- 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen fehlen laut Pestel-Institut 2025
- Sozialwohnungsbestand sank auf rund 1.072.266 — von einst 4 Millionen
- Bundesgelder für sozialen Wohnungsbau werden in Tranchen ausgezahlt, nicht sofort
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6842 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Pestel Institut stellte 2025 in einer Studie im Auftrag des Verbändebündnisses Soziales Wohnen einen Fehlbedarf von 1,4 Millionen bezahlbaren Wohnungen in Deutschland fest. Ende der 1980er Jahre gab es noch knapp unter 4 Millionen Sozialwohnungen; seitdem schrumpft der Bestand stetig. Während der Amtszeit der Ampel-Koalition fielen 72.509 Sozialwohnungen aus der Bindung, der Gesamtbestand sank auf 1.072.266 (BT-Drs. 21/3513). Aus mehreren Bundesländern wurde zudem von einer Überzeichnung der Fördertöpfe berichtet: Bereits bewilligte Projekte mussten auf Eis gelegt werden, weil nachfolgende Tranchen nicht bereitgestellt werden konnten. Die 2024 eingeführte Neue Wohngemeinnützigkeit ist in der Abgabenordnung verankert, die im Koalitionsvertrag versprochenen Investitionszuschüsse fehlen jedoch noch (BT-Drs. 21/4908).
- 1.072.266 — Sozialwohnungen im Bestand nach zwei Jahren Ampel-Regierung (Rückgang um ca. 30.000).
- 72.509 — Sozialwohnungen, die während der Regierungszeit von Bundeskanzler Scholz aus der Bindung fielen.
- 1,4 Millionen — Fehlbedarf an bezahlbaren Wohnungen laut Pestel-Institut-Studie 2025.
- knapp 4 Millionen — Sozialwohnungen Ende der 1980er Jahre als historischer Vergleichswert.
- 1. Januar 2025 — Inkrafttreten der Neuen Wohngemeinnützigkeit in der Abgabenordnung.
Im Detail
"fast ausschließlich [um] bezahlbare Wohnungen und vor allem auch Sozialwohnungen" handelt es sich laut Verbändebündnis Soziales Wohnen beim festgestellten Fehlbedarf.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6842
Deutschland fehlen nach einer Studie des Pestel Instituts aus dem Jahr 2025 rund 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen — darunter vor allem Sozialwohnungen. Die Fraktion Die Linke hat dazu am 3. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6842 an die Bundesregierung gerichtet und stellt 19 teils mehrteilige Fragen zur Lage des sozialen Wohnungsbaus, zur Förderpraxis des Bundes und zu geplanten Reformen.
Sozialer Wohnungsbau: Bestand hat sich mehr als halbiert
Noch Ende der 1980er Jahre gab es in Deutschland knapp 4 Millionen Sozialwohnungen. Seitdem schrumpft der Bestand stetig. Während der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz fielen 72.509 Sozialwohnungen aus der Bindung, sodass der Gesamtbestand auf 1.072.266 sank. Der Trend setzt sich fort: Mehr Wohnungen verlieren ihre Sozialbindung, als neue geförderte Wohnungen hinzukommen. Damit stellt sich die grundlegende Frage, ob die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau überhaupt ausreichen — ein zentraler Punkt der Anfrage.
Tranchierung der Bundesfinanzhilfen unter Druck
Die Anfrage greift ein konkretes strukturelles Problem auf: Die Bundesfinanzhilfen für den sozialen Wohnungsbau, die nach Artikel 104d Grundgesetz an die Länder fließen, werden derzeit nicht vollständig im jeweiligen Haushaltsjahr ausgezahlt, sondern über fünf Jahre gestreckt in Tranchen. Aus Bayern und Brandenburg wurde öffentlich über eine Überzeichnung der Fördertöpfe berichtet — bereits bewilligte Projekte mussten auf Eis gelegt werden, weil die nächste Tranche nicht bereitgestellt wurde. Die Fraktion fragt, wie die Bundesregierung dieses Vorgehen begründet und ob eine Vollauszahlung im Haushaltsjahr mehr Förderzusagen ermöglichen würde.
Was gilt aktuell?
