- EEG-Novelle 2027 droht Einspeisevergütung für Dach-PV zu streichen
- Verlangsamung des Ausbaus kostet laut Antrag 65 Mrd. Euro Investitionen
- 5,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland — 38 Prozent auf Eigenheimen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7907 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung hat den Entwurf zur EEG-Novelle 2027 sowie ein Netzanschlusspaket vorgelegt, die nach Darstellung der antragstellenden Fraktion weitreichende Einschnitte in die bisherige Förderstruktur für erneuerbare Energien enthalten. Kernpunkt ist die geplante Abschaffung der fixen Einspeisevergütung für kleinere PV-Dachanlagen und deren Überführung in die Direktvermarktung. Die Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring hat im Monitoringbericht 2025 darauf hingewiesen, dass das 80-Prozent-EE-Ziel am Bruttostromverbrauch bis 2030 selbst bei günstigen Szenarien nicht gesichert ist und die Ausbaudynamik mindestens aufrechterhalten werden müsse. Im Jahr 2025 waren laut Fraunhofer ISE rund 5,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland installiert.
- 5,5 Millionen — PV-Anlagen waren im Jahr 2025 in Deutschland installiert, der größte Anteil auf Privatgebäuden (ca. 38 Prozent auf Eigenheimen).
- 65 Milliarden Euro — Investitionsverluste bei einer Verlangsamung des EE-Ausbaus um 25 Prozent, verbunden mit 65.000 weniger Arbeitsplätzen.
- 260 Milliarden Euro — mögliche Investitionen bis 2030 bei ambitioniertem Ausbau, der fast 500.000 Jobs sichern würde.
- 267.000 Beschäftigte — entfielen 2023 allein auf Windenergie, Photovoltaik und Biomasse in Deutschland.
- 115 Gigawatt — EEG-Ziel für installierte Windkraftleistung an Land bis zum Jahr 2030, das der Antrag erhalten will.
Im Detail
Eine Komplett-Streichung der EEG-Förderung würde viel Unsicherheit in das Marktsegment kleiner PV-Anlagen bringen, die ein wichtiges Rückgrat der dezentralen Energiewende sind.
— Begründung BT-Drs. 21/7907, Fraktion Die Linke
Die geplante EEG-Novelle 2027 der Bundesregierung steht im Mittelpunkt eines Antrags der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7907, eingebracht am 8. September 2026). Kern der Kritik: Die Novelle sieht die Abschaffung der fixen Einspeisevergütung für kleinere PV-Dachanlagen vor und zwingt Betreiber zur Direktvermarktung ihres Stroms an der Börse. Die Linke fordert, diese Kürzungen zurückzunehmen — und stützt sich dabei auf Zahlen, die den wirtschaftlichen Schaden eines verlangsamten Ausbaus beziffern.
Was gilt aktuell bei der EEG-Förderung?
Nach geltendem EEG erhalten Betreiber kleiner PV-Dachanlagen für 20 Jahre eine garantierte, feste Einspeisevergütung pro eingespeister Kilowattstunde. Dieses System gibt privaten Haushalten Planungssicherheit und hat laut Antrag dazu geführt, dass im Jahr 2025 rund 5,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland installiert sind — der größte Anteil davon auf Eigenheimen. Die EEG-Novelle 2027 würde dieses Modell für Neuanlagen abschaffen und stattdessen die Pflicht zur Direktvermarktung einführen, also den Verkauf des erzeugten Stroms zu schwankenden Marktpreisen über einen Dienstleister.
EEG-Novelle 2027: Was sich ändern soll
Neben der Streichung der Einspeisevergütung sieht die Novelle laut Drucksache eine Verschiebung des bisherigen 50/50-Verhältnisses von Dach-PV und Freiflächen-PV (FF-PV) vor: Künftig sollen zwei Drittel des PV-Zubaus auf Freiflächenanlagen entfallen, nur noch ein Drittel auf Dachanlagen. Die Fraktion kritisiert dies als Schwächung der dezentralen Energiewende. Eine vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanzierte Studie zeigt, dass der regionale Wertschöpfungsbeitrag bei Dachanlagen bei 30 Prozent liegt — bei Freiflächenanlagen hingegen nur bei 8 Prozent.
Für private Haushalte hätte der Wechsel zur Direktvermarktung konkrete finanzielle Folgen: Die Amortisierungszeit einer 10-kWp-Anlage ohne Speicher würde sich nach Angaben des Antrags von derzeit 11 Jahren auf über 18 Jahre verlängern. Die Fraktion warnt vor einer Wiederholung der Solarkrise von 2012, als restriktive EEG-Eingriffe zu einem drastischen Einbruch beim Anlagenzubau führten. Ohne begleitende Maßnahmen wie flächendeckende intelligente Messsysteme und variable Stromtarife sei die Direktvermarktung für Eigenheimbesitzer schlichtweg nicht praktikabel, heißt es in der Begründung der Drucksache.
