- 21,3 % der Frauen ab 65 Jahren in Deutschland gelten als armutsgefährdet
- Über 13,3 Millionen Menschen bundesweit von Armut betroffen (2025)
- 20 Fragen zu Renten, Grundsicherung und Alterssicherung in Bremen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7097 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Paritätische Armutsbericht 2026 verzeichnet in Deutschland über 13,3 Millionen armutsbetroffene Menschen. Ältere Menschen — insbesondere Frauen — sind überproportional betroffen. Die Bundesregierung hält im 9. Altersbericht (BT-Drs. 20/14450) fest, dass Einkommensunterschiede im Alter auf die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern zurückzuführen sind. Bremen gilt als eines der Bundesländer mit besonders hoher Armutsquote. Diskutiert werden zudem Reformvorschläge der Alterssicherungskommission, etwa eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung.
- 21,3 % — Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren in Deutschland (Paritätischer Armutsbericht 2026)
- 17,3 % — Armutsquote von Männern ab 65 Jahren zum Vergleich
- 13,3 Millionen — armutsbetroffene Menschen in Deutschland im Jahr 2025
- 1 446 Euro — Nettorenten-Schwellenwert, zu dem die Anfrage Verteilungsdaten erfragt
- 20 Fragen — umfassen einen 10-Jahres-Zeitraum und fordern Daten für Bremen sowie Ost-/Westdeutschland
Im Detail
„das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in der BRD“
— 9. Altersbericht der Bundesregierung, BT-Drs. 20/14450, S. 59 — zitiert in BT-Drs. 21/7097
Altersarmut in Deutschland ist kein Randphänomen: Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2026 gelten über 13,3 Millionen Menschen als armutsbetroffen. Besonders gefährdet sind ältere Frauen — ihre Armutsquote ab 65 Jahren liegt bei 21,3 Prozent, die der gleichaltrigen Männer bei 17,3 Prozent. Damit ist statistisch etwa jede fünfte Frau im Rentenalter armutsgefährdet. Die Fraktion Die Linke hat mit BT-Drs. 21/7097 vom 10. Juli 2026 eine Kleine Anfrage eingereicht, die 20 detaillierte Fragen zur Altersarmut und Alterssicherung — mit besonderem Fokus auf das Bundesland Bremen — an die Bundesregierung richtet.
Altersarmut in Bremen: Warum der regionale Fokus?
Bremen gilt bundesweit als eines der Bundesländer mit überdurchschnittlicher Armutsgefährdung. Die Anfrage zielt darauf ab, ein konkretes Datenbild für Bremen zu erstellen und dieses mit dem bundesweiten Trend sowie dem Ost-West-Vergleich zu kontrastieren. Gefragt wird unter anderem, ob die Bundesregierung ein überdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko in Bremen erkennt und welche Maßnahmen sie gegebenenfalls plant. Auch die Frage nach den Auswirkungen einer möglichen Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung wird aufgeworfen — vor dem Hintergrund, dass die fernere Lebenserwartung 65-jähriger Männer und Frauen in Bremen in den letzten zehn Jahren gesunken ist.
Was gilt aktuell bei der Alterssicherung?
Das deutsche Alterssicherungssystem stützt sich auf drei Schichten: die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersvorsorge und die private Vorsorge — etwa über Riester-Verträge. Für viele ältere Menschen, besonders Frauen, reicht die gesetzliche Rente allein nicht aus. Ursache sind laut dem 9. Altersbericht der Bundesregierung (BT-Drs. 20/14450) die „erheblichen Unterschiede beim Alterseinkommen zwischen Männern und Frauen“, die auf die traditionelle Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zurückzuführen sind. Unterbrechungen des Erwerbslebens und höhere Teilzeitquoten bei Frauen führen zu geringeren Rentenansprüchen — besonders in Westdeutschland und bei steigender Kinderzahl. Wer trotz langer Beitragszeiten eine zu niedrige Rente bezieht, kann Grundsicherung im Alter nach SGB XII beantragen. Wie sich diese Fallzahlen in Bremen und bundesweit entwickelt haben, ist Teil der Anfrage. Ein weiterer Schwerpunkt: Wie viele Menschen ab 65 Jahren sind geringfügig beschäftigt — also auf Zuverdienst angewiesen, weil die Rente nicht reicht?
