- 267 Mrd. Euro Schaden jährlich durch Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen
- Mittelständler ZEGO nach sechswöchigem Produktionsausfall insolvent
- Staat soll Schutzlücken bei KMU und Start-ups schließen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7844 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Branchenverband Bitkom beziffert den jährlichen Schaden durch Cyberkriminalität für die deutsche Wirtschaft auf rund 267 Mrd. Euro (Stand 2024). Acht von zehn Unternehmen in Deutschland sind nach diesen Angaben von Cyberangriffen betroffen. Besonders Ransomware-Attacken und DDoS-Angriffe verursachen teils wochenlange Betriebsausfälle, die für kapitalgebundene Mittelständler existenzbedrohend sein können. Der konkrete Anlass der Anfrage ist die Insolvenz des Aschaffenburger Unternehmens ZEGO Textilveredelungszentrum, das nach einem Cyberangriff Ende März 2026 die Produktion für fast sechs Wochen einstellen musste.
- 267 Mrd. Euro — geschätzter jährlicher Gesamtschaden durch Cyberkriminalität für die deutsche Wirtschaft (Bitkom 2024)
- 8 von 10 Unternehmen — Anteil der deutschen Betriebe, die von Cyberangriffen betroffen sind (Bitkom 2024)
- fast 6 Wochen — Produktionsausfall beim Textilhersteller ZEGO nach einem Cyberangriff Ende März 2026
- 18 Fragen — Umfang der parlamentarischen Anfrage zu staatlichem Schutz und Förderprogrammen
Im Detail
Die Bedrohungslage für die deutsche Wirtschaft, speziell den Mittelstand, durch Cyberangriffe hat offenbar eine neue existenzbedrohende Qualität erreicht.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7844
Cyberangriffe auf den deutschen Mittelstand haben eine neue Qualität erreicht: Unternehmen melden Insolvenz an, weil Hacker ihre Produktion wochenlang lahmlegen. Der jährliche Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft beläuft sich laut Bitkom auf rund 267 Mrd. Euro — eine Summe, die den gesamten Bundeshaushalt für Soziales übersteigt. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7844 vom 4. September 2026 verlangt die AfD-Fraktion von der Bundesregierung ein detailliertes Lagebild und Auskunft über staatliche Schutzmaßnahmen.
Zwei Insolvenzen als Ausgangspunkt
Konkreter Auslöser der Anfrage sind zwei dokumentierte Fälle aus dem Jahr 2026: Das Traditionsunternehmen ZEGO Textilveredelungszentrum aus Aschaffenburg musste nach einem Cyberangriff Ende März 2026 Insolvenz anmelden, nachdem die Produktion fast sechs Wochen vollständig stillstand. Auch der Serviettenhersteller Fasana aus Euskirchen geriet infolge massiver Hackerattacken in eine schwere finanzielle Schieflage. Beide Fälle zeigen: Für kapitalgebundene Mittelständler kann ein einziger erfolgreicher Ransomware-Angriff die Existenz kosten.
Was gilt aktuell?
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist die zentrale Behörde für Cybersicherheit in Deutschland. Es betreibt das Nationale Cyber-Abwehrzentrum und veröffentlicht jährlich einen Lagebericht zur IT-Sicherheit. Für Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) bestehen gesetzliche Meldepflichten und Mindeststandards. Für den breiten Mittelstand — also die Masse der deutschen KMU und Start-ups — gelten jedoch deutlich geringere Anforderungen, und staatliche Soforthilfe im Angriffsfall ist nicht systematisch geregelt.
18 Fragen zu Cybersicherheit im Mittelstand
Die Anfrage umfasst 18 Einzelfragen, die sich thematisch in vier Bereiche gliedern:
Lagebild und Schadenserfassung: Die Fragesteller wollen wissen, wie viele Cyberangriffe BSI und BKA seit 2022 dokumentiert haben — aufgeschlüsselt nach Jahren und Unternehmensgröße. Außerdem fragen sie nach der Anzahl von Betriebsunterbrechungen von mindestens einer Woche sowie nach Insolvenzen, bei denen ein Cyberangriff als Mitursache angegeben wurde. Die Bundesregierung soll auch Auskunft über den wirtschaftlichen Schaden speziell für den Mittelstand geben — direkte Kosten wie Lösegeldzahlungen ebenso wie indirekte Folgen wie Produktionsausfälle und Reputationsverluste.
