- Ärmere Bevölkerungsgruppen und Regionen verzeichneten höhere Übersterblichkeit
- Bessere Gesundheitsversorgung korrelierte mit geringerer Pandemie-Sterblichkeit
- Ältere Menschen über 65 Jahren trugen die größte Mortalitätslast
Übersterblichkeit in der Covid-19-Pandemie: Sozioökonomische und demographische Einflussfaktoren
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im August 2026 eine Dokumentation veröffentlicht, die ausgewählte Studien zu den Zusammenhängen zwischen der Mortalität während der Covid-19-Pandemie und sozioökonomischen sowie demographischen Indikatoren auswertet. Die Analyse wurde im Auftrag eines Bundestagsmitglieds erstellt und richtet sich an die laufende Arbeit der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie.
Hintergrund und Fragestellung
Eurostat-Daten und das Netzwerk EuroMOMO belegen, dass in der Europäischen Union in verschiedenen Phasen der Pandemie eine deutliche Übersterblichkeit aufgetreten ist. Gleichzeitig zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Mitgliedstaaten und innerhalb von Ländern auf regionaler Ebene. Dies warf die Frage auf, welche von Covid-19 unabhängigen Faktoren mit einer höheren Sterblichkeit korrelieren. Die vorgestellten Studien konzentrieren sich auf EU-Mitgliedstaaten und stützen sich überwiegend auf Daten zur ursachenunabhängigen Übersterblichkeit.
Zentrale Erkenntnisse der ausgewerteten Studien
Armut und Wohlstand: Mehrere Studien stellen übereinstimmend fest, dass in Staaten mit einem geringeren Wohlstandsniveau sowie einem höheren Anteil armutsgefährdeter Bevölkerung eine stärkere Übersterblichkeit aufgetreten ist. Länder mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und größeren Gesundheitsausgaben schnitten im Vergleich besser ab.
Gesundheitsversorgung: Die Ausstattung nationaler Gesundheitssysteme erwies sich als bedeutsamer Faktor. Staaten mit universell verfügbarer Gesundheitsversorgung, mehr Pflegepersonal und höheren öffentlichen Gesundheitsausgaben verzeichneten tendenziell geringere pandemiebedingte Mortalitätsveränderungen. Besonders ausgeprägt war der Unterschied zwischen postkommunistischen Staaten mit schwächerer Versorgungsstruktur und nordeuropäischen Ländern mit umfassender öffentlicher Medizinversorgung.
Regionale Unterschiede: Regionen in Mittel- und Osteuropa trugen die größten Verluste an Lebensjahren. Regionen mit niedrigerer Lebenserwartung wiesen im Gesamtverlauf der Pandemie eine höhere Übersterblichkeit auf, was auf eine stärkere Vulnerabilität von Gebieten mit geringerem Gesundheitskapital hindeutet.
Demographische Faktoren: Über 87 Prozent der festgestellten Übersterblichkeit entfielen auf die Altersgruppe ab 65 Jahren. Männer waren stärker betroffen als Frauen. Weitere mit erhöhter Sterbewahrscheinlichkeit assoziierte Faktoren waren fehlendes Zusammenleben mit einem Partner sowie finanzielle Schwierigkeiten.
Impfungen und Maßnahmen: Staaten, die frühzeitig ältere Bevölkerungsgruppen impften und stringente nicht-pharmakologische Maßnahmen ergriffen, verzeichneten zu Pandemiebeginn eine geringere Übersterblichkeit. Vor der Einführung von Impfstoffen lag die Übersterblichkeit deutlich über dem Niveau früherer Grippewellen; danach sank sie auf ein vergleichbares Niveau.
Einschränkungen und Fazit
Die Autoren mehrerer Studien weisen darauf hin, dass sozioökonomische Faktoren auch unabhängig von der Pandemie die Mortalität beeinflussen. Es bleibt daher methodisch schwierig zu bestimmen, ob Covid-19 bestehende Ungleichheiten verstärkt oder lediglich abgebildet hat. Die Dokumentation des Wissenschaftlichen Dienstes erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und gibt nicht die offizielle Position des Deutschen Bundestages wieder.
































































