- Baumwollbauern verdienen laut Studien nur 50–60 % eines existenzsichernden Einkommens
- BMZ hat das Textilbündnis zum neuen Textildialog DST umstrukturiert
- 38 Fragen zu Budget, Wirkung und Lieferkettenstandards beim Grünen Knopf
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6677 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat das 2014 von Minister Gerd Müller gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien in das neue Format ‚Dialogue for Impact and sustainable Textiles‘ (DST) überführt. Dieses Multi-Stakeholder-Netzwerk soll Akteure der textilen Wertschöpfungskette zusammenführen und stärker international ausgerichtet werden. Gleichzeitig soll der Textildialog enger mit dem staatlichen Nachhaltigkeitssiegel Grüner Knopf verzahnt werden, dessen Kriterienkatalog derzeit in der Version 3.0 überarbeitet wird. Auf europäischer Ebene stehen Lieferkettenregeln wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die EU-Richtlinie CSDDD unter politischem Druck, was die Fraktion der Grünen zum Anlass nimmt, nach möglichen negativen Folgen für Produzenten im Globalen Süden zu fragen.
Im Detail
Studien z. B. aus Kamerun belegen, dass das tatsächliche Einkommen der BaumwollbäuerInnen im Durchschnitt nur 50–60 Prozent des erforderlichen existenzsichernden Einkommens beträgt.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6677
Kleinbäuerliche Baumwollproduzenten in Subsahara-Afrika erhalten nach Angaben der Fragesteller im Durchschnitt nur 50 bis 60 Prozent des Einkommens, das für eine existenzsichernde Lebensgrundlage nötig wäre. Diese Lücke steht im Mittelpunkt einer umfangreichen Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6677), die Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen am 25. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht haben. In 38 Einzelfragen verlangen sie von der Bundesregierung Auskunft über den neuen Textildialog DST, das Nachhaltigkeitssiegel Grüner Knopf und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Baumwollsektor.
Was gilt aktuell?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat das 2014 unter Gerd Müller gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT) unter Ministerin Reem Alabali-Radovan in das neue Format Dialogue for Impact and sustainable Textiles (DST) überführt. Das DST versteht sich als Multi-Stakeholder-Netzwerk, das Unternehmen, Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen entlang der textilen Wertschöpfungskette zusammenbringt. Gleichzeitig soll der Dialog enger mit dem 2019 eingeführten Grünen Knopf verzahnt werden, dessen Kriterienkatalog derzeit in Version 3.0 überarbeitet wird. Der Grüne Knopf ist das einzige staatlich überwachte deutsche Textilsiegel für soziale und ökologische Nachhaltigkeit.
Textildialog DST: Ziele und Budget unter der Lupe
Ein zentrales Anliegen der Anfrage ist die Frage nach messbaren Zielen des neuen Textildialogs. Die Grünen wollen wissen, welche Ziele der DST quantifizierbar auf einer Zeitachse verfolgt und wie verbindlich diese sind. Zudem fragen sie nach den konkreten Haushaltsmitteln und Personalstellen des BMZ, die ab sofort in den Bereich nachhaltige Textilien fließen — und wie viele Mittel zwischen 2018 und 2026 für Textilbündnis und Grünen Knopf aufgewendet wurden. Auch die Projektmittel bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sollen aufgeschlüsselt nach Projektname, Fördersumme und Zeitraum offengelegt werden. Zur Marktdurchdringung fragen die Abgeordneten, welchen Anteil am deutschen Textileinzelhandel die DST-Mitglieder abdecken und wie der Marktanteil des Grünen Knopfs im Vergleich zu Siegeln wie Fairtrade Cotton oder dem Global Organic Textile Standard (GOTS) einzuordnen ist.
Baumwollbauern und das Problem des Living Income
Baumwolle wird in Subsahara-Afrika häufig in den ärmsten Regionen angebaut und gilt als sogenannte Anker-Frucht, die das Haushaltseinkommen kleinbäuerlicher Familien absichert. Gleichzeitig wird sie in Fruchtfolge mit Nahrungsmitteln kultiviert — ein Rückgang der Baumwollproduktion kann daher direkt die lokale Nahrungsmittelversorgung beeinträchtigen. Dieser Zusammenhang ist laut Drucksache auch in umgekehrter Richtung wirksam. Die Fragesteller wollen wissen, welche konkreten Maßnahmen die Bundesregierung über DST und Grünen Knopf ergreift, um den sogenannten Living-Income-Gap bei Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Baumwollanbau schrittweise zu schließen.
