- Deutschland zahlte 2025 insgesamt 3,24 Mrd. Euro an das UN-System
- Pflichtbeiträge 2025: 193,8 Mio. USD regulär, 431,4 Mio. USD Peacekeeping
- Peacebuilding Fund erhielt seit 2017 jährlich 20–45 Mio. Euro aus Deutschland
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7343 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland ist einer der größten Geldgeber des UN-Systems. Neben Pflichtbeiträgen zum regulären UN-Haushalt und zu UN-Friedensmissionen leistet die Bundesrepublik erhebliche freiwillige Zahlungen an Programme, Fonds und Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Die AfD-Fraktion hatte mit der Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6760) unter Bezugnahme auf Medienberichte Transparenz über Umfang und Verwendung dieser Mittel verlangt. Die Bundesregierung korrigiert in ihrer Antwort vom 24. Juli 2026 zentrale Zahlenangaben aus der Vorbemerkung der Fragesteller, insbesondere die Behauptung, Deutschland zahle das 30-fache seines Pflichtbeitrags.
- 3,24 Mrd. Euro — Gesamtzahlungen Deutschlands an das UN-System im Jahr 2025 (2023: 5,1 Mrd. Euro)
- 431,4 Mio. US-Dollar — Deutscher Pflichtbeitrag zu UN-Peacekeeping-Missionen im Jahr 2025
- 193,8 Mio. US-Dollar — Deutscher Pflichtanteil am regulären UN-Haushalt 2025 (bei 5,692 % Beitragsschlüssel)
- 20–45 Mio. Euro jährlich — Deutsche Zahlungen an den Peacebuilding Fund zwischen 2017 und 2026 (Spitzenwert 2021/2022: je 45 Mio. Euro)
- 67 % — Übernahmequote deutscher Junior Professional Officers (JPOs) in UN-Organisationen in den Jahren 2024 und 2025
Im Detail
Die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierten Berechnungen zu den Zahlungen der Bundesregierung an die Vereinten Nationen (VN) sind nicht korrekt.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7343
Deutschland gehört zu den wichtigsten Finanzierern der Vereinten Nationen. Wie hoch die deutschen UN-Zahlungen tatsächlich sind und wofür sie verwendet werden, beantwortet die Bundesregierung in der Drucksache 21/7343 vom 24. Juli 2026 auf 40 Fragen der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/6760). Im Zentrum steht dabei eine ausdrückliche Korrektur verbreiteter Zahlenangaben.
UN-Beiträge: Was Deutschland wirklich zahlt
Für das Jahr 2025 beliefen sich die deutschen UN-Beiträge laut Bundesregierung auf insgesamt 3,24 Milliarden Euro. Die in der Anfrage der Fragesteller genannte Summe von 5,1 Milliarden Euro bezieht sich dagegen auf das Jahr 2023 und ist damit nicht mehr aktuell. Die Bundesregierung weist außerdem die Behauptung zurück, Deutschland zahle das „30-fache seines Pflichtbeitrags“: Diese Rechnung vergleiche die Gesamtausgaben eines Jahres mit nur einem Teil der Pflichtbeiträge — dem Anteil am regulären UN-Haushalt — ohne Peacekeeping-Pflichtbeiträge einzubeziehen, was methodisch nicht korrekt sei.
Der deutsche Pflichtanteil am regulären UN-Haushalt beträgt seit Januar 2025 genau 5,692 Prozent, was 2025 rund 193,8 Millionen US-Dollar entspricht. Für die UN-Friedensmissionen (Peacekeeping) zahlte Deutschland 2025 zusätzliche Pflichtbeiträge von rund 431,4 Millionen US-Dollar. Neben diesen Pflichtleistungen fließen erhebliche freiwillige Zahlungen in Programme, Fonds und Projekte — etwa humanitäre Nothilfefonds, Peacebuilding-Initiativen oder Entwicklungszusammenarbeit über die IOM.
Humanitäre Fonds: Starker Rückgang seit 2022
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung der deutschen Zahlungen an den zentralen UN-Nothilfefonds CERF: Nach einem Höchststand von 137 Millionen Euro im Jahr 2022 sanken die Mittel bis 2025 auf 44 Millionen Euro — ein Rückgang um fast zwei Drittel. Auch die Beiträge an die länderbezogenen UN-Treuhandfonds (CBPFs) schwankten stark: Von 401,6 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 67,3 Millionen Euro im Jahr 2025. Der Peacebuilding Fund, der Krisenprävention und Friedensförderung finanziert, erhielt 2021 und 2022 je 45 Millionen Euro, seit 2023 konstant 20 Millionen Euro jährlich — auch 2026 sind es erneut 20 Millionen Euro.
Ähnliche Trends zeigen sich bei der Deutschen Akademischen Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI) bei der UNHCR, die Flüchtlingen ein Hochschulstudium ermöglicht. Hier stiegen die deutschen Mittel von 3,7 Millionen Euro (2014) auf 16,3 Millionen Euro (2019), sanken dann aber auf 6 Millionen Euro im Jahr 2025. Wie viele Flüchtlinge dadurch ein Studium finanziert bekamen, verweist die Bundesregierung auf öffentliche UNHCR-Jahresberichte.
