- Europa bezog 72 Prozent der Gruppe-III-Basisöle aus der Hormus-Region
- Grundölpreise in Europa seit Februar 2026 um rund 70 Prozent gestiegen
- Ernte 2026 droht ohne Schmierstoffe stillzustehen — Antwort der Regierung steht aus
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6767 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges nach Einschätzung der Brookings Institution nahezu für den Schiffsverkehr gesperrt. Europa bezog laut Angaben der EIA und des Datendienstes Kpler rund 72 Prozent seiner Importe an Gruppe-III-Basisölen aus dieser Region. Die Bundesregierung hat zwar eine Taskforce zu Energiemärkten eingerichtet und 2,4 Millionen Tonnen aus der nationalen Ölreserve freigegeben, sich jedoch nach Darstellung der Fragesteller bislang nicht öffentlich zur Versorgungslage bei Schmierstoffen geäußert. Auf EU-Ebene hat die Kommission eine Beobachtungsstelle für Kraftstoffe eingerichtet und die Überarbeitung der Erdölvorrats-Richtlinie eingeleitet.
- 72 Prozent — Anteil der Hormus-Region an Europas Gruppe-III-Basisöl-Importen laut EIA und Kpler.
- +70 Prozent — Preisanstieg für Grundöle in Europa seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 laut Argus Media.
- 700.000 Tonnen — Jährlicher Grundölbedarf Deutschlands, der nur zu einem Bruchteil heimisch gedeckt wird.
- 300.000 Tonnen — Geplante Jahreskapazität der neuen Shell-Grundölanlage in Wesseling (Inbetriebnahme 2028).
- 45.000 Tonnen — Jährliche Kapazität der PURAGLOBE-Anlage in Zeitz für re-raffinierte Gruppe-III-Basisöle.
Im Detail
Ohne Schmierstoffe steht die Landwirtschaft still. Motoren-, Hydraulik-, Getriebe- und Universalöle sind die unverzichtbare Betriebsgrundlage jeder modernen Landmaschine.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6767
Die Versorgungssicherheit bei Schmierstoffen für die deutsche Landwirtschaft und die Lebensmittellogistik steht vor der Ernte 2026 unter erheblichem Druck. Die Straße von Hormus ist seit Ende Februar 2026 infolge des Iran-Krieges faktisch blockiert — mit direkten Folgen für die europäische Versorgung mit Gruppe-III-Basisölen, den Ausgangsstoffen synthetischer Schmierstoffe. Laut Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) und des Datendienstes Kpler bezog Europa rund 72 Prozent seiner Importe dieser hochwertigen Grundöle aus der betroffenen Region.
Die Preisfolgen sind bereits messbar: Nach Daten der Preisberichtsagentur Argus Media haben sich die Grundölpreise in den USA seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt, in Europa sind sie um rund 70 Prozent gestiegen. Mehrere Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Lagerbestände bereits im Juni 2026 erschöpft sein könnten — genau zum Beginn der Erntesaison. Für Landwirte bedeutet das: Ohne zugelassene Motoren-, Hydraulik-, Getriebe- und Universalöle können Traktoren und Erntemaschinen nicht betrieben werden. Ein Ausweichen auf nicht herstellerfreigegebene Ersatzprodukte ist laut der Anfrage nur unter Inkaufnahme von Maschinenschäden sowie Garantie- und Haftungsverlusten möglich.
Schmierstoff-Engpass trifft auch Lebensmittellogistik
Der Versorgungsengpass beschränkt sich nicht auf die Landwirtschaft. Auch Motoröle für Lastkraftwagen und Nutzfahrzeuge im gewerblichen Güterverkehr basieren auf Gruppe-II- und Gruppe-III-Grundölen. Die Argus-Media-Expertin Gabriella Twining warnte laut der Anfrage, ein Mangel an hochwertigen Basisölen könne innerhalb weniger Monate zu schwerwiegenden Störungen in der gesamten Logistikbranche führen. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnete die Lage an der Straße von Hormus als die „größte Energiesicherheitsbedrohung aller Zeiten“ und verwies darauf, dass die Folgen über Rohöl und Düngemittel hinaus bis zu den Basisölen reichen.
Deutschland deckt seinen Jahresbedarf von rund 700.000 Tonnen Grundöl nur zu einem kleinen Teil aus heimischer Produktion. Eine neue Shell-Anlage im Energy and Chemicals Park Rheinland in Wesseling soll künftig 300.000 Tonnen Gruppe-III-Grundöl jährlich produzieren — das entspricht rund 40 Prozent des deutschen Bedarfs. Allerdings ist die Inbetriebnahme erst für 2028 geplant, sodass die Anlage die akute Lücke zur Ernte 2026 nicht schließen kann. Weitere heimische Kapazitäten wie die PURAGLOBE-Anlage in Zeitz (rund 45.000 Tonnen Gruppe-III-Basisöl jährlich aus Re-Raffinierung) und die H&R-Standorte in Salzbergen und Hamburg ändern an der strukturellen Importabhängigkeit laut der Drucksache nichts.
