- Keine staatlichen Vorräte kritischer Rohstoffe in Deutschland vorhanden
- Rohstofffonds im Bundeshaushalt Einzelplan 09, Titel 0904 67101
- EU-Bevorratungsdetails nicht öffentlich — Prüfung läuft noch
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7684 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Verordnung (EU) 2024/1252 — der sogenannte Critical Raw Materials Act (CRMA) — verpflichtet EU-Mitgliedstaaten seit 2024 unter anderem zur Meldung strategischer Rohstoffvorräte an die EU-Kommission und zur Beteiligung an koordinierten Bevorratungsstrategien. Rohstoffe wie Gallium, Germanium, Seltene Erden oder Wolfram sind für Halbleiter, Verteidigungstechnik und Energietransformation unverzichtbar, werden aber überwiegend in China gefördert und verarbeitet. Die EU arbeitet im Rahmen des Aktionsplans RESourceEU an einer gemeinsamen Stockpiling-Initiative, an der Deutschland aktiv beteiligt ist.
Im Detail
Derzeit gibt es keine staatlichen, halbstaatlichen oder im staatlichen Auftrag gehaltenen Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe in Deutschland.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7684, Seite 3
Deutschland hält derzeit keine staatlichen, halbstaatlichen oder im staatlichen Auftrag verwalteten Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die als BT-Drs. 21/7684 am 21. August 2026 veröffentlicht wurde. Dieser Sachverhalt wurde der EU-Kommission auch offiziell im Rahmen des Critical Raw Materials Act (CRMA) gemeldet.
Die Frage nach staatlichen Rohstoffvorräten gewinnt angesichts zunehmender Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern an Gewicht. Rohstoffe wie Gallium, Germanium, Wolfram oder Seltene Erden werden zu großen Teilen in China gefördert und verarbeitet. Ohne diese Materialien sind zentrale Industrien — von der Halbleiterfertigung über Elektromobilität bis zur Sicherheits- und Verteidigungsindustrie — nicht funktionsfähig.
Kritische Rohstoffe: Deutschlands Position in der EU
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beteiligt sich nach eigenen Angaben an einer sogenannten „Coalition of the Willing“, die konzeptionelle Arbeiten im Rahmen der EU-Stockpiling-Initiative leistet. Im Aktionsplan RESourceEU der EU-Kommission leitet das Ministerium die Arbeitsgruppe „demand and production“. Unterstützt wird es dabei von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).
Welche konkreten Rohstoffe auf EU-Ebene für eine erste koordinierte Bevorratung vorgesehen sind, lässt die Bundesregierung offen: Der aktuelle Stand der Beratungen sei nicht öffentlich. Laut Drucksache richten sich die Auswahlkriterien nach dem CRMA und dem Aktionsplan RESourceEU, die europäische Wertschöpfungsketten langfristig absichern sollen.
Rohstofffonds: Beteiligung ja — direkte Bevorratung nein
Als einziges konkretes Haushaltsinstrument benennt die Bundesregierung den Rohstofffonds, dessen Mittel im Einzelplan 09 des Bundeshaushalts unter Haushaltstitel 0904 67101 verzeichnet sind. Der Fonds beteiligt sich an aussichtsreichen Rohstoffprojekten, die zur Versorgungsdiversifizierung beitragen. Abnahmevereinbarungen mit deutschen und europäischen Unternehmen sind Voraussetzung für eine Beteiligung. Eine unmittelbare Unterstützung von Bevorratung findet durch den Rohstofffonds ausdrücklich nicht statt. Haushaltsmittel für weitere Instrumente sind noch nicht vorgesehen, da die Prüfung möglicher Optionen noch nicht abgeschlossen ist.
Kritische Rohstoffe: Was gilt aktuell?
Aktuell gibt es in Deutschland weder ein staatliches Lager für kritische Rohstoffe noch eine gesetzliche Pflicht für Unternehmen, solche Vorräte zu halten. Die Bundesregierung erklärt, sie prüfe ergebnisoffen alle infrage kommenden Optionen zur Unterstützung der Lagerhaltung durch die Wirtschaft — einschließlich steuerlicher Anreize, Sonderabschreibungen, Lagerfinanzierungen und Kreditgarantien. Diese Prüfung ist laut Drucksache noch nicht abgeschlossen. Für die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe verweist die Bundesregierung auf die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), deren Aktionsprogramm am 3. Juni 2026 vom Bundeskabinett beschlossen wurde.
