Der 1. Juli 2026 bringt im Bundestag ein breites Themenspektrum: Zwei Gesetzentwürfe zur
StPO-Reform mit KI-gestützter Gesichtserkennung und zur Vereinsrechtsreform wurden eingebracht,
während die Fraktionen mit zahlreichen Kleinen Anfragen zu innerer Sicherheit, Migration,
Verkehrsinfrastruktur und Verteidigung nachhaken. Insgesamt wurden heute 30 neue Drucksachen
veröffentlicht.
Gesetzentwürfe
Zwei Regierungsentwürfe stehen im Mittelpunkt des heutigen Tages. Der Entwurf zur
StPO-Reform (Drs. 21/6806) sieht vor, Ermittlern den Einsatz KI-gestützter
Gesichtserkennung zu ermöglichen. Parallel dazu schafft der Entwurf zur Vereinsgesetz-Reform
(Drs. 21/6805) eine gesetzliche Grundlage für ein Ausländervereinsregister. Beide Entwürfe
befinden sich noch am Beginn des parlamentarischen Verfahrens und wurden zur ersten Lesung
eingebracht.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen-Fraktion hat sieben Drucksachen eingebracht, darunter mehrere Anfragen zu
Verkehrsprojekten und innerer Sicherheit:
-
Die Frage nach einem Verbot der Grauen Wölfe (Drs. 21/6785) greift die Situation einer
Organisation mit rund 12.000 Mitgliedern in Deutschland auf, gegen die bislang kein
Vereinsverbot verhängt wurde. -
Der 10-Milliarden-Euro-Pakt zur zivilen Verteidigung (Drs. 21/6776) wird auf seine
Umsetzung hin befragt. -
Zur Ostbahn Berlin–Müncheberg liegt bereits eine Antwort vor (Drs. 21/6676): Das Projekt
verbleibt im potenziellen Bedarf, Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat fließen nicht. -
Die neue S-Bahn-Linie S15 in Berlin fährt seit dem 15. Juni 2026; der erste Bauabschnitt
kostet laut Regierungsantwort 811,6 Millionen Euro (Drs. 21/6667). -
Weitere offene Anfragen betreffen die EMRK-Schutzstandards bei Abschiebungen, die
Telematik auf der Autobahn A8 sowie die Einstufung aller Antworten zur Forschungssicherheit
als Verschlusssache.
AfD
Die AfD stellt mit 15 Drucksachen den größten Anteil des heutigen Aufkommens. Schwerpunkte
liegen auf Migration, Staatsfinanzen und innerer Sicherheit:
-
Gleich drei Anfragen erfassen statistische Daten zu Straftaten und Einbürgerungen nach
Herkunftsländern (Drs. 21/6757, 21/6758, 21/6759). -
Deutschland überweist laut einer Anfrage jährlich 5,1 Milliarden Euro an die Vereinten
Nationen; die Fraktion fragt nach der Aufschlüsselung (Drs. 21/6760). -
Zur Ukraine-Friedensregelung und dem EU-Kallas-Papier liegt eine Antwort vor: Rund 210
Milliarden Euro russisches Staatsvermögen sind in der EU eingefroren, die Erträge 2024/25
belaufen sich auf 3,8 Milliarden Euro (Drs. 21/6670). -
Der Nord-Stream-Anschlag und der Auslieferungsstreit mit Polen um einen EU-Haftbefehl
werden ebenfalls thematisiert (Drs. 21/6753). -
Beantwortet wurde auch die Anfrage zu sächsischen Separatisten: Die Bundesregierung
verneint einen FBI-Einsatz im Dresdner Verfahren (Drs. 21/6675).
Die Linke
Die Linksfraktion fragt vor allem nach Polizeipraktiken, Abschiebungen und sozialen Themen:
-
Eine Anfrage thematisiert den Einsatz von Stroboskop-Taschenlampen durch die Bundespolizei
gegenüber Journalisten (Drs. 21/6781). -
Gescheiterte Abschiebungsflüge nach Gambia werden mit 20 Einzelfragen unter die Lupe
genommen (Drs. 21/6743). -
Bereits beantwortet: Die Bundeswehr plant im dritten Quartal 2026 tausende Schulbesuche
und Messeauftritte (Drs. 21/6635). Zudem erhalten die Länder von 2027 bis 2036 rund 2,6
Milliarden Euro im Rahmen des Gewalthilfegesetzes zum Schutz wohnungsloser Frauen
(Drs. 21/6674).
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben in den kommenden Wochen vor allem die beiden heute
eingebrachten Gesetzentwürfe zur StPO- und Vereinsgesetz-Reform, die noch die erste
Lesung und Ausschussberatungen vor sich haben. Darüber hinaus stehen zahlreiche
unbeantwortete Kleine Anfragen aus — darunter die Fragen zu den Grauen Wölfen, zur
zivilen Verteidigung und zum Nord-Stream-Auslieferungsstreit —, die innerhalb der
vorgeschriebenen Fristen beantwortet werden müssen.
