- Bundeswehr plant erste Langstrecken-Artilleriebatterie bis 2029
- 23 Fragen zu Fähigkeitslücken, Zeitplan und NATO-Interoperabilität
- Abhängigkeit von US-Satelliten und Verbündeten ist zentrales Risiko
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6773 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Multi-Domain Operations beschreiben die vernetzte Kriegführung über mehrere physische und digitale Dimensionen gleichzeitig. Die Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben gezeigt, dass moderne Streitkräfte ohne robuste Zielaufklärung, elektronische Kampfführung und geschützte Kommunikation erhebliche Nachteile erleiden. Die NATO hat das Konzept der Multi-Domain Operations in ihre Planungsstrukturen integriert, und mehrere Verbündete — darunter die USA — verfügen bereits über entsprechende Fähigkeitsverbände. Deutschland steht beim Aufbau vergleichbarer Strukturen noch am Anfang.
Im Detail
Moderne Streitkräfte müssen Fähigkeiten in den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum, Weltraum sowie im elektromagnetischen Spektrum so verbinden, dass Aufklärung, Führung, Wirkung und Schutz schnell, interoperabel und resilient zusammenwirken.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6773
Die Bundeswehr steht vor einer ihrer anspruchsvollsten Transformationsaufgaben der jüngeren Geschichte: dem Aufbau einer Multi-Domain Task Force — einem militärischen Verband, der Fähigkeiten aus den Dimensionen Land, Luft, See, Cyberraum, Weltraum und elektromagnetischem Spektrum in einer integrierten Einheit bündelt. Ob und wie Deutschland diese Aufgabe bis 2029 bewältigen kann, thematisiert die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6773 vom 29. Juni 2026 der AfD-Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzinski und Kurt Kleinschmidt.
Was ist die Multi-Domain Task Force?
Multi-Domain Operations — kurz MDO — beschreiben die koordinierte Kriegführung über mehrere physische und digitale Bereiche gleichzeitig. Aufklärung, Führung, Wirkung und Schutz sollen dabei so verzahnt werden, dass ein Gegner keine einzelne Schwachstelle ausnutzen kann. Die Bundeswehr nutzt diesen Begriff bereits in ihrer eigenen Fachkommunikation. Laut öffentlicher Fachberichterstattung, auf die sich die Anfrage stützt, plant die Bundeswehr bis 2029 eine erste Langstrecken-Artilleriebatterie als Nukleus dieser künftigen Truppe aufzustellen. Ob daraus tatsächlich eine echte Multi-Domain Task Force wird oder lediglich eine erweiterte Raketenartillerieeinheit, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage.
Was gilt aktuell?
Derzeit verfügt die Bundeswehr über keine eigenständige Multi-Domain Task Force. Fähigkeiten, die für eine solche Einheit erforderlich wären — darunter weitreichendes Langstreckenfeuer, elektronische Kampfführung, Drohnenabwehr, Satellitenkommunikation und Cyberoperationen — sind auf verschiedene Teilstreitkräfte und den Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) verteilt. Eine strukturierte Integration in einen gemeinsamen Wirkverbund steht aus.
23 Fragen zu Fähigkeitslücken und Abhängigkeiten
Die Anfrage umfasst 23 Fragen und deckt nahezu alle Dimensionen einer Multi-Domain Task Force ab. Besonders gewichtig sind die Fragen zu bestehenden Fähigkeitslücken: Die Fragesteller wollen wissen, ob die Bundeswehr bereits heute über ausreichende eigene Sensoren, Datenverbindungen und Führungsverfahren verfügt, um weitreichendes Feuer in einem zeitkritischen Umfeld eigenständig einzusetzen. Ebenso wird nach den Abhängigkeiten von Verbündeten gefragt — konkret bei Satellitenaufklärung, Kommunikationssatelliten, Luftbetankung und Cyberfähigkeiten. Dahinter steht die strategische Frage, ob Deutschland weitreichende Waffensysteme beschaffen kann, aber für das notwendige Lagebild weiterhin auf die USA angewiesen bleibt.
Bei den geplanten Waffensystemen nennt die Anfrage konkrete Kandidaten: MARS 3, EuroPULS, GMARS, Typhon, Tomahawk, SM-6, hypersonische Systeme sowie die Joint Fire Support Missile. Die Bundesregierung soll erklären, welche dieser Systeme in den Überlegungen zu einer deutschen Multi-Domain Task Force eine Rolle spielen und welche Reichweiten- und Präzisionskategorien für einen glaubwürdigen Abschreckungsbeitrag an der NATO-Ostflanke erforderlich sind.
