den übrigen 495 Stationen gibt es keinen Schalter, keinen Automaten und keine Agentur mehr.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückzug bei den Fahrkartenautomaten: Ihre Zahl sank von 1.384 im Jahr 2015 auf 1.028 im Juli 2026. Reisezentren gingen im selben Zeitraum von 67 auf 46 zurück, während DB-Agenturen von 91 auf 21 schrumpften. Lediglich Video-Reisezentren wurden ausgebaut — von 9 auf 41. Reisebüros mit DB-Lizenz reduzierten sich von 251 (2015) auf 82 (Juli 2026).
DB-Bürgernähe Bayern: Was gilt aktuell?
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass der Nahverkehrsmarkt ein Ausschreibungsmarkt ist: Das Angebot der DB AG spiegelt nicht die gesamte Versorgungslage in Bayern wider. Zuständig für Planung und Organisation des öffentlichen Personennahverkehrs ist die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die Leistungen im Rahmen von Ausschreibungen vergibt. Gesamtdaten auf Bundeslandebene liegen laut Bundesregierung ausschließlich der BEG vor — nicht dem Bund.
Sanierungsrückstand mehr als verdoppelt
Gravierend ist auch die Entwicklung beim Unterhalt der Infrastruktur. Der Sanierungsrückstand im DB-Regionalbereich Süd — der im Wesentlichen Bayern umfasst — stieg von 9,04 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 20,76 Milliarden Euro Ende 2025. Den größten Anteil daran haben Brücken (7,92 Mrd. Euro), Gleise (3,67 Mrd. Euro) sowie Leit- und Sicherungstechnik (3,46 Mrd. Euro). Für Bahnhöfe beziffert die Bundesregierung den altersbedingten Nachholbedarf im Regionalbereich Süd auf aktuell rund 3,2 Milliarden Euro, wovon zwei Drittel auf Empfangsgebäude und ein Drittel auf Verkehrsstationen entfallen. Investitionspläne für die nächsten drei Jahre konnte die Bundesregierung wegen noch laufender Planungen nicht nennen.
Langsamfahrstellen: Älteste besteht seit fast fünf Jahren
Auch das Bild bei den Langsamfahrstellen ist aufschlussreich. Ende 2025 gab es im bayerischen Netz 101 temporäre Langsamfahrstellen auf einer kumulierten Streckenlänge von 74 Kilometern — das entspricht 1,2 Prozent des Gesamtnetzes. Zum Vergleich: Ende 2021 waren es noch 17 Stellen. Die langwierigste Einschränkung besteht auf der Strecke Icking–Wolfratshausen (Strecke 5507) seit dem 2. September 2021 wegen eines instabilen Erdkörpers — eine Situation, die zum Zeitpunkt der Anfrage fast fünf Jahre anhielt. Die zweitälteste Einschränkung betrifft die Strecke Kreuzstraße–Westerham (Strecke 5622, Untergrundmangel, seit Juli 2023), die drittälteste die Strecke Peiting Ost–Peißenberg (Strecke 5444, instabiler Erdkörper, seit November 2023).
Stationsoffensive Bayern: Mehrere Projekte abgebrochen
Zur Stationsoffensive Bayern veröffentlichte die Bundesregierung eine Anlage mit dem Projektstatus der einzelnen Haltepunkte. Demnach wurden mehrere Neubau-Vorhaben vollständig abgebrochen, darunter die geplanten Haltepunkte Ergolding, Weiden Nord, Weiden-Rehbühl, Weilheim Süd, Bodenmais Süd und Hof Mitte. Andere Projekte verzögern sich erheblich: Der Haltepunkt Kaufbeuren Nord soll nun voraussichtlich erst 2029 in Betrieb gehen (ursprünglich 2022 geplant), der Haltepunkt Bischofswiesen-Winkl frühestens ab 2031. Die Kostendaten je Projekt stufte das Bundesministerium für Verkehr als VS-VERTRAULICH ein und hinterlegte sie in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages — mit der Begründung, eine Veröffentlichung könnte Vergabeverfahren beeinträchtigen und Wettbewerbsnachteile für die DB InfraGO AG erzeugen. Abgeordnete mit entsprechender Freigabe können die Unterlagen dort einsehen. Ähnliche Fragen zur Infrastrukturentwicklung thematisiert auch die Drucksache zu Arbeitssicherheit in der Stromerzeugung, die ebenfalls technische Betriebszustände in versorgungsrelevanten Bereichen untersucht.
Die Antwort der Bundesregierung zeichnet insgesamt ein Bild des strukturellen Rückzugs der DB AG aus dem stationären Kundenkontakt in Bayern — bei gleichzeitig wachsendem Sanierungsbedarf und verzögerten Ausbauprojekten. Für einen vertieften Überblick über parlamentarische Anfragen zu gesellschaftlich relevanten Themen empfiehlt sich auch ein Blick auf die Kriminalitätsentwicklung 2000–2025, die ebenfalls Langzeitdaten in den Mittelpunkt stellt.
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- UN-Lieferkettenabkommen: 21 Fragen zur Haltung Deutschlands
Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer in Bayern — insbesondere ältere Menschen und Personen ohne Internetzugang — sind von dem Rückgang stationärer Ticket-Kaufmöglichkeiten direkt betroffen. Auch Pendler auf Strecken mit Langsamfahrstellen erleiden Verspätungen. Der wachsende Sanierungsrückstand betrifft alle Nutzer des bayerischen Schienennetzes sowie den Bund als Eigentümer der DB AG.
Die Kosten zur Stationsoffensive Bayern wurden nicht öffentlich beantwortet, sondern als Geschäftsgeheimnis eingestuft und VS-VERTRAULICH hinterlegt. Investitionssummen für die nächsten drei Jahre konnten wegen laufender Planung nicht genannt werden. Alle übrigen Fragen wurden mit Zahlenangaben der DB AG beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Deutsche Bahn in Bayern: Ticketautomaten und Reisezentren schwinden →
- Langsamfahrstelle
- Abschnitt im Schienennetz, auf dem Züge vorübergehend nur mit reduzierter Geschwindigkeit fahren dürfen, z. B. wegen Gleisschäden oder Erdrutschgefahr.
- Stationsoffensive Bayern
- Programm der DB AG zum Neubau von Haltepunkten in Bayern, das auf einer Rahmenvereinbarung mit dem Freistaat basiert.
- VS-VERTRAULICH
- Geheimhaltungsstufe der Bundesrepublik Deutschland; entsprechende Dokumente dürfen nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages eingesehen werden.
Wie viele Bahnhöfe in Bayern haben keinen Ticketschalter?
Laut Bundesregierung bietet die DB AG nur an 576 von 1.071 bayerischen Verkehrsstationen eine stationäre Kaufmöglichkeit für Fahrkarten — an 495 Stationen gibt es kein solches Angebot.
Wie hoch ist der Sanierungsrückstand der DB in Bayern?
Der gesamte Sanierungsrückstand im Regionalbereich Süd (der im Wesentlichen Bayern entspricht) betrug Ende 2025 rund 20,76 Milliarden Euro, davon entfällt der größte Anteil auf Brücken und die Leit- und Sicherungstechnik.
Was ist die Stationsoffensive Bayern?
Das Programm sieht den Neubau mehrerer Haltepunkte in Bayern vor. Mehrere Projekte wurden abgebrochen oder verzögern sich erheblich; Kostendaten sind als Geschäftsgeheimnis eingestuft.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7548 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































