- Grundölpreise der Gruppe III um über 200 Prozent gestiegen
- Deutschland deckt 700.000 Tonnen Grundölbedarf kaum aus eigener Produktion
- Kein Monitoring und keine Notfallbevorratung für Schmierstoffe geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7172 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges weitgehend blockiert. Über diese Route bezog Deutschland laut Angaben der Fragesteller rund 72 Prozent seiner Importe von Grundölen der Gruppe III, den Ausgangsstoffen synthetischer Schmierstoffe. Die Bundesregierung hat auf die Folgen der Hormus-Blockade mit einer Taskforce für Energiemärkte und der Freigabe von 2,4 Millionen Tonnen aus der nationalen Ölreserve reagiert, Schmierstoffe jedoch bislang nicht ausdrücklich in ihre öffentliche Lagebewertung einbezogen. Der US-amerikanische Schmierstoffverband ILMA warnte bereits im März 2026 förmlich vor einer globalen Grundölknappheit und benannte Landwirtschaft, Transport und Verteidigung als betroffene kritische Bereiche.
- über 200 % — Preisanstieg bei Grundölen der Gruppe III seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 laut Branchenangaben.
- 70 % — Preisanstieg für Gruppe-III-Grundöle in Europa laut Argus Media seit Februar 2026.
- 72 % — Anteil der deutschen Gruppe-III-Grundölimporte, der zuvor aus der Golfregion stammte.
- 700.000 Tonnen — Jährlicher Grundölbedarf Deutschlands, der nur zu einem Bruchteil aus heimischer Produktion gedeckt wird.
- 2028 — Geplanter Betriebsbeginn der neuen Grundölanlage in Wesseling mit 300.000 Tonnen Jahreskapazität.
Im Detail
Es gibt für diesen Bereich weder ein spezielles Monitoring noch einen Bevorratungsmechanismus vergleichbar dem nach Erdölbevorratungsgesetz.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7172, Frage 9
Schmierstoffe sind die unsichtbare Grundlage der Ernte: Ohne Motoren-, Hydraulik- und Getriebeöle stehen Traktoren, Mähdrescher und Lkw still. Seit Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges weitgehend blockiert — mit spürbaren Folgen für den deutschen Markt. Die Preise für Grundöle der Gruppe III, aus denen synthetische Schmierstoffe hergestellt werden, sind laut Bundesregierung um über 200 Prozent gestiegen. Die Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7172, beantwortet am 14. Juli 2026) gibt erstmals einen offiziellen Überblick über die Lage.
Versorgungssicherheit bei Schmierstoffen: Was die Bundesregierung weiß
Laut Bundesregierung ist die Lage im Bereich der Schmieröle angespannt und die Preise im Großhandel sind deutlich gestiegen. Von akuten Versorgungsengpässen geht sie jedoch nicht aus. Auf die Frage, ob Meldungen von Landwirtschaftsbetrieben, Landhändlern oder Maschinenringen über Lieferengpässe vorliegen, antwortet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie schlicht: Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Eigene Zahlen zur Preisentwicklung hat die Bundesregierung ebenfalls nicht erhoben — sie verwies die Fragesteller auf frei im Internet recherchierbare Quellen.
Deutschland bezieht rund 72 Prozent seiner Gruppe-III-Grundölimporte aus der Golfregion. Der jährliche Gesamtbedarf beläuft sich auf rund 700.000 Tonnen, von denen nur ein kleiner Teil aus heimischer Produktion stammt. Als Ausweichoption nennt die Bundesregierung vor allem Südkorea, wo zuvor umgenutzte Kapazitäten einen Teil der weggefallenen Liefermengen kompensieren können. Schwerwiegende Störungen der Logistik seien derzeit nicht zu sehen — eine Verschlechterung der Versorgungslage könne jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Kein Monitoring, keine strategische Reserve für Schmierstoffe
Besonders relevant ist die Antwort auf Frage 9: Für Schmierstoffe gibt es weder ein spezielles staatliches Monitoring noch einen Bevorratungsmechanismus, der dem Erdölbevorratungsgesetz vergleichbar wäre. Kraftstoffe wie Diesel und Heizöl unterliegen einer gesetzlichen Pflichtbevorratung — Schmierstoffe hingegen nicht. Die Bundesregierung hält dies auch nicht für erforderlich: Die benötigten Mengen seien im Vergleich zu Kraftstoffen sehr gering, Engpässe könnten durch Marktkräfte und alternative Bezugsquellen ausgeglichen werden.
Diese Einschätzung steht im Kontrast zu den Warnungen internationaler Stellen. Laut den Fragestellern hatte der US-amerikanische Schmierstoffverband ILMA bereits im März 2026 förmlich vor einer globalen Grundölknappheit gewarnt und die Landwirtschaft, den Transport sowie die Verteidigung als kritische Bereiche benannt. Das US-Energieministerium hatte die Schwere der Lage bei einem Treffen am 6. und 7. April 2026 ausdrücklich anerkannt. Auf europäischer Ebene hat die EU-Kommission eine Beobachtungsstelle für Kraftstoffe eingerichtet und prüft die Überarbeitung der Erdölvorrats-Richtlinie. Ob dabei auch Schmierstoffe einbezogen werden, bleibt offen.