Was die Bundesregierung bislang unternommen hat
Die Bundesregierung hat auf die Hormus-Blockade reagiert: Sie richtete eine Taskforce zu Energiemärkten ein, gab 2,4 Millionen Tonnen aus der nationalen Ölreserve frei und kündigte ein Kraftstoffmaßnahmenpaket an. Im Mittelpunkt standen dabei Diesel, Kerosin und Düngemittel. Eine ausdrückliche Befassung mit der Versorgungslage bei Schmierstoffen und deren Grundölen ist nach Darstellung der Fragesteller aus den Regierungspressekonferenzen vom 11. März und 8. April 2026 nicht erkennbar geworden. Auf EU-Ebene hat die Kommission inzwischen eine Beobachtungsstelle für Kraftstoffe eingerichtet und die Überarbeitung der Erdölvorrats-Richtlinie eingeleitet, einschließlich der Prüfung spezifischer Bevorratungsanforderungen für einzelne Erdölerzeugnisse.
15 Fragen zur Versorgungssicherheit bei Schmierstoffen
Die Drucksache 21/6767 vom 29. Juni 2026 umfasst 15 Fragen an die Bundesregierung. Darin erkundigt sich die AfD-Fraktion unter anderem, ob der Regierung aktuelle Daten zur Verfügbarkeit herstellerfreigegebener Spezialöle vorliegen, ob Meldungen von Landwirten oder Maschinenringen über Lieferengpässe eingegangen sind und ob ein Monitoring der Versorgungslage für systemrelevante Bereiche existiert. Gefragt wird auch, ob die Bundesregierung eine strategische Bevorratung von Schmierstoffen — vergleichbar der Pflichtbevorratung nach dem Erdölbevorratungsgesetz — für erforderlich hält. Weitere Fragen betreffen eine mögliche Entschädigung für Betriebe, die mangels zugelassener Öle auf nicht freigegebene Ersatzprodukte ausweichen müssen, sowie Maßnahmen zur langfristigen Diversifizierung der Bezugsquellen.
Hintergrund ist auch die internationale Alarmlage: Der US-amerikanische Schmierstoffverband ILMA wandte sich Mitte März 2026 förmlich an das US-Energieministerium und nannte Landwirtschaft, Transport und Verteidigung als betroffene kritische Bereiche. Das US-Energieministerium erkannte die Schwere der Lage bei einem Treffen am 6. und 7. April 2026 ausdrücklich an. Themen wie Energieversorgung und Versorgungssicherheit sowie die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten beschäftigen den Bundestag derzeit auf mehreren Ebenen.
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- Gesicherte Leistung statt Wunschdenken
Unmittelbar betroffen sind landwirtschaftliche Betriebe, die auf herstellerfreigegebene Spezialöle für Traktoren und Erntemaschinen angewiesen sind, sowie Speditionen und Unternehmen der Lebensmittellogistik, die Nutzfahrzeuge mit Motorölen auf Basis von Gruppe-II- und Gruppe-III-Grundölen betreiben. Mittelbar sind auch Verbraucher betroffen, wenn Lieferengpässe bei Lebensmitteln im Einzelhandel entstehen.
Berlin, 21. Juni 2026. Zur Verlegung des Minenjagdboots „Fulda“ und des Versorgungsschiffs „Mosel“ in das Rote Meer mit Blick auf einen möglichen späteren Einsatz in der Straße von Hormus erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Jan Nolte: „Deutschland verfügt über herausragende Fähigkeiten im Bereich der Minenabwehr und Minenräumung, die nur… …
Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die gesetzliche Antwortfrist beträgt 21 Tage, sodass die Bundesregierung bis spätestens 20. Juli 2026 antworten muss. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Gruppe-III-Basisöle
- Hochraffinierte Mineralöle, die als Ausgangsstoff für synthetische und hochwertige Schmierstoffe verwendet werden. Sie entstehen durch aufwändige Raffinerieprocesse und werden vor allem im Nahen Osten produziert.
- STOU/UTTO
- Super Tractor Oil Universal (STOU) und Universal Tractor Transmission Oil (UTTO) sind Mehrzwecköle für Landmaschinen, die Motoren-, Getriebe- und Hydraulikfunktionen in einem Produkt vereinen.
- Erdölbevorratungsgesetz
- Deutsches Gesetz, das eine Pflichtbevorratung von Mineralölerzeugnissen wie Diesel und Heizöl vorschreibt. Schmierstoffe und ihre Grundöle sind bislang nicht einbezogen.
Was sind Gruppe-III-Basisöle?
Gruppe-III-Basisöle sind hochraffinierte Grundöle, die als Ausgangsstoff für synthetische Schmierstoffe dienen — etwa für Motoren-, Hydraulik- und Getriebeöle in Landmaschinen und Nutzfahrzeugen.
Warum ist die Straße von Hormus für Schmierstoffe relevant?
Durch die Straße von Hormus werden laut Angaben der Fragesteller rund 72 Prozent der europäischen Importe von Gruppe-III-Basisölen transportiert. Die seit Februar 2026 bestehende faktische Blockade unterbricht diese Lieferkette.
Gibt es heimische Alternativen zu importierten Grundölen?
Eine neue Shell-Anlage in Wesseling soll ab 2028 rund 300.000 Tonnen Gruppe-III-Grundöl jährlich produzieren — das entspricht etwa 40 Prozent des deutschen Bedarfs. Für die Ernte 2026 steht diese Kapazität noch nicht zur Verfügung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6767 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