Peacekeeping-Reform und Sicherheitsratsitz
Deutschland setzt sich laut Bundesregierung als Truppen- und Polizeisteller sowie als Geldgeber für eine Reform des UN-Peacekeepings ein. Als Gastgeber des Peacekeeping Ministerials im Mai 2025 versammelte Berlin 134 Mitgliedstaaten, die ihre Unterstützung für die UN-Friedenssicherung bekräftigten. Bei der Frage eines ständigen deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrat verweist die Bundesregierung auf die G4-Initiative gemeinsam mit Brasilien, Indien und Japan. Eine Charta-Änderung erfordert eine Zweidrittelmehrheit der UN-Generalversammlung und die Ratifikation von zwei Dritteln der Mitgliedstaaten einschließlich aller fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder — bislang konnte kein Reformvorschlag diese Hürde nehmen.
Die Fragen zur gescheiterten deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sicherheitsratsitz (Frage 38) und zu möglichen Mittelkürzungen als Reaktion darauf (Frage 39) beantwortet die Bundesregierung nicht inhaltlich, sondern verweist auf eine frühere Schriftliche Frage (BT-Drs. 21/6834, Frage Nr. 40). Dies gilt auch für die Frage zur deutschen Enthaltung beim UNRWA-Mandat, für die auf zwei frühere Schriftliche Fragen der Abgeordneten Luise Amtsberg verwiesen wird.
IOM-Projekte: Breites Spektrum weltweit
Die Anlage zur Antwort listet Dutzende von IOM-Projekten auf, die Deutschland seit 2016 finanziert hat — von Grenzsicherungsprogrammen in Nigeria und Burkina Faso über die Reintegration ehemaliger Al-Shabaab-Kämpfer in Somalia bis hin zur Unterstützung ukrainischer Binnenvertriebener. Allein für Wohnraum für Binnenvertriebene in der Ukraine stellte Deutschland über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit 2020 rund 72,1 Millionen Euro bereit, das Programm „Hromada Reconstruction Facility“ umfasst weitere 48 Millionen Euro. Das freiwillige Rückkehrprogramm REAG/GARP, über das das Bundesinnenministerium Migranten die freiwillige Ausreise ermöglicht, hat seit 2017 über 131 Millionen US-Dollar (bis 2023) gekostet. Projekte zu Rückführungen von Migranten aus Deutschland über die IOM sind der Bundesregierung dagegen nicht bekannt.
Einen Überblick über weitere Themen rund um deutsche Entwicklungszusammenarbeit bietet der Beitrag zu GIZ und KfW unter Kostenkontrolle. Zur Debatte über völkerrechtliche Verpflichtungen Deutschlands lohnt sich auch der Beitrag zur Ratifizierung völkerrechtlicher Verträge.
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Unmittelbar betroffen sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, aus deren Mitteln die deutschen UN-Beiträge finanziert werden. Mittelbar betroffen sind Empfänger von UN-Hilfsprogrammen weltweit, darunter Flüchtlinge (UNHCR, DAFI-Stipendien), humanitäre Krisengebiete (CERF, CBPFs) sowie Länder, in denen IOM-Projekte zur Stabilisierung und Migrationssteuerung laufen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen, verweist bei Detailfragen zu Haushaltsentwicklungen und Peacebuilding-Aktivitäten jedoch häufig auf öffentlich zugängliche UN-Datenbanken und frühere Berichte. Die Fragen zur künftigen Verhandlungsposition (JIU-Befugnisse) und zur Kandidatenunterstützung für den UN-Generalsekretär werden mit Verweis auf laufendes Regierungshandeln bzw. mit 'Nein' knapp beantwortet. Fragen 38 und 39 zur Niederlage beim Sicherheitsratssitz werden pauschal auf eine frühere Schriftliche Frage verwiesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. UN-Finanzierung: Deutschland zahlt 5,1 Mrd. Euro an die Vereinten Nationen →
- CERF (Central Emergency Response Fund)
- Zentraler UN-Nothilfefonds zur schnellen humanitären Hilfe in Krisen. Deutschland zahlte 2022 mit 137 Mio. Euro den bislang höchsten Jahresbetrag, 2025 waren es nur noch 44 Mio. Euro.
- Pflichtbeitrag
- Gesetzlich festgelegte Mitgliedsbeiträge, die alle UN-Mitgliedstaaten nach einem Beitragsschlüssel zahlen müssen. Für Deutschland beträgt der Anteil seit 2025 genau 5,692 Prozent.
- Junior Professional Officers (JPOs)
- Von Geberländern finanzierte Nachwuchskräfte, die in UN-Organisationen arbeiten. Deutschland entsendet JPOs, um den deutschen Personalanteil in internationalen Organisationen zu stärken. Die Übernahmequote lag 2024 und 2025 bei 67 Prozent.
Wie viel zahlt Deutschland insgesamt an die UN?
Für das Jahr 2025 beziffert die Bundesregierung die Gesamtzahlungen an das UN-System auf 3,24 Milliarden Euro. Die oft zitierte Summe von 5,1 Milliarden Euro bezieht sich auf das Jahr 2023.
Wie hoch ist der deutsche Pflichtbeitrag zum regulären UN-Haushalt?
Deutschland trägt seit Januar 2025 einen Anteil von 5,692 Prozent am regulären UN-Haushalt, was 2025 rund 193,8 Millionen US-Dollar entspricht. Hinzu kommen Pflichtbeiträge für Peacekeeping-Missionen in Höhe von rund 431,4 Millionen US-Dollar.
Was ist der Peacebuilding Fund und wie viel zahlt Deutschland dorthin?
Der Peacebuilding Fund ist ein UN-Fonds zur Krisenprävention und Friedensförderung. Deutschland zahlte von 2017 bis 2026 jährlich zwischen 20 und 45 Millionen Euro, seit 2023 konstant 20 Millionen Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7343 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