Pestizide, Wasser und Biodiversität
Die UN-Biodiversitätskonferenz hat das Ziel beschlossen, den Einsatz synthetischer Pflanzchemikalien bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Die Grünen fragen, welche Maßnahmen die Bundesregierung in geförderten Vorhaben und über den Textildialog unternimmt, um diesem Ziel nachzukommen. Weitere Fragen betreffen den Wasserverbrauch bei der Baumwollproduktion, den Schutz der Bodenbiodiversität sowie die Förderung von Biopestiziden als Alternative zu synthetischen Mitteln — etwa über das develoPP-Programm der Entwicklungszusammenarbeit.
Lieferketten und Reform des LkSG
Politisch brisant ist die Frage nach den Folgen der aktuellen Debatten über eine Abschwächung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) und der europäischen Lieferkettenrichtlinie CSDDD. Die Grünen fragen, inwieweit ein Wegfall von Berichtspflichten negative Auswirkungen auf die nachhaltige Textilproduktion und auf Arbeitnehmer sowie Produzenten im Globalen Süden haben könnte. Auch die Auswirkungen auf die Sorgfaltspflicht-Kriterien des Grünen Knopfs selbst stehen zur Debatte. Ergänzend wird gefragt, mit welchen Beträgen die Bundesregierung Siegel wie Cotton Made in Africa, Fairtrade Cotton und GOTS in der Vergangenheit gefördert hat und welche Rolle diese in der künftigen Strategie des DST spielen sollen. Das Thema Lieferkettentransparenz ist auch auf drucksachlich.de bereits diskutiert worden, etwa im Kontext des Rechts auf Reparatur und weiterer Verbraucherschutz-Initiativen.
Die Anfrage thematisiert auch die Koordination mit anderen europäischen Gebern wie der EU-Kommission, der französischen Entwicklungsagentur AFD und der niederländischen Initiative for Sustainable Trade (IDH), die den Better Cotton Standard (BCI) unterstützt. Schließlich fragen die Abgeordneten, wie zivilgesellschaftliche und lokale Stakeholder aus den Produzentenländern künftig im Sounding Board des DST strukturiert eingebunden werden.
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Direkt betroffen sind kleinbäuerliche Baumwollproduzenten in Subsahara-Afrika, insbesondere in den ärmsten Anbauregionen, wo Baumwolle zugleich als Einkommensquelle und in Fruchtfolge mit Nahrungsmitteln angebaut wird. Mittelbar betroffen sind Textilunternehmen in Deutschland, die Mitglieder des Textildialogs sind oder den Grünen Knopf verwenden, sowie Konsumentinnen und Konsumenten, die auf Nachhaltigkeitssiegel vertrauen.
Die Bundesregierung hat ab dem Einreichungsdatum (25. Juni 2026) 21 Tage Zeit, die Kleine Anfrage zu beantworten. Die Antwortfrist läuft damit bis zum 16. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- Grüner Knopf
- Staatliches deutsches Siegel des BMZ für Textilien, die bestimmte soziale und ökologische Standards erfüllen. Eingeführt 2019.
- LkSG
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Deutsches Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu prüfen und zu minimieren.
- Living Income
- Existenzsicherndes Einkommen: Das Einkommensniveau, das Kleinbauern benötigen, um ihre Grundbedürfnisse und die ihrer Familien zu decken.
Was ist der Grüne Knopf?
Der Grüne Knopf ist ein 2019 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingeführtes staatliches Siegel für sozial und ökologisch nachhaltig produzierte Textilien.
Was ist der neue Textildialog DST?
Das frühere Bündnis für nachhaltige Textilien (Textilbündnis, gegründet 2014) wurde unter BMZ-Ministerin Alabali-Radovan in das neue Format 'Dialogue for Impact and sustainable Textiles' (DST) umgewandelt.
Warum verdienen Baumwollbauern so wenig?
Laut der in der Anfrage zitierten Studien etwa aus Kamerun erhalten Baumwollbäuerinnen und -bauern im Durchschnitt nur 50–60 Prozent des für ein existenzsicherndes Einkommen notwendigen Betrags.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6677 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