Die 20 Fragen im Überblick
Die Anfrage verlangt von der Bundesregierung Daten über einen Zehnjahreszeitraum, jeweils aufgeschlüsselt nach Geschlecht sowie nach Bremen, Ost- und Westdeutschland. Im Einzelnen gefragt wird nach der Entwicklung der Pflichtversicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung (Frage 1), der Zahl geringfügig Beschäftigter (Frage 2), den durchschnittlichen Rentenbeträgen nach Rentenart und Geschlecht für 2015 und 2025 (Frage 3), der Verteilung der Nettorenten oberhalb und unterhalb von 1.446 Euro bei Rentnern mit langen Versicherungszeiten (Frage 4) sowie der Entwicklung von Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen (Frage 5). Hinzu kommen Fragen zur Grundsicherung im Alter (Fragen 8–10), zur Armutsgefährdungsquote und -schwelle (Fragen 12–13), zur Verbreitung von Riester-Verträgen (Frage 14) und zur Inanspruchnahme aller drei Alterssicherungsschichten (Frage 15). Die Antwortfrist beträgt 21 Tage.
Thematisch relevant ist auch der Blick auf Beschäftigung im höheren Alter: Fragen 16 bis 18 erfragen, wie viele Menschen kurz vor und nach der Regelaltersgrenze sozialversicherungspflichtig oder nur geringfügig beschäftigt sind — ein Indikator dafür, ob ältere Menschen aus wirtschaftlicher Not arbeiten müssen. Die Debatte über eine mögliche Rentenreform — etwa die von der Alterssicherungskommission diskutierte Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung — bildet den politischen Rahmen der gesamten Anfrage. Aus Sicht der Fragesteller würde eine solche Kopplung die Altersarmut weiter verschärfen, da Menschen mit körperlich belastenden Berufen häufig nicht bis zur erhöhten Altersgrenze arbeiten können.
Vergleichbare Datenabfragen zu Sozialleistungen und deren regionaler Verteilung zeigt auch der Beitrag zur Bürgergeld-Finanzierung 2025. Zur Frage der Transparenz staatlicher Förderung im Sozialbereich ist zudem der Beitrag über Bundesförderung für NGOs einschlägig. Wie die Bundesregierung mit Anfragen zu sensiblen Sozialdaten umgeht, illustriert auch der Artikel über fehlende Erfolgsmessung beim Menschenrechtsbeauftragten.
Weiterlesen:
- Bürgergeld 2025: 46,65 Mrd. Euro Gesamtausgaben im SGB II
- Muttersprache in der Pflege: 5,7 Mio. Pflegebedürftige bundesweit
- Bundesförderung für NGOs: Transparenz und Wirkung im Fokus
Unmittelbar betroffen sind ältere Menschen in Bremen und bundesweit — besonders Frauen ab 65 Jahren mit einer Armutsquote von 21,3 Prozent. Auch Erwerbsminderungsrentner, Geringverdiener und Menschen ohne betriebliche oder private Altersvorsorge stehen im Fokus der Anfrage.
"Der Vorschlag der Rentenkommission ist ein Rezept für Altersarmut. Es sind gerade die hart arbeitenden Menschen mit zu geringer Entlohnung, die es nicht bis zur Rente schaffen. Um die, die heute oft schon mit Abschlägen in Frührente gehen, weil sie einfach nicht mehr können. Und für diese Menschen, die in… …
"Das ist keine Rentenreform, das ist ein Rentenkürzungsprogramm. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig länger schuften, weniger Rente bekommen und darauf hoffen, dass die Börse gute Laune hat. Besonders dreist ist der Angriff auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Da reden wir über Menschen, die morgens um… …
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7097) wurde am 10. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 20 Fragen schriftlich zu beantworten — die Frist läuft bis zum 31. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird eine neue Drucksache veröffentlicht.
- Armutsgefährdungsquote
- Anteil der Bevölkerung, dessen Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt — gilt als statistisches Maß für Armutsrisiko, nicht als absolute Armut.
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Sozialleistung nach SGB XII für Menschen ab der Regelaltersgrenze, deren Rente und sonstige Einkünfte den Lebensunterhalt nicht sichern.
- Erwerbsminderungsrente
- Rente der gesetzlichen Rentenversicherung für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten können.
Wie hoch ist die Altersarmutsquote bei Frauen in Deutschland?
Laut Paritätischem Armutsbericht 2026 liegt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei Männern bei 17,3 Prozent.
Warum sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen?
Geringere Erwerbseinkommen durch Teilzeit, Unterbrechungen wegen Kinderbetreuung und die traditionelle Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit führen zu niedrigeren Rentenansprüchen.
Was wird die Bundesregierung konkret gefragt?
Die 20 Fragen betreffen Rentenbeträge, Grundsicherungsfälle, Erwerbsminderungsrenten, Riester-Sparer, Beschäftigungsquoten und mögliche Auswirkungen einer höheren Regelaltersgrenze — jeweils für Bremen und Deutschland im Vergleich.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7097 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































