- 5.000 Personen besitzen 27,3 % des deutschen Finanzvermögens laut BCG-Report 2026
- Grüne fragen, ob Deutschland dem International Panel on Inequality beitritt
- Globale Mindeststeuer nach US-Sonderabkommen vom Januar 2026 unter Druck
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7117 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der BCG Global Wealth Report vom Mai 2026 zeigt, dass rund 5.000 Personen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von über 100 Millionen US-Dollar zusammen 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens halten. Die offizielle Statistik erfasst diese Extremvermögen laut BT-Drs. 21/4827 nur unzureichend. Auf G20-Ebene empfahl ein Expertengremium unter Leitung von Ökonom Joseph Stiglitz im Rahmen der südafrikanischen G20-Präsidentschaft 2025 die Gründung eines International Panel on Inequality. Das Side-by-side Agreement vom 5. Januar 2026 zwischen OECD-Staaten und den USA räumt US-Konzernen Sonderregeln bei der globalen Mindeststeuer ein und steht seitdem politisch in der Kritik.
- 5.000 Personen — Zahl der Personen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von über 100 Mio. US-Dollar laut BCG Global Wealth Report Mai 2026.
- 27,3 % des Finanzvermögens — Anteil, den diese 5.000 Personen am gesamten deutschen Finanzvermögen halten.
- 550 Billionen US-Dollar — Weltweites Nettovermögen auf Rekordhoch, gestiegen um 9,3 % laut BCG-Report.
- 4 Gründungsländer — Südafrika, Brasilien, Norwegen und Spanien haben sich bisher für die Gründung des IPI entschieden.
- 5. Januar 2026 — Datum des Side-by-side Agreements, das US-Konzernen Sonderregeln bei der globalen Mindeststeuer einräumt.
Im Detail
Private Erhebungen wie der im Mai 2026 veröffentlichte BCG Global Wealth Report zeigen, dass in Deutschland rund 5 000 Personen mit einem Finanzvermögen oberhalb von 100 Millionen US-Dollar insgesamt 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens besitzen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7117
In Deutschland besitzen rund 5.000 Personen mit einem Finanzvermögen von jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar zusammen 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens. Das zeigt der BCG Global Wealth Report vom Mai 2026. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nimmt diese Zahl zum Anlass, die Bundesregierung in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7117 (eingereicht am 13. Juli 2026) mit elf teils mehrteiligen Fragen zu ihrer Strategie gegen Vermögensungleichheit zu befragen — national wie international.
Vermögensungleichheit: Datenlücken bei Hochvermögen
Ein zentrales Problem, das die Anfrage aufgreift, ist die unzureichende Datenbasis. Staatliche Statistiken erfassen Extremvermögen — also das reichste Prozent oder gar das reichste Zehntel-Prozent der Bevölkerung — nicht mit ausreichender Präzision. Das wurde bereits in BT-Drs. 21/4827 thematisiert. Die Grünen fragen daher konkret, welche zusätzlichen Erhebungen die Bundesregierung plant und ob künftig neben dem Gini-Koeffizienten auch alternative Ungleichheitsmaße wie Perzentil-Verhältnisse oder Top-Vermögensanteile genutzt werden sollen. Der Gini-Koeffizient gilt bei stark rechtsschiefen Verteilungen als wenig aussagekräftig, weil er Extremkonzentrationen an der Spitze statistisch verwischt. Zudem fragt die Anfrage nach dem sogenannten Gender Wealth Gap — also der strukturellen Vermögenslücke zwischen Männern und Frauen — und welche politischen Schlüsse die Bundesregierung daraus zieht.
International Panel on Inequality: Tritt Deutschland bei?
Unter der südafrikanischen G20-Präsidentschaft 2025 empfahl ein Expertengremium unter Leitung des Ökonomen Joseph Stiglitz die Gründung eines International Panel on Inequality (IPI). Das Gremium soll — ähnlich dem Weltklimarat IPCC — globale Ungleichheitstrends systematisch beobachten, die Treiber analysieren und Politikoptionen bewerten. Bisher haben sich Südafrika, Brasilien, Norwegen und Spanien als Gründungsländer positioniert. Die Grünen fragen, ob sich die Bundesregierung diesem Vorhaben anschließen will und an welchen Treffen im Rahmen von G20 und UN sie bereits mit Blick auf das IPI teilgenommen hat. Für Deutschland wäre ein Beitritt ein klares Signal für multilaterale Ungleichheitspolitik — bisher ist die Haltung der Bundesregierung dazu öffentlich nicht bekannt. Vergleichbare Initiativen zur internationalen Finanztransparenz, etwa beim automatischen Finanzkonten-Datenaustausch oder beim Plattform-Steueraustausch, hat Deutschland bereits mitgetragen.
