- 430 Mio. Tonnen Plastik pro Jahr — nur 9 Prozent werden recycelt
- UN-Verhandlungen scheiterten August 2025, nächste Runde erst 2027
- Grüne fordern Umweltminister Schneider persönlich am Verhandlungstisch
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7902 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Jahr 2022 beschloss die Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) ein Verhandlungsmandat für ein rechtsverbindliches globales Plastikabkommen. Deutschland gehörte zu den Initiatoren und trat der „High Ambition Coalition to End Plastic Pollution“ (HAC) als Gründungsmitglied bei. Am 15. August 2025 scheiterten die Verhandlungen in Genf ergebnislos, nachdem ölproduzierende Staaten auch einen stark abgeschwächten zweiten Entwurf ablehnten. Die einzige Folgesitzung im Februar 2026 in Genf beschränkte sich auf die Wahl eines neuen Vorsitzenden; inhaltliche Fortschritte blieben aus. Die nächste entscheidende Verhandlungsrunde ist für Anfang 2027 geplant.
- 430 Mio. Tonnen — so viel Plastik wird weltweit pro Jahr produziert, nur etwa 9 Prozent davon werden recycelt.
- 4,8–12,7 Mio. Tonnen — Plastikabfall gelangen jährlich schätzungsweise in die Ozeane.
- Verdreifachung bis 2060 — ohne Abkommen droht eine Verdreifachung der globalen Plastikproduktion laut UNEP.
- 76 Mitglieder — zählt die High Ambition Coalition (HAC), darunter 75 Staaten und die Europäische Union.
- 86 Prozent — der Bevölkerung in Deutschland befürworten laut einer Ipsos-Umfrage ein rechtsverbindliches internationales Abkommen gegen Plastikverschmutzung.
Im Detail
Ein reiner Abschluss der Verhandlungen um jeden Preis reicht nicht aus, von der anfänglichen Ambition Deutschlands ist nur noch wenig zu erkennen.
— Antragsbegründung BT-Drs. 21/7902
Jährlich landen zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikabfall in den Ozeanen — und ein globales Abkommen, das diesen Strom stoppen soll, ist seit August 2025 gescheitert. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 8. September 2026 mit der Drucksache 21/7902 einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der die Bundesregierung zu intensivierter Diplomatie und zu einer Neuausrichtung der deutschen Plastikpolitik auf UN-Ebene auffordert.
UN-Plastikabkommen: Wie es zum Scheitern kam
Der Weg zu einem globalen Plastikabkommen begann vielversprechend: 2022 beschloss die UN-Umweltversammlung (UNEA) ein ambitioniertes Verhandlungsmandat für ein rechtsverbindliches globales Abkommen. Deutschland trat als Gründungsmitglied der „High Ambition Coalition to End Plastic Pollution“ (HAC) bei, einer Allianz aus heute über 76 Mitgliedern. Doch am 15. August 2025 endeten die Verhandlungen in Genf ergebnislos: Ölproduzierende Staaten lehnten auch einen bereits stark abgeschwächten zweiten Entwurf des Vorsitzes ab. Die einzige Folgesitzung im Februar 2026 in Genf beschränkte sich auf die Wahl eines neuen Vorsitzenden — inhaltlich gab es keinen Fortschritt. Die nächste entscheidende Verhandlungsrunde ist erst für Anfang 2027 geplant.
Was gilt aktuell?
Ein verbindliches globales Plastikabkommen existiert bislang nicht. Es gibt zwar nationale und europäische Regelungen — etwa das EU-Verbot bestimmter Einwegplastikartikel — aber keine international durchsetzbare Vereinbarung, die Produktion, Produktdesign und Entsorgung von Plastik weltweit regelt. Weltweit werden rund 430 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert, laut Drucksache werden nur etwa 9 Prozent davon tatsächlich recycelt. Ohne globales Abkommen droht bis 2060 eine Verdreifachung dieser Produktionsmenge.
Gesundheit und Wirtschaft: Warum das Thema alle betrifft
Die Drucksache verweist auf eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien, die Mikro- und Nanoplastik sowie damit verbundene Chemikalien mit hormonellen Störungen, bestimmten Krebsarten sowie Fruchtbarkeits-, Atemwegs- und Gefäßerkrankungen in Verbindung bringen. Plastikmüll schädigt zudem Meerestiere und Ökosysteme und verursacht volkswirtschaftlich hohe Kosten für Strandbeseitigung, Fischerei, Schifffahrt und Tourismus. Da nahezu jedes Stück herkömmlichen Plastiks überwiegend aus fossilen Rohstoffen — vor allem Erdöl — besteht, hat die Reduktion der Primärproduktion laut Antrag auch eine direkte Bedeutung für den Klimaschutz und die Resilienz der deutschen Volkswirtschaft gegenüber fossilen Abhängigkeiten.