Beschäftigung in der EE-Branche: Entwicklung und Risiken
Die Beschäftigung in der Erneuerbaren-Energien-Branche wuchs von knapp 100.000 Personen im Jahr 2000 auf rund 415.000 im Jahr 2011. Nach restriktiven EEG-Eingriffen und dem Zusammenbruch der heimischen PV-Industrie sank die Zahl bis 2019 um rund 100.000. Seit 2020 steigt sie wieder — 2023 wurde mit über 400.000 Beschäftigten erneut ein Hochstand erreicht, allein 267.000 davon in Windenergie, Photovoltaik und Biomasse. Laut einer im Antrag zitierten Studie würde eine Verlangsamung des EE-Ausbaus um 25 Prozent zu Investitionsverlusten von 65 Milliarden Euro und 65.000 weniger Arbeitsplätzen führen. Bei ambitioniertem Ausbau hingegen könnten bis 2030 Investitionen von über 260 Milliarden Euro entstehen und fast 500.000 Jobs gesichert werden.
Sechs konkrete Forderungen der Linken
Der Antrag formuliert sechs Forderungen an die Bundesregierung: Erstens soll die EEG-Novelle so geändert werden, dass die Förderung für Dachanlagen erhalten bleibt, das 50/50-Verhältnis zwischen Dach- und Freiflächen-PV bestehen bleibt und Sonderregelungen für Agri-PV und gebäudeintegrierte PV fortgeführt werden. Zweitens soll ein Gesetzentwurf zur Digitalisierung des Energiesystems mit variablen Stromtarifen vorgelegt werden. Drittens fordert die Fraktion verpflichtende Zahlungen von 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde an Standortkommunen sowie einen einmaligen Bonus von 25.000 Euro pro Megawatt installierter Leistung. Viertens soll das EEG-Ziel von 115 Gigawatt Windkraft an Land bis 2030 gesichert werden. Fünftens fordert die Fraktion Resilienzausschreibungen in allen EE-Segmenten zur Stärkung der europäischen Wertschöpfungskette. Sechstens soll der Netzanschluss für Speicher vereinfacht und der Smart-Meter-Rollout beschleunigt werden.
Der Antrag ist eine direkte Reaktion auf die Regierungspläne und thematisch eng verknüpft mit der Debatte über Flächennutzung und Akzeptanz von Energieanlagen sowie dem breiteren klimapolitischen Rahmen, in dem auch das internationale Engagement Deutschlands eine Rolle spielt. Über den aktuellen parlamentarischen Stand informiert die Übersicht der Drucksachen vom 8. September 2026.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind private Haushalte mit bestehenden oder geplanten Dach-PV-Anlagen, insbesondere Eigenheimbesitzer. Rund 38 Prozent der installierten PV-Anlagen befinden sich laut Antrag auf Dächern von Eigenheimen. Darüber hinaus sind Beschäftigte in der Wind- und Solarbranche betroffen: Laut den im Antrag zitierten Studien könnten bei einer Verlangsamung des Ausbaus um 25 Prozent rund 65.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auch Standortkommunen, die Windräder oder Freiflächen-PV beherbergen, sind Gegenstand der Forderungen.
Der Antrag (BT-Drs. 21/7907) ist am 8. September 2026 in den Deutschen Bundestag eingebracht worden. Als nächster Schritt steht die Überweisung an den zuständigen Ausschuss, voraussichtlich den Ausschuss für Klimaschutz und Energie, an. Nach der Ausschussberatung folgt die abschließende Abstimmung im Plenum des Bundestages.
- Einspeisevergütung
- Fester Preis, den Betreiber einer PV-Anlage für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom erhalten — gesetzlich im EEG festgelegt und für 20 Jahre garantiert.
- Direktvermarktung
- Verkauf von selbst erzeugtem Strom direkt an der Strombörse über einen Dienstleister, anstelle einer staatlich festgelegten Vergütung — der erzielte Preis schwankt mit dem Markt.
- Agri-PV
- Kombination von landwirtschaftlicher Nutzung und Photovoltaik auf derselben Fläche — Solarmodule werden über oder zwischen Nutzpflanzen installiert.
Was plant die Bundesregierung bei der EEG-Novelle 2027?
Laut dem Antrag sieht die Novelle die Abschaffung der fixen Einspeisevergütung für kleinere PV-Neuanlagen vor und würde Dachanlagen-Betreiber zur Direktvermarktung an der Strombörse verpflichten.
Was bedeutet die Direktvermarktung für Hausbesitzer mit PV?
Ohne eine begleitende Digitalisierung des Stromnetzes und variable Tarife wäre die Direktvermarktung für Eigenheimbesitzer laut Antrag nicht rentabel — die Amortisierungszeit einer 10-kWp-Anlage ohne Speicher stiege von 11 auf über 18 Jahre.
Welche Ziele verfolgt die Fraktion Die Linke mit dem Antrag?
Die Linke fordert unter anderem den Erhalt der Einspeisevergütung für Dachanlagen, ein EEG-Ziel von 115 Gigawatt Windkraft an Land bis 2030, Resilienzausschreibungen für alle EE-Segmente sowie einen verpflichtenden Bonus von 25.000 Euro pro Megawatt für Standortkommunen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7907 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