- Graue Wölfe in Deutschland: 12.000 Mitglieder, kein Verbot
Drs. 21/6785 · Vorgang VO336714 - StPO-Reform 2026: KI-gestützte Gesichtserkennung für Ermittler
Drs. 21/6806 · Vorgang VO334557 - Vereinsgesetz-Reform 2026: Ausländervereinsregister erhält Rechtsgrundlage
Drs. 21/6805 · Vorgang VO334558 - Zivile Verteidigung: 10 Mrd. Euro Pakt auf dem Prüfstand
Drs. 21/6776 · Vorgang VO336678 - Gewalt gegen Frauen 2025: Straftaten nach Nationalität der Täter
Drs. 21/6757 · Vorgang VO336658 - Kommunale Wärmeplanung: Methodische Annahmen auf dem Prüfstand
Drs. 21/6780 · Vorgang VO336679 - Einbürgerungen 2025: Anzahl und Herkunftsländer angefragt
Drs. 21/6758 · Vorgang VO336659 - UN-Finanzierung: Deutschland zahlt 5,1 Mrd. Euro an die Vereinten Nationen
Drs. 21/6760 · Vorgang VO336662 - Zinsschranke § 4h EStG: Nationale Zusatzregeln unter der Lupe
Drs. 21/6763 · Vorgang VO336665 - Stroboskop-Taschenlampen: Bundespolizei blendet Journalisten
Drs. 21/6781 · Vorgang VO336681 - Antiziganistische Straftaten 2025: Bundestag fragt nach Fallzahlen
Drs. 21/6759 · Vorgang VO336661 - Handwerker ohne Grenzen: 907.500 Euro BMZ-Förderung unter der Lupe
Drs. 21/6762 · Vorgang VO336664 - Forschungssicherheit: Antwort der Bundesregierung eingestuft
Drs. 21/6739 · Vorgang VO335965 - Ukraine-Friedensregelung: Berlins Position zum EU-Kallas-Papier
Drs. 21/6670 · Vorgang VO335367 - Ostbahn Berlin–Müncheberg: Ausbau ohne Bundesfinanzierung
Drs. 21/6676 · Vorgang VO335926 - Abschiebungen nach Gambia: 20 Fragen zu Charterflug-Absagen
Drs. 21/6743 · Vorgang VO336601 - Bundeswehr-Auftritte Q3 2026: Tausende Veranstaltungen an Schulen
Drs. 21/6635 · Vorgang VO335753 - Bürokratieabbau im BMZ: 15 Fragen zur Staatsmodernisierung
Drs. 21/6748 · Vorgang VO336611 - Bebauungsplan-Stillstand: Eigentumsschutz nach Artikel 14 GG
Drs. 21/6723 · Vorgang VO336598 - Deutsch-Kasachischer Jugendaustausch: 30 Jahre Abkommen ohne Umsetzung
Drs. 21/6744 · Vorgang VO336602 - Chișinău-Erklärung: EMRK-Schutzstandards bei Abschiebungen in der Debatte
Drs. 21/6735 · Vorgang VO336600 - Sächsische Separatisten: FBI-Einsatz in Deutschland verneint
Drs. 21/6675 · Vorgang VO335815 - Gewalthilfegesetz: 2,6 Mrd. Euro für Schutz wohnungsloser Frauen
Drs. 21/6674 · Vorgang VO335822 - S-Bahn S15 Berlin: 811,6 Mio. Euro Kosten, Vollausbau bis 2030er
Drs. 21/6667 · Vorgang VO335408 - Bundesausgaben für PR-Agenturen: AfD fragt nach 2020–2025
Drs. 21/6721 · Vorgang VO336597 - Internationale Rechtshilfe: Reform des Auslieferungsrechts geplant
Drs. 21/6722 · Vorgang VO336599 - Autobahn A8: Telematik und autonomes Fahren auf dem Prüfstand
Drs. 21/6747 · Vorgang VO336609 - Nord-Stream-Anschlag: EU-Haftbefehl und Auslieferungsstreit mit Polen
Drs. 21/6753 · Vorgang VO336657 - Programm P20: Polizei-Datensystem läuft bis 2030
Drs. 21/6634 · Vorgang VO335812 - Demokratie leben! Brandenburg: NGO-Förderung ab 2020 offengelegt
Drs. 21/6614 · Vorgang VO335714

































