Globale Mindeststeuer unter Druck
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage ist die globale Mindeststeuer für Unternehmen im Rahmen des BEPS-Frameworks der OECD. Dieses Instrument soll verhindern, dass multinationale Konzerne Gewinne in Niedrigsteuerländer verschieben. Kritisch wird in der Anfrage das sogenannte Side-by-side Agreement vom 5. Januar 2026 bewertet: Dieses Abkommen räumt US-Konzernen Sonderregelungen ein und stellt damit nach Ansicht der Fragesteller die Gleichbehandlung europäischer und amerikanischer Unternehmen in Frage. Die Grünen fragen, ob die Bundesregierung die Wirksamkeit der Mindeststeuer durch dieses Abkommen gefährdet sieht und ob sie aktiv auf eine Rückabwicklung der Ausnahmeregelungen hinwirkt. Auch der internationale Datenaustausch im Steuerrecht steht im Kontext dieser Debatte.
Milliardärsteuer und Anti-Ungleichheitsstrategie
Darüber hinaus fragt die Anfrage, inwiefern sich die Bundesregierung in internationalen Gremien für eine globale Milliardärsteuer einsetzt — aufgeschlüsselt nach konkreten Terminen, Gesprächspartnern und eingenommenen Positionen. Falls die Regierung keine klaren Reduktionsziele für Vermögensungleichheit benennen kann, wollen die Grünen wissen, ob wenigstens ein Evaluierungs- und Strategieprozess geplant ist, der einen Fahrplan für eine Anti-Ungleichheitsstrategie aufzeigt. Der Zusammenhang zwischen extremer Konzentration von Vermögen und politischer Instabilität ist Gegenstand eines G20-Reports von 2025, auf den sich die Fragesteller beziehen. Ob die Bundesregierung diese Kausalität teilt, ist ebenfalls Teil der Anfrage. Zu ähnlichen Fragen rund um Steuergerechtigkeit hat die SPD-Fraktion jüngst einen Aktionsplan gegen Steuerbetrug gefordert.
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Betroffen sind im weiteren Sinne alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Deutschland, deren Abgaben die öffentlichen Haushalte finanzieren, während Hochvermögende und multinationale Konzerne von Steuerschlupflöchern profitieren können. Konkret adressiert die Anfrage auch die Lage von Frauen, da sie nach Darstellung der Fragesteller strukturell niedrigere Vermögen aufweisen (Gender Wealth Gap).
Die Kleine Anfrage wurde am 13. Juli 2026 beim Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, schriftlich zu antworten — die Frist läuft bis zum 3. August 2026. Eine Ausschussbefassung ist für Kleine Anfragen nicht vorgesehen; das Verfahren endet mit der schriftlichen Antwort.
- Gini-Koeffizient
- Statistisches Maß zur Messung von Ungleichheit auf einer Skala von 0 (vollständige Gleichverteilung) bis 1 (maximale Konzentration). Bei stark rechtsschiefen Verteilungen — also wenn wenige sehr viel besitzen — unterschätzt er die tatsächliche Ungleichheit.
- BEPS-Framework
- Base Erosion and Profit Shifting — ein OECD-Regelwerk, das Steuervermeidung durch künstliche Gewinnverlagerung multinationaler Unternehmen eindämmen soll. Grundlage der globalen Mindeststeuer von 15 Prozent.
- International Panel on Inequality (IPI)
- Geplantes internationales Wissenschaftsgremium nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC, das globale Vermögensungleichheit systematisch beobachten und politische Handlungsoptionen aufzeigen soll.
Was ist das International Panel on Inequality (IPI)?
Das IPI ist ein geplantes internationales Gremium nach Vorbild des Klimarats IPCC, das globale Ungleichheitstrends überwachen und Gegenmaßnahmen bewerten soll. Gründungsländer sind bisher Südafrika, Brasilien, Norwegen und Spanien.
Was ist das Side-by-side Agreement vom 5. Januar 2026?
Es handelt sich um ein OECD-Abkommen, das US-Konzernen Sonderregelungen bei der globalen Mindeststeuer einräumt. Kritiker sehen darin einen Wettbewerbsvorteil für amerikanische Unternehmen gegenüber europäischen Konzernen.
Warum reichen offizielle Daten zur Vermögensverteilung nicht aus?
Laut Drucksache bilden staatliche Statistiken die oberste Spitze der Vermögensverteilung — etwa das reichste 0,1 Prozent — nicht mit ausreichender Genauigkeit ab. Private Beratungsunternehmen wie die BCG füllen diese Lücke mit eigenen Erhebungen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7117 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































