Eingegangen
Sniper-Tourismus Sarajevo: Grüne fragen nach deutschen Beteiligten
Hintergrund
Während der Belagerung Sarajevos von 1992 bis 1996 wurden 11.000 Zivilisten getötet und 56.000 verletzt. Investigative Recherchen von Journalisten wie Ezio Gavazzeni deuten darauf hin, dass wohlhabende Männer aus verschiedenen europäischen Staaten hohe Summen dafür bezahlt haben, um als ‚Sniper-Touristen‘ an der Seite der bosnisch-serbischen Armee auf Menschen zu schießen. Bereits im November 2025 wurde aufgrund dieser Recherchen ein Strafverfahren in Italien eingeleitet.
Die Grünen-Fraktion stellt in einer Kleinen Anfrage vom 9. April 2026 (BT-Drs. 21/5251) 20 detaillierte Fragen zur möglichen Beteiligung deutscher Staatsbürger am sogenannten ‚Sniper-Tourismus‘ während der Belagerung Sarajevos von 1992 bis 1996.
Auslöser sind investigative Recherchen des italienischen Journalisten Ezio Gavazzeni. Diese legen nahe, dass wohlhabende Männer aus verschiedenen europäischen Staaten hohe Summen bezahlt haben, um an der Seite der bosnisch-serbischen Armee auf Zivilisten zu schießen. Die Täter haben laut den Recherchen unterschiedlich farbige Patronenhülsen je nach Alter und Geschlecht der Opfer als Trophäen mit nach Hause gebracht.
Während der 1.425 Tage dauernden Belagerung Sarajevos wurden 11.000 wehrlose Zivilisten getötet und 56.000 teilweise schwer verletzt. Die Hauptstraße wurde als ‚Sniper Alley‘ bekannt.
Ob strafrechtliche Ermittlungen gegen Deutsche laufen, wollen die Grünen von der Bundesregierung wissen. Außerdem fragen sie nach verfügbaren Informationen der Behörden. Dies ist bemerkenswert, da bereits im November 2025 italienische Behörden aufgrund der Recherchen ein Strafverfahren wegen mehrfachen Mordes eingeleitet haben.
Die Anfrage erwähnt mediale Berichte über 230 privilegierte, meist westeuropäische mutmaßliche ‚Wochenendscharfschützen‘ – darunter auch Deutsche. Besonders brisant: Die Fraktion erkundigt sich zudem nach möglichen Verbindungen zu extremistischen Netzwerken. Auch die Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlungsbehörden ist Gegenstand der Anfrage.
Dr. Irene Mihalic und ihre Fraktionskollegen fragen überdies, ob die Bundeswehr oder deutsche Kräfte in internationalen Polizeimissionen informelle Kenntnis von den beschriebenen ‚Menschenjagden‘ gehabt haben. Hintergrund sind offenbar Vermutungen über eine breitere Kenntnis der Vorgänge in internationalen Kreisen. Die Abgeordneten erkundigen sich außerdem nach möglichen völkerrechtlichen Aspekten und nach Finanzermittlungen hinsichtlich der Taterträge.
Betroffen sind potentiell deutsche Staatsbürger, die sich möglicherweise an den beschriebenen Gräueltaten beteiligt haben könnten. Zudem geht es um die Opfer der Belagerung Sarajevos und deren Angehörige, die Aufklärung über die Täter fordern.
Die Bundesregierung hat nun Zeit, die 20 detaillierten Fragen der Grünen-Fraktion zu beantworten. Dabei geht es um mögliche Strafverfahren, internationale Zusammenarbeit und geplante Aufklärungsmaßnahmen. Die Antwort wird zeigen, welche Kenntnisse deutschen Behörden vorliegen.
- Sniper-Tourismus
- Begriff für wohlhabende Personen, die gegen Bezahlung als Scharfschützen an Kriegen teilnehmen, ohne militärische Notwendigkeit.
- UNPROFOR
- United Nations Protection Force – UN-Friedenstruppe, die während des Bosnien-Krieges eingesetzt war.























































