Die Zweitstimme ist bei Bundestagswahlen die entscheidende Stimme für die Zusammensetzung des Deutschen Bundestags. Mit ihr wählen die Bürger eine Partei und bestimmen dadurch die Stärkeverhältnisse im Parlament. Anders als die Erststimme, mit der ein konkreter Kandidat im Wahlkreis gewählt wird, entscheidet die Zweitstimme über die Verteilung der Mandate nach dem Verhältniswahlrecht.
Rechtliche Grundlage
Die Zweitstimme ist im Bundeswahlgesetz (BWahlG) geregelt, das auf Artikel 38 des Grundgesetzes basiert. Dort ist festgelegt, dass die Abgeordneten in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl“ gewählt werden. Das Bundeswahlgesetz konkretisiert diesen Verfassungsauftrag durch das System der personalisierten Verhältniswahl mit Erst- und Zweitstimme.
Funktionsweise der Zweitstimme
Auf dem Stimmzettel stehen rechts die zur Wahl zugelassenen Parteien mit ihren Landeslisten. Wähler kreuzen die gewünschte Partei an und geben damit ihre Zweitstimme ab. Diese Stimmen werden bundesweit zusammengezählt und bestimmen, wie viele Sitze jede Partei im Bundestag erhält – vorausgesetzt, sie überwindet die Fünf-Prozent-Hürde oder gewinnt mindestens drei Direktmandate.
Die Sitzverteilung erfolgt nach dem Sainte-Laguë-Verfahren. Zunächst wird die Gesamtzahl der Sitze proportional zu den Zweitstimmenergebnissen auf die Parteien verteilt. Anschließend werden die bereits durch Direktmandate (Erststimmen) gewonnenen Sitze von der jeweiligen Parteizuteilung abgezogen. Die verbleibenden Sitze werden über die Landeslisten besetzt.
Praxisbeispiel: Bundestagswahl 2021
Bei der Bundestagswahl 2021 erhielt die SPD 25,7 Prozent der Zweitstimmen und damit 206 der regulären 598 Sitze. Die Union kam auf 24,1 Prozent (197 Sitze), die Grünen auf 14,8 Prozent (118 Sitze). Da jedoch mehr Direktmandate gewonnen wurden, als den Parteien nach Zweitstimmen zustanden, entstanden Überhang- und Ausgleichsmandate, wodurch der Bundestag auf 736 Sitze anwuchs.
Ein Wähler in Bayern, der seine Zweitstimme der FDP gab, trug dazu bei, dass die Liberalen mit 11,5 Prozent der Zweitstimmen 92 Mandate erhielten – obwohl sie nur einen Direktkandidaten stellten. Die FDP-Abgeordneten zogen fast ausschließlich über die Landeslisten in den Bundestag ein.
Bedeutung für die Demokratie
Die Zweitstimme macht das deutsche Wahlsystem zu einem der proportionalsten weltweit. Sie gewährleistet, dass die Sitzverteilung im Bundestag weitgehend dem Wählerwillen entspricht. Gleichzeitig ermöglicht die Kombination mit der Erststimme eine direkte Verbindung zwischen Wahlkreisen und Abgeordneten.
Kontroversen um die Zweitstimme entstehen regelmäßig durch Wahleinsprüche und Diskussionen über Wahlrechtsreformen. Aktuelle Entwicklungen wie die Prüfung von Wahleinsprüchen zeigen die Bedeutung einer ordnungsgemäßen Durchführung des Wahlverfahrens: Waren 1.041 Wahleinsprüche berechtigt? Ausschuss entscheidet.























































