Wissenschaftlicher Dienst analysiert Private-Equity-Beteiligungen im Gesundheitswesen
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer aktuellen Dokumentation vom April 2026 Veröffentlichungen zum Anteil von Private-Equity-Gesellschaften (PEGs) in der deutschen Gesundheitsversorgung zusammengetragen. Die Analyse zeigt ein wachsendes Engagement von Finanzinvestoren in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens auf.
Deutlicher Anstieg bei Medizinischen Versorgungszentren: Besonders im Fokus stehen investorenbetriebene Medizinische Versorgungszentren (iMVZs). Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns befinden sich aktuell fast 40 Prozent aller MVZs in Bayern im Besitz privater Betreiber, davon etwa 20 Prozent direkt unter Kontrolle von Private-Equity-Fonds. Bundesweit wurden von 2011 bis 2024 insgesamt 70 PEG-geführte Kettengründungen im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung identifiziert, wobei die meisten Gründungen 2022 erfolgten.
Regionale Schwerpunkte und Fachrichtungen: Besonders betroffen sind Fachgruppen mit hohem Geräte- und Technikeinsatz wie Radiologie, Augenheilkunde und Labormedizin. Seit 2021 entfielen rund 90 Prozent aller Akquisitionen von Radiologiepraxen auf Investorengruppen. Bundesweit gehören über 500 augenärztliche Praxen zu internationalen PE-Ketten. Die iMVZs konzentrieren sich vor allem auf Gebiete mit hoher Patientendichte und zahlungskräftiger Klientel.
Pflegebereich stark betroffen: Im Pflegesektor gehörten 2022 rund 30 Prozent der Pflegeheimplätze in Deutschland PEGs. Von den 30 größten Pflegeheimbetreibern entfallen etwa 30 Prozent der Plätze auf PE-geführte Häuser. Die Anzahl der PE-Käufe im Gesundheits- und Pflegebereich stieg von etwa fünf pro Jahr vor 2017 auf 176 Käufe im Jahr 2020.
Mangelnde Datenlage als Problem: Ein zentrales Problem ist die unzureichende Datenlage zur Eigentümerstruktur, insbesondere bei humanmedizinischen MVZs. Es gibt keine genauen und belastbaren Daten darüber, wie viele MVZs sich im Eigentum von PEGs befinden. Daher fordern verschiedene Akteure die Einrichtung eines „MVZ-Registers“ oder „Transparenzregisters“ für bessere Übersicht über Inhaber- und Beteiligungsstrukturen.
Kontroverse Bewertung: Die Beteiligung von PEGs wird kontrovers diskutiert. Kritiker befürchten, dass wirtschaftlicher Profit über Zukunftsfähigkeit der Einrichtungen und Patienteninteressen gestellt wird. Befürworter sehen hingegen die finanziellen Mittel der Investoren als Vorteil für die Versorgung.























































