Vollständig beantwortet
- Russische Kampagnen attackieren deutsche Entwicklungshilfe mit Falschmeldungen
- Bundesregierung hat russische Akteure offiziell identifiziert
- Attribuierungsverfahren führt zu diplomatischen Konsequenzen
Desinformation: Bundesregierung bestätigt russische Angriffe auf Entwicklungspolitik
Hintergrund
Das Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) veröffentlichte im März 2026 eine Studie über Desinformation gegen deutsche Entwicklungspolitik. Die Analyse von über 36.000 Telegram-Nachrichten dokumentierte koordinierte Angriffe russischer Akteure auf deutsche Entwicklungsorganisationen, insbesondere die GIZ. Falsche Behauptungen über Korruption und Verschwendung sollen das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben.
Das Ziel dieser Kampagne ist es, die Gesellschaft zu spalten, Misstrauen zu schüren und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Prozesse zu schwächen.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/5967
Die Bundesregierung bestätigt in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion umfassende russische Desinformationskampagnen gegen die deutsche Entwicklungspolitik. Die Drucksache 21/5967 vom 15. Mai 2026 dokumentiert systematische Angriffe auf deutsche Entwicklungsorganisationen.
Russische Kampagnen identifiziert
Das nationale Attribuierungsverfahren hat die russischen Desinformationskampagnen „Storm-1516“ und „Operation Overload“ bereits im Dezember 2025 offiziell der Russischen Föderation zugeordnet, so die Bundesregierung. Diese Kampagnen haben die Bundestagswahl 2025 sowie die inneren Angelegenheiten Deutschlands beeinflussen sollen.
Besonders perfide ist die Methodik gewesen. „Storm-1516“ verbreitete erfundene Geschichten über deutsche Entwicklungsgelder – eine falsche Behauptung über 1,4 Milliarden Euro deutsche Gelder für ein brasilianisches Fußballstadion erzielte auf der Plattform X 3,3 Millionen Views. Hintergrund ist, dass Angehörige des von Alexander Dugin gegründeten Center for Geopolitical Expertise die Kampagne durchgeführt haben sollen.
Die russischen Akteure nutzen gefälschte Videos, erfundene Zeugenaussagen und pseudojournalistische Webseiten, um Misstrauen gegen deutsche Entwicklungsorganisationen zu säen.
Gegenmaßnahmen eingeleitet
Die Bundesregierung hat ein Attribuierungsverfahren für ausländische Informationsmanipulation eingeführt. Kurz gesagt: Desinformationskampagnen können damit staatlichen Akteuren zugeordnet werden. Dies ermöglicht entsprechende diplomatische oder sanktionsrechtliche Maßnahmen, während die Erkenntnisse mit internationalen Partnern geteilt werden.
Dies ist bemerkenswert, da zum Schutz gefährdeter Projektpartner bestimmte Informationen von der Bundesregierung vertraulich behandelt werden. Diese sind dann nicht im Transparenzportal abrufbar, um sie nicht zur Zielscheibe von Desinformation zu machen.
Medienkompetenz gestärkt
Programme zur Stärkung der Medienkompetenz werden ausgeweitet, verweist die Antwort. Die DW Akademie führt regionale Programme in Asien (12 Millionen Euro), Afrika (17,5 Millionen Euro) und anderen Regionen durch, während das Projekt „Fight for Facts!“ ukrainische Regionalmedien im Kampf gegen Desinformation unterstützt.
Problematisch bleibt die Plattform Telegram. Diese hat sich weder zum EU-Verhaltenskodex zu Desinformation bekannt noch ist sie als „sehr große Online-Plattform“ eingestuft, stellt die Bundesregierung fest. Dadurch besteht keine Verpflichtung, systemische Risiken zu mindern.
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Betroffen sind deutsche Entwicklungsorganisationen wie die GIZ, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) sowie die deutsche Öffentlichkeit, die gezielt mit Falschmeldungen manipuliert werden soll.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen vollständig, weicht jedoch bei Details zu konkreten Schutzmaßnahmen aus Sicherheitsgründen teilweise aus.
Die Bundesregierung prüft weitere diplomatische Schritte gegen Russland. Das Attribuierungsverfahren kann zu EU-Sanktionen führen. Erkenntnisse werden mit internationalen Partnern geteilt, um gemeinsame Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
- Attribuierungsverfahren
- Verfahren der Bundesregierung, um Desinformationskampagnen staatlichen Akteuren zuzuordnen und offizielle Reaktionen zu ermöglichen.
- Storm-1516
- Russische Desinformationskampagne, die erfundene Geschichten über deutsche Entwicklungsgelder verbreitete.
- Operation Overload
- Russische Kampagne mit gefälschten Videos, die Millionen von Menschen erreichte und demokratische Institutionen diskreditieren sollte.
Welche russischen Kampagnen greifen deutsche Entwicklungspolitik an?
Die Kampagnen 'Storm-1516' und 'Operation Overload' verbreiten gezielt Falschmeldungen über deutsche Entwicklungsorganisationen wie die GIZ.
Was unternimmt die Bundesregierung gegen diese Angriffe?
Sie hat ein Attribuierungsverfahren eingeführt und die russischen Kampagnen öffentlich zugeordnet. Diplomatische Schritte sind möglich.
Wie werden deutsche Entwicklungsorganisationen geschützt?
Informationen zu gefährdeten Projektpartnern werden vertraulich behandelt und sind nicht im Transparenzportal abrufbar.














