Mittelfristige Entlastung erst 2028
Im Energy and Chemicals Park Rheinland in Wesseling entsteht eine neue Gruppe-III-Grundölanlage mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen — das entspricht rund 40 Prozent des deutschen Bedarfs. Die Inbetriebnahme ist jedoch erst für 2028 geplant. Für die laufende Erntesaison 2026 leistet die Anlage keinen Beitrag. Weitere heimische Kapazitäten — darunter die PURAGLOBE-Anlage im Industriepark Zeitz mit rund 45.000 Tonnen re-raffiniertem Gruppe-III-Basisöl jährlich sowie Standorte der H&R-Gruppe in Salzbergen und Hamburg — ändern an der strukturellen Importabhängigkeit nichts Grundlegendes.
Für Landwirte bedeutet die aktuelle Lage: Herstellerfreigegebene Spezialöle für Traktoren und Erntemaschinen werden teurer, sind aber nach Einschätzung der Bundesregierung noch verfügbar. Wer auf nicht freigegebene Ersatzprodukte ausweichen müsste, riskiert Schäden und Garantieverluste — Informationen zu diesem Risiko liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor, und Entschädigungsregelungen sind nicht geplant. Auch die Frage zur Schmierstoffversorgung im Kontext der weiteren Sicherheitsdiskussionen des Jahres 2026 zeigt: Die Bundesregierung reagiert in diesem Bereich bislang abwartend.
Mehr zum Thema Versorgungssicherheit und Rohstoffabhängigkeit findet sich auch im Kontext der allgemeinen politischen Lage, die auf drucksachlich.de im Überblick der wichtigsten Drucksachen dokumentiert wird.
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Betroffen sind vor allem landwirtschaftliche Betriebe, die für Traktoren und Erntemaschinen auf herstellerfreigegebene Spezialöle angewiesen sind, sowie Speditionen und Unternehmen der Lebensmittellogistik, die Lkw-Flotten mit Motorölen versorgen müssen. Zudem sind Automobilhersteller laut Medienberichten bereits auf zugeteilte Mengen an Gruppe-III-Grundölen angewiesen.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen beantwortet, bei mehreren Einzelfragen (z. B. Meldungen von Betrieben, Garantierisiken) jedoch angegeben, keine Informationen zu besitzen. Auf die Frage nach eigenen Zahlen zur Preisentwicklung verwies sie auf frei recherchierbare Internetquellen.
Berlin, 22. Juli 2026. Wir von der AfD-Bundestagsfraktion haben im Deutschen Bundestag einen Antrag zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft eingebracht, der eine branchenspezifische Sonderregelung zum gesetzlichen Mindestlohn für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft vorsieht. Angesichts der seit Januar 2026 geltenden Mindestlohnhöhe von 13,90 Euro je Stunde und des scharfen Wettbewerbs mit… …
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Schmierstoff-Engpass: Ernte 2026 durch Hormus-Blockade gefährdet →
- Gruppe III Grundöle
- Hochwertige Basisöle für synthetische Schmierstoffe, die durch aufwendige Raffination gewonnen werden und vor allem aus dem Persischen Golf und Südkorea importiert werden.
- STOU / UTTO
- Super Tractor Oil Universal bzw. Universal Tractor Transmission Oil – Mehrzwecköle speziell für Landmaschinen, die Motor, Getriebe und Hydraulik in einem Öl abdecken.
- Erdölbevorratungsgesetz
- Deutsches Gesetz, das eine Pflichtbevorratung von Kraftstoffen und Heizöl vorschreibt; für Schmierstoffe gibt es eine vergleichbare Regelung nicht.
Warum sind Schmierstoffpreise 2026 so stark gestiegen?
Die Straße von Hormus ist seit Ende Februar 2026 infolge des Iran-Krieges faktisch blockiert. Rund 72 Prozent der deutschen Gruppe-III-Grundölimporte stammten aus dieser Region, was zu einem Preisanstieg von über 200 Prozent geführt hat.
Plant die Bundesregierung eine strategische Schmierstoffreserve?
Nein. Die Bundesregierung hält eine strategische Bevorratung nicht für erforderlich, da die benötigten Mengen im Vergleich zu Kraftstoffen sehr gering sind und Engpässe laut ihrer Einschätzung durch Marktkräfte ausgeglichen werden können.
Wann wird Deutschland weniger abhängig von Schmierstoffimporten?
Eine neue Gruppe-III-Grundölanlage mit 300.000 Tonnen Jahreskapazität entsteht in Wesseling, soll aber erst 2028 in Betrieb gehen und kann die aktuelle Lage nicht entlasten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7172 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































