Bundestag aktuell: 1. Juni 2026
Der heutige Tag im Bundestag war geprägt von Anfragen zu gescheiterten Digitalisierungsprojekten, Migrationspolitik und verfassungsrechtlichen Reformen. Die AfD dominierte mit fünf Drucksachen die parlamentarische Tagesordnung, während die Bundesregierung eine umfassende Reform des Antidiskriminierungsrechts vorlegte. Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch das seit Jahrzehnten verzögerte Berliner S-Bahn-Projekt.
Bundesregierung
Die Regierung legte einen Gesetzentwurf zur Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes vor. Die Präklusionsfrist für Diskriminierungsansprüche wird verdoppelt und eine neue Schlichtungsstelle soll außergerichtliche Streitbeilegung ermöglichen. Die Reform dient der Umsetzung aktueller EU-Richtlinien zu Gleichbehandlungsstellen und stärkt den Diskriminierungsschutz erheblich.
Alternative für Deutschland (AfD)
Die AfD setzte heute mehrere migrationspolitische Schwerpunkte und kritisierte Regierungsprojekte scharf:
- Eine Kleine Anfrage deckte das gescheiterte Digitalisierungsprojekt „Datenatlas Bund“ auf, für das 25 Millionen Euro ausgegeben wurden, bevor es eingestellt wurde
- Detaillierte Kriminalstatistiken nach Nationalitäten werden für acht Deliktsbereiche gefordert, aufgeschlüsselt nach 22 spezifischen Staatsangehörigkeiten
- Die Rückkehrprämien für Asylbewerber stehen im Fokus zweier Anfragen, besonders zu den Programmen REAG, GARP und StarthilfePlus
- Ein Gesetzentwurf zur Grundgesetzänderung sieht die Direktwahl des Bundespräsidenten vor, nachdem Umfragen 70 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung zeigen
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen konzentrierten sich auf zwei gesellschaftlich relevante Themenbereiche. Eine Kleine Anfrage behandelt das seit 26 Jahren geplante, aber noch immer nicht fertiggestellte S-Bahn-Projekt S15 zum Berliner Hauptbahnhof. Die Fraktion sieht darin einen Vertrauensverlust in staatliche Unternehmen. Zusätzlich hinterfragen die Grünen Verfassungsschutz-Erkenntnisse zu christlichen Fundamentalisten und deren mögliche Verbindungen zur AfD sowie zur internationalen MAGA-Bewegung.
Die Linke
Die Linke thematisierte die geplante EU-Förderperiode 2028-2034 mit einem Volumen von 409 Milliarden Euro. Ostdeutsche Länder befürchten Benachteiligungen durch die neuen Förderkriterien, die Exzellenz statt regionalen Ausgleich in den Vordergrund stellen. Die Fraktion will von der Bundesregierung wissen, wie sich diese Umstellung auf strukturschwache Regionen auswirken wird.
Ausblick
Die heute eingereichten Drucksachen zeigen zentrale Konfliktlinien auf, die den parlamentarischen Alltag prägen werden: Die Migrationsdebatte bleibt ein Dauerthema, während die Digitalisierung staatlicher Strukturen weiterhin Herausforderungen bereitet. Die geplante AGG-Reform und die Diskussion um die Direktwahl des Bundespräsidenten dürften verfassungsrechtliche Debatten nach sich ziehen.
- Bundesregierung reformiert das Antidiskriminierungsrecht
Drs. 21/6178 · Vorgang VO334698 - 25-Millionen-Flop: Digitalisierungsprojekt des Bundes eingestellt
Drs. 21/6176 - AfD will Kriminalstatistik nach Nationalitäten aufgeschlüsselt sehen
Drs. 21/6177 - AfD hinterfragt: Geld für Asylbewerber zur Rückkehr
Drs. 21/6159 · Vorgang VO335410 - AfD hinterfragt Geldleistungen für Asylbewerber ohne Ausreisepflicht
Drs. 21/6159 · Vorgang VO335410 - S-Bahn-Chaos in Berlin: Seit 2000 geplant, noch immer nicht fertig
Drs. 21/6165 · Vorgang VO335408 - EU-Milliarden umstritten: Benachteiligt Ostdeutschland der neue Fonds?
Drs. 21/6167 · Vorgang VO335446 - Grüne fragen christliche Influencer mit rechtsextremen Bezügen ab
Drs. 21/6166 · Vorgang VO335443 - AfD fordert Direktwahl: Bundespräsident vom Volk wählen lassen
Drs. 21/5423

































