Die Neue Wohngemeinnützigkeit ist seit dem 1. Januar 2025 in der Abgabenordnung verankert. Sie gewährt Steuervergünstigungen für Unternehmen, die dauerhaft günstige Mietwohnungen anbieten. Die im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und CSU vereinbarten flankierenden Investitionszuschüsse sind jedoch bislang nicht hinterlegt. Auch eine Bilanz über die tatsächliche Wirkung — wie viele Unternehmen sich der Regelung unterworfen haben und wie viele neue gemeinnützige Wohnungen entstanden sind — liegt laut der Anfrage noch nicht vor (vgl. BT-Drs. 21/4908). Die Anfrage fordert diese Bilanz ein und fragt, wann und in welcher Höhe Investitionsmittel bereitgestellt werden.
Staatliche Wohnungsbaugesellschaft als neues Instrument
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat öffentlich die Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft vorgeschlagen, die bestehende Strukturen wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sowie kommunale und landeseigene Wohnungsunternehmen ergänzen — nicht ersetzen — soll. Die Anfrage hakt nach: Welche verfassungsrechtlichen Änderungen wären nötig? Wie würde das Verhältnis zu kommunalen Unternehmen aussehen? Konkrete Eckpunkte liegen nach bisherigem Kenntnisstand nicht vor. Angesichts der angespannten Investitionslage vieler Kommunen — die sich direkt auf den öffentlichen Wohnungsbau auswirkt — ist die Frage politisch brisant. Auch die Übernahme von Altschulden kommunaler Wohnungsunternehmen in ostdeutschen Bundesländern thematisiert die Anfrage.
Insgesamt umfasst die Kleine Anfrage Fragen zu Förderwegen, Einkommensgrenzen, Bindungslaufzeiten, Baukosten, Förderaufwendungen, Mittelabfluss nach Bundesländern sowie zu den Prognosen der Bundesregierung für Sozialwohnungsneubauten bis 2030. Auch das Programm Junges Wohnen — eine Förderung für junge Haushalte — wird gesondert abgefragt. Die Antwort der Bundesregierung muss innerhalb von 21 Tagen vorliegen.
Themen wie staatliche Mittelverteilung und fehlende Transparenz über Mittelabflüsse stehen auch in anderen parlamentarischen Anfragen im Fokus. Der CDU-Beschluss zur Infrastruktur betont zwar die Bedeutung von Investitionen, adressiert sozialen Wohnungsbau jedoch kaum direkt. Die Haushaltsdebatte 2027 bildet den übergeordneten finanziellen Rahmen, in dem Entscheidungen über Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau fallen.
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Betroffen sind vor allem einkommensschwache Haushalte, die auf günstige Mietwohnungen angewiesen sind, sowie Kommunen mit angespannten Wohnungsmärkten. Auch gemeinnützige und kommunale Wohnungsunternehmen — besonders in ostdeutschen Bundesländern mit hohen Altschulden — stehen im Fokus der Anfrage.
Die Kleine Anfrage wurde am 3. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit zur Beantwortung, die Antwortfrist endet voraussichtlich am 24. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Fraktion Die Linke die Ergebnisse im Plenum oder in weiteren parlamentarischen Initiativen aufgreifen.
- Soziale Bindung
- Verpflichtung eines Wohnungseigentümers, eine geförderte Wohnung für einen festgelegten Zeitraum nur an berechtigte Mieter zu einem begrenzten Mietpreis zu vermieten.
- Wohngemeinnützigkeit
- Seit 2025 geltende steuerrechtliche Regelung in der Abgabenordnung, die Unternehmen begünstigt, die dauerhaft günstige Mietwohnungen bereitstellen.
- BImA
- Bundesanstalt für Immobilienaufgaben — bundeseigene Gesellschaft, die Liegenschaften des Bundes verwaltet und auch für Wohnungszwecke nutzen kann.
Wie viele Sozialwohnungen gibt es aktuell in Deutschland?
Laut Vorbemerkung der Anfrage sind es rund 1.072.266 Sozialwohnungen — während der Ampel-Regierung sank der Bestand um etwa 30.000.
Was ist die Wohngemeinnützigkeit?
Ein 2024 eingeführtes Steuerrecht-Instrument (Abgabenordnung), das Unternehmen begünstigt, die dauerhaft günstige Mietwohnungen anbieten. Die versprochenen flankierenden Investitionszuschüsse fehlen laut Anfrage noch.
Was bedeutet Tranchierung der Bundesfinanzhilfen?
Statt die Bundesmittel für sozialen Wohnungsbau im vollen Umfang im laufenden Haushaltsjahr auszuzahlen, werden sie über fünf Jahre gestreckt. Die Anfrage stellt die Frage, ob das Projekte verzögert.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6842 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































