- Terrorgruppen in Nigeria finanzieren sich überwiegend durch lokale Einnahmen
- ISWAP erzielt jährlich über 190 Millionen Dollar durch Besteuerung im Tschadseegebiet
- Auslandsfinanzierung spielt laut Quellenlage eine untergeordnete Rolle
Finanzierung terroristischer Gruppen in Nigeria: Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer im Juni 2026 abgeschlossenen Analyse die Finanzierungsstrukturen terroristischer Milizen in Nigeria untersucht. Im Fokus stehen dabei Gruppen, die mit Angriffen auf Christen in Verbindung gebracht werden: die Terrororganisationen ISWAP und Boko Haram sowie bewaffnete Gruppen aus der Ethnie der Fulani.
Lokale Gewaltökonomie statt Auslandsfinanzierung
Ein zentrales Ergebnis der Analyse lautet: Alle drei Gruppen finanzieren sich überwiegend durch lokale Einnahmen, nicht durch Zuwendungen aus dem Ausland. Die Behauptung nigerianischer Militärstellen, ISWAP und Boko Haram erhielten große Teile ihrer Mittel aus dem Ausland, lässt sich nach Auswertung der verfügbaren Quellen nicht belegen.
ISWAP: Besteuerung als Kerngeschäft
ISWAP, der militärisch stärkere der beiden jihadistischen Ableger, hat im Tschadseegebiet ein ausgefeiltes quasistaatliches Abgabensystem aufgebaut. Fischerei, Landwirtschaft und Handel werden systematisch mit Abgaben belegt. Schätzungen aus dem Jahr 2025 beziffern diese Einnahmen auf rund 191,5 Millionen US-Dollar jährlich – mehr als das Zehnfache der regulären Steuereinnahmen des betroffenen Bundesstaates Borno. Ergänzend profitiert die Organisation von Schmuggelrouten, Lösegeldern und dem Einsatz von Kryptowährungen sowie dem informellen Hawala-System zur Verschleierung von Finanzströmen.
Boko Haram: Entführungen und Kriminalität
Boko Haram, die 2016 von ISWAP abgespaltene Splittergruppe, verfügt nicht über vergleichbare territoriale Kontrolle. Sie finanziert sich laut Analyse vor allem durch Entführungen, Banküberfälle, Erpressungen und Schwarzhandel. Die geforderten Lösegelder steigen dabei tendenziell an, was Analysten als Hinweis auf eine wachsende Abhängigkeit von dieser Finanzierungsform werten.
Fulani-Milizen: Gewaltökonomie aus dem Landnutzungskonflikt
Bei bewaffneten Gruppen aus der Ethnie der Fulani ist die Quellenlage dünner. Die Milizen entstanden im Kontext von Konflikten zwischen nomadischen Hirten und sesshaften Bauern. Ursprünglich freiwillig gezahlte Schutzgelder entwickelten sich zu systematischen Erpressungen. Die Analyse betont, dass es sich dabei nicht um originär jihadistische Gruppen handelt, auch wenn religiöse Rhetorik instrumentalisiert wird.
Governance-Problem als strukturelle Ursache
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Terrorfinanzierung in Nigeria nicht allein ein Sicherheitsproblem ist, sondern eng mit schwachen staatlichen Strukturen, Korruption und fehlenden wirtschaftlichen Alternativen zusammenhängt. Militärischer Druck allein reiche nicht aus. Nigeria hat zwischenzeitlich Fortschritte bei der Bekämpfung von Geldwäsche erzielt und wurde im Oktober 2025 von der FATF-Grauliste gestrichen, strukturelle Hindernisse bestehen jedoch fort.
































