Zur Frage, in welchem Umfang Unternehmen in Deutschland private Vorräte kritischer Rohstoffe halten, liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Informationen vor, die über öffentlich zugängliche Angaben hinausgehen. Auch für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gilt laut Drucksache, dass der Rohstoffbedarf sich nicht wesentlich von anderen Hochtechnologiebereichen unterscheidet und die Verwendung einzelner Stoffe zum Teil Betriebs- und Geschäftsgeheimnis ist. Mehr zur Kontrolle staatlicher IT- und Beschaffungsausgaben lesen Sie auch im Beitrag über das Digitalministerium BMDS.
Das Thema Versorgungssicherheit berührt auch andere kritische Infrastrukturen. Wie der Staat bei Ausfällen grundlegender Kommunikationsinfrastruktur aufgestellt ist, zeigt etwa der Beitrag zu Mobilfunk bei Stromausfall.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem die deutsche Industrie — insbesondere Hersteller von Halbleitern, Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen und Rüstungsgütern — sowie Unternehmen, die auf eine sichere Versorgung mit Seltenen Erden, Gallium, Germanium, Wolfram oder Lithium angewiesen sind. Indirekt betrifft das Thema auch Verbraucher, da Lieferunterbrechungen bei Schlüsselrohstoffen Produktionsausfälle und Preissteigerungen auslösen können.
Die Bundesregierung beantwortet mehrere Fragen zu konkreten Rohstofflisten und Lagerstandorten mit dem Verweis, der aktuelle Stand der Arbeiten sei nicht öffentlich. Fragen zu Mengen, Bevorratungskriterien und operativen Zuständigkeiten werden ausdrücklich offengelassen, da die Prüfung noch nicht abgeschlossen ist.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Kritische Rohstoffe: Deutschlands Rolle bei EU-Bevorratung →
- Critical Raw Materials Act (CRMA)
- EU-Verordnung (EU) 2024/1252, die einen Rahmen für eine sichere Versorgung mit kritischen Rohstoffen schafft. Sie legt unter anderem Meldepflichten für Mitgliedstaaten und Stresstests für Lieferketten fest.
- DERA
- Deutsche Rohstoffagentur, angesiedelt in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Sie unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium bei der Rohstoffpolitik und -analyse.
- Rohstofffonds
- Staatliches Beteiligungsinstrument des Bundes, abgewickelt über die KfW, das sich an Rohstoffprojekten beteiligt, die zur Versorgungssicherheit der deutschen Wirtschaft beitragen. Haushaltsmittel: Einzelplan 09, Titel 0904 67101.
Hat Deutschland staatliche Vorräte kritischer Rohstoffe?
Nein. Laut Antwort der Bundesregierung gibt es derzeit keine staatlichen, halbstaatlichen oder im staatlichen Auftrag gehaltenen Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe in Deutschland. Dies wurde der EU-Kommission auch im Rahmen des Critical Raw Materials Act gemeldet.
Was ist der EU Critical Raw Materials Act (CRMA)?
Die Verordnung (EU) 2024/1252 verpflichtet EU-Mitgliedstaaten unter anderem zur Überwachung von Lieferketten, zu Stresstests und zur Koordinierung strategischer Vorräte. Artikel 22 verpflichtet die Mitgliedstaaten, der EU-Kommission Informationen über strategische Vorräte zu übermitteln.
Welche Rolle spielt der Rohstofffonds?
Der Rohstofffonds beteiligt sich laut Bundesregierung an aussichtsreichen Rohstoffprojekten zur Sicherung und Diversifizierung der Versorgung. Eine unmittelbare Unterstützung von Bevorratung findet durch den Fonds derzeit nicht statt. Die Haushaltsmittel sind im Einzelplan 09, Titel 0904 67101 verzeichnet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7684 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