Neun Forderungen an die Bundesregierung
Der Grünen-Antrag enthält neun konkrete Forderungen. Deutschland soll seine internationale Vorreiterrolle bei den Verhandlungen zurückgewinnen und gemeinsam mit gleichgesinnten Staaten neue Allianzen bilden. Gefordert wird außerdem, dass Bundesumweltminister Schneider bei den kommenden Verhandlungsrunden persönlich vor Ort mitverhandelt. Inhaltlich setzt sich der Antrag für globale Verbote und Phase-outs besonders schädlicher Plastikprodukte und Chemikalien, verbindliche Produktdesign-Vorgaben sowie eine Reduktion der Primärproduktion von Plastik aus fossilen Quellen ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Abstimmungsmechanismen, die einen Mehrheitsbeschluss auch dann ermöglichen, wenn einzelne Produzentenstaaten blockieren — statt einem Konsensprinzip zu folgen, das de facto ein Vetorecht für die am wenigsten ambitionierten Staaten bedeutet. Für den Fall eines endgültigen Scheiterns der UN-Verhandlungen fordert der Antrag, mit einer „Koalition williger Staaten“ ein alternatives internationales Abkommen einzuleiten. Verbindliche Finanzierungszusagen für struktur- und einkommensschwache Länder sowie eine Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit sollen Deutschlands Glaubwürdigkeit als Partner des Globalen Südens sichern.
Rückhalt aus Wirtschaft und Bevölkerung
Laut Drucksache unterstützen über 100 Staaten sowie relevante Teile der deutschen Wirtschaft ein verbindliches Plastikabkommen. Der „Business Coalition for a Global Plastics Treaty“ gehören demnach große deutsche Unternehmen wie Beiersdorf, die Schwarz Gruppe, Henkel und Aldi Süd an. Eine repräsentative Ipsos-Umfrage ergab, dass 86 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein rechtsverbindliches internationales Abkommen gegen Plastikverschmutzung befürworten. Dass auch Teile der Wirtschaft nach gemeinsamen globalen Standards verlangen, begründet sich laut Antrag mit dem Wunsch nach einheitlichen Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt. Mehr zur aktuellen Klimaschutz- und Umweltpolitik der Bundesregierung findet sich auch im Überblick CO2-Preis 2027: Bundesregierung stabilisiert Brennstoffhandel.
Weiterlesen:
- Bundestag 08.09.2026: Die wichtigsten Drucksachen
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Betroffen sind Bürgerinnen und Bürger weltweit, die Mikroplastik über Nahrung, Wasser und Luft aufnehmen. Besonders belastet sind Küstengemeinden sowie Fischerei, Schifffahrt und Tourismus durch die wirtschaftlichen Kosten der Müllbeseitigung. Entwicklungs- und Schwellenländer tragen überproportionale ökologische Schäden, verfügen aber häufig über unzureichende Entsorgungsinfrastruktur.
Der Antrag (BT-Drs. 21/7902) wurde am 8. September 2026 eingebracht und muss zunächst einem Ausschuss zugewiesen werden. Nach der Ausschussberatung erfolgt die abschließende Abstimmung im Bundestags-Plenum. Die nächste UN-Verhandlungsrunde zum Plastikabkommen ist für Anfang 2027 geplant, weshalb die Grünen unmittelbares politisches Handeln verlangen.
- UNEA-Mandat
- Beschluss der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) aus dem Jahr 2022, der die Grundlage für die Verhandlungen eines rechtsverbindlichen globalen Plastikabkommens bildet.
- High Ambition Coalition (HAC)
- Eine 2022 gegründete Staatenallianz mit über 76 Mitgliedern, die sich für ein ambitioniertes, rechtsverbindliches globales Plastikabkommen einsetzt. Deutschland ist Gründungsmitglied.
- Mikroplastik
- Winzige Kunststoffpartikel unter fünf Millimeter, die beim Zerfall von Plastikmüll entstehen und sich in der Nahrungskette sowie im menschlichen Körper anreichern.
Warum scheiterte das UN-Plastikabkommen 2025?
Laut Drucksache 21/7902 scheiterten die Verhandlungen am 15. August 2025 in Genf, weil ölproduzierende Staaten auch einen bereits stark abgeschwächten zweiten Entwurf ablehnten.
Was fordert der Antrag konkret?
Der Antrag enthält neun Forderungen, darunter verstärkte Diplomatie, die persönliche Teilnahme des Bundesumweltministers, Abstimmungsmechanismen ohne Veto einzelner Staaten sowie Finanzierungszusagen für den Globalen Süden.
Wie groß ist das Plastikproblem global?
Weltweit werden laut Drucksache rund 430 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert; jährlich landen zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen davon in den Ozeanen. Ohne Abkommen droht bis 2060 eine Verdreifachung der Produktion.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7902 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