Kriegserfahrungen aus der Ukraine als Treiber
Die Anfrage verweist ausdrücklich auf die Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dieser hat gezeigt, dass moderne Operationsführung ohne robuste Zielaufklärung, Drohnenabwehr, geschützte Kommunikation und Munitionsbevorratung erheblich eingeschränkt ist. Gleichzeitig verfügen potenzielle Gegner über ausgeprägte Fähigkeiten in GPS-Jamming, GPS-Spoofing, elektronischer Kampfführung und tief gestaffelter Führung. Die Anfrage fragt daher auch nach der Resilienz einer deutschen Multi-Domain Task Force gegen genau diese Bedrohungen — von Counter-Battery-Fire über Cyberangriffe bis zu gegnerischer Drohnenaufklärung. Auch die Frage nach dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Zielkette und bei der automatisierten Datenfusion gehört zum Fragenkatalog — ein Thema, das auch in anderen Bereichen der Bundeswehrmodernisierung zunehmend an Bedeutung gewinnt, wie etwa beim industriellen Standortwettbewerb deutlich wird.
Munition, Logistik und Industrie
Neben der operativen Struktur thematisiert die Anfrage auch die industrielle Basis: Die Bundesregierung soll Auskunft geben, welche Engpässe bei Raketenmotoren, Lenkflugkörpern, Suchköpfen, Sprengstoffen, Halbleitern und Satellitentechnik bestehen. Hinzu kommen Fragen zur Munitionsbevorratung und zur logistischen Durchhaltefähigkeit über längere Einsatzzeiträume. Diese Aspekte sind eng mit der breiteren Debatte um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung des Verteidigungssektors verknüpft.
Organisatorische Fragen runden den Katalog ab: Welche Stärke soll die Task Force haben? Wem soll sie unterstellt sein? Und wie fügt sie sich in das Gesamtgefüge der Bundeswehr zwischen Heer, Luftwaffe, Marine und CIR ein? Die Antworten der Bundesregierung werden zeigen, wie konkret die Planungen für diese neue Fähigkeit bereits sind — oder ob die Multi-Domain Task Force bislang vor allem ein konzeptionelles Vorhaben geblieben ist.
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Unmittelbar betroffen sind die Bundeswehr und ihre Planungsstäbe sowie die deutsche Rüstungsindustrie, die Komponenten für Langstreckenfeuer, Drohnen und Führungssysteme liefern soll. Mittelbar berührt die Frage der operativen Eigenständigkeit alle NATO-Partner an der Ostflanke, die auf einen glaubwürdigen deutschen Verteidigungsbeitrag angewiesen sind.
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Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juni 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, bis zum 20. Juli 2026 schriftlich zu antworten. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Multi-Domain Operations
- Militärisches Konzept, bei dem Streitkräfte gleichzeitig in den Dimensionen Land, Luft, See, Cyberraum, Weltraum und elektromagnetisches Spektrum koordiniert operieren.
- Counter-Battery-Fire
- Gezielte Bekämpfung gegnerischer Artillerie- und Raketensysteme, um deren Feuerwirkung zu unterbinden.
- GPS-Jamming / GPS-Spoofing
- Elektronische Störung (Jamming) oder Fälschung (Spoofing) von GPS-Signalen, um gegnerische Navigations- und Waffensysteme zu beeinträchtigen.
Was ist eine Multi-Domain Task Force?
Eine Multi-Domain Task Force ist ein militärischer Verband, der Fähigkeiten aus mehreren Operationsdimensionen — Land, Luft, See, Cyber, Weltraum und elektromagnetisches Spektrum — in einer integrierten Einheit bündelt.
Wann soll die deutsche Multi-Domain Task Force aufgestellt werden?
Laut öffentlicher Fachberichterstattung plant die Bundeswehr, bis 2029 eine erste Langstrecken-Artilleriebatterie als Kern einer solchen Truppe aufzustellen. Die offizielle Bestätigung durch die Bundesregierung steht noch aus.
Welche Waffensysteme sind für die Task Force im Gespräch?
Die Anfrage nennt unter anderem MARS 3, EuroPULS, GMARS, Typhon, Tomahawk, SM-6, hypersonische Systeme und die Joint Fire Support Missile als mögliche Effektoren.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6773 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