Prävention und staatliche Unterstützung: Gefragt wird nach den konkreten Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen von BSI und BKA gegenüber Unternehmen sowie nach dem Ausmaß, in dem Betriebe im laufenden Angriff staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Anfrage thematisiert auch die Kapazitäten der BSI-Einheiten im Verhältnis zur tatsächlichen Angriffszahl — eine mögliche strukturelle Überforderung staatlicher Stellen.
Förderprogramme und Steueranreize: Die Fraktion erkundigt sich, ob der Bund aktuell spezifische Förderprogramme für KMU und Start-ups zur Härtung ihrer IT-Infrastruktur anbietet und wie hoch die Abrufquoten seit 2022 waren. Darüber hinaus soll die Bundesregierung darlegen, ob steuerliche Anreize oder Sonderabschreibungen für Investitionen in Cyber-Resilienz geplant sind.
KI-gestützte Angriffe und Dunkelziffer: Zwei Fragen widmen sich besonders aktuellen Entwicklungen: Zum einen soll die Bundesregierung Auskunft geben, ob KI-gestützte Cyberangriffe seit 2022 an Quantität und Qualität zugenommen haben. Zum anderen fragen die Abgeordneten nach der Dunkelziffer nicht angezeigter Angriffe — ein strukturelles Problem, das die tatsächliche Bedrohungslage erheblich verschleiern dürfte. Ergänzend wird nach einer möglichen zentralen Meldestelle gefragt, die über reine Statistikerfassung hinaus Soforthilfe für Unternehmen außerhalb der KRITIS koordiniert.
Schutzlücken bei KMU im Fokus
Ein zentrales Anliegen der Anfrage ist der Vergleich zwischen KRITIS-Betreibern und dem breiten Mittelstand: Während für Erstere strenge gesetzliche Sicherheitsstandards gelten, fehlen für KMU und Start-ups vergleichbare Anforderungen und Unterstützungsstrukturen. Die Frage nach der Wirksamkeit staatlicher Programme und ihrer Erfolgskontrolle stellt sich damit auch im Bereich Cybersicherheit. Die Antwort der Bundesregierung wird zeigen, ob das vorhandene Instrumentarium — BSI-Beratung, BKA-Kooperation mit Landeskriminalämtern, Förderprogramme — ausreicht, um die wachsende Bedrohungslage zu bewältigen.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups in Deutschland, die häufig über geringere IT-Sicherheitsbudgets verfügen als Großkonzerne oder Betreiber Kritischer Infrastrukturen. Branchen mit komplexen Lieferketten und hohem Kapitalbedarf — wie die Textil-, Papier- oder Lebensmittelverarbeitung — tragen ein besonders hohes Insolvenzrisiko nach erfolgreichen Cyberattacken.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7844) ist am 4. September 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt Zeit, schriftlich zu antworten. Die Antwort ist noch nicht veröffentlicht.
- Ransomware
- Schadsoftware, die Daten eines Unternehmens verschlüsselt und erst gegen Lösegeldzahlung freigibt.
- DDoS-Angriff
- Distributed-Denial-of-Service-Angriff: Webserver oder Netzwerke werden mit Anfragen überflutet, bis sie zusammenbrechen.
- KRITIS
- Kritische Infrastrukturen — Einrichtungen wie Energie- oder Wasserversorgung, die besonders strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen.
Wie hoch ist der jährliche Schaden durch Cyberkriminalität in Deutschland?
Laut Bitkom-Daten aus 2024 beläuft sich der jährliche Gesamtschaden auf rund 267 Mrd. Euro für die deutsche Wirtschaft.
Was ist Ransomware?
Ransomware ist Schadsoftware, die Unternehmensdaten verschlüsselt und erst gegen Lösegeldzahlung wieder freigibt — eine der häufigsten Angriffsformen.
Was sind KMU?
KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen — der sogenannte Mittelstand, der das wirtschaftliche Rückgrat Deutschlands bildet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7844 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































