- Bundeswehr präsentiert sich seit 2009 jährlich auf der Gamescom in Köln
- 22 Fragen zu Kosten, Minderjährigenschutz und Influencer-Kooperationen
- Auch Einsatz von Gaming-Controllern zur Drohnensteuerung wird hinterfragt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6775 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Gamescom in Köln ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele. Die Bundeswehr ist dort seit 2009 als Aussteller im Karrierebereich präsent und verfolgt das erklärte Ziel, technologieaffine Nachwuchskräfte für Bereiche wie Cyber-Operationen, Softwareentwicklung und elektronische Kampfführung zu gewinnen. In der Vergangenheit gerieten Gaming-Slogans auf Bundeswehr-Werbematerialien in die öffentliche Kritik, da sie nach Ansicht von Kritikern die Risiken des Soldatenberufs verharmlosten.
Im Detail
„Gamer bringen besondere Fähigkeiten mit: eine geschulte Hand-Augen-Koordination, sehr gutes technisches Verständnis und die Fähigkeit, komplexe Systeme schnell zu durchdringen.“
— Bundeswehr-Bericht zur Gamescom 2025, zitiert in BT-Drs. 21/6775
Seit dem Jahr 2009 ist die Bundeswehr jedes Jahr auf der Gamescom in Köln präsent — der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele. Der Auftritt im Karrierebereich dient erklärtermaßen der Nachwuchsgewinnung: Gesucht werden technologieaffine Bewerber für Bereiche wie Cyber-Operationen, Softwareentwicklung und elektronische Kampfführung. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6775 vom 29. Juni 2026 stellt die Fraktion Die Linke der Bundesregierung insgesamt 22 Fragen zu diesen Werbemaßnahmen — von den Gesamtkosten über den Umgang mit Minderjährigen bis hin zum Einsatz von Gaming-Controllern zur Steuerung von Drohnen.
Bundeswehr-Werbung mit Gaming-Sprache
Die Bundeswehr hat auf der Gamescom in der Vergangenheit mit Slogans geworben, die bewusst an die Sprache der Gaming-Community angelehnt sind — darunter Formulierungen wie „Multiplayer at its best“ oder „Mehr Open World geht nicht“. In ihrem offiziellen Bericht zur Gamescom 2025 begründete die Bundeswehr die Zielgruppe so: Gamer brächten eine geschulte Hand-Augen-Koordination, technisches Verständnis und die Fähigkeit, komplexe Systeme schnell zu durchdringen — Kompetenzen, die im militärischen Kontext gefragt seien. Die Fragesteller aus der Fraktion Die Linke sehen darin eine gezielte Verknüpfung von virtueller Spielewelt und realem Militärdienst, die aus ihrer Sicht ethische Fragen aufwirft.
Minderjährige als Zielgruppe?
Ein zentraler Kritikpunkt in der Anfrage betrifft den Umgang mit Minderjährigen. Da die Gamescom eine allgemeine Publikumsmesse ist, besuchen sie auch zahlreiche Jugendliche unter 18 Jahren. Die Linke fragt die Bundesregierung, welches Mindestalter für die direkte Ansprache durch das Standpersonal gilt und wie dieses Personal geschult wird, um ausschließlich Personen anzusprechen, die die Risiken eines Bundeswehr-Dienstes realistisch einschätzen können. Außerdem stellt die Fraktion die Frage, ob die Nachwuchswerbung auf der Gamescom mit den Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention und ergänzenden Fakultativprotokollen vereinbar ist.
Kosten, Agenturen und Influencer-Kooperationen
Mehrere Fragen richten sich auf die finanzielle Dimension der Bundeswehr-Auftritte. Die Fraktion möchte die kumulierten Gesamtausgaben seit der Erstteilnahme 2009 erfahren, aufgeschlüsselt nach Standmiete, Personalkosten, Logistik sowie Kosten für externe Dienstleister und Agenturen. Ebenso fragt Die Linke, welche Werbe-, Event- oder Kommunikationsagenturen beauftragt wurden und welche Budgets dabei vertraglich fixiert waren. Besonderes Interesse gilt zudem den Kooperationen mit Influencern: Die Anfrage verlangt eine vollständige Liste mit Namen, Social-Media-Alias, Plattform, Art und Ziel der Zusammenarbeit sowie den entstandenen Kosten. Auch die Livemusik-Branche kennt solche Spannungsfelder zwischen Öffentlichkeitswirksamkeit und ethischen Fragen, wie etwa die aktuelle Diskussion über Großevents und kleine Bühnen zeigt.
Gaming-Controller und Drohnensteuerung
Eine der ungewöhnlichsten Fragen der Anfrage betrifft den operativen Einsatz: Die Fraktion erfragt, ob die Bundeswehr Videospiel-Controller derzeit zur Steuerung von militärischem Gerät — insbesondere Drohnen — im Echtbetrieb nutzt und um welche Modelle es sich konkret handelt. Hintergrund ist die weltweit zunehmende Praxis, handelsübliche Gamepad-Controller für militärische Drohnen- und Fahrzeugsysteme einzusetzen. Darüber hinaus fragt Die Linke, ob die Bundeswehr selbst Videospiele entwickelt hat oder in Auftrag gegeben hat, und ob es in den letzten 20 Jahren Kontakte zu Videospiel-Herstellern oder Publishern gab.
Weitere geplante Auftritte und Datenspeicherung
Die Anfrage erkundigt sich auch danach, ob die Bundeswehr plant, ihre Messepräsenz auf weitere nationale Veranstaltungen — etwa Sport- oder Unterhaltungsevents — auszuweiten. Zudem fragt Die Linke, wie viele Datensätze von Messebesuchern seit 2009 zu Rekrutierungszwecken erhoben wurden, aufgeschlüsselt nach Kalenderjahren und Alter der betroffenen Personen. Auch die Konversionsrate — also der Anteil der Gamescom-Kontakte, der zu einer tatsächlichen Bewerbung oder Einstellung geführt hat — soll die Bundesregierung offenlegen.
Die Bundesregierung hat bis zum 20. Juli 2026 Zeit, die 22 Fragen schriftlich zu beantworten. Thematisch verwandt ist die laufende Debatte über die künftige Ausrichtung der Bundeswehr sowie die energiepolitischen Rahmenbedingungen, die die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands mitbestimmen.
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Betroffen sind potenziell alle Besucher der Gamescom — darunter ein erheblicher Anteil Minderjähriger. Darüber hinaus betrifft die Anfrage Agenturen und Influencer, die mit der Bundeswehr zusammenarbeiten, sowie Bundeswehrangehörige, die Gaming-Technik im Ausbildungs- oder Einsatzbetrieb nutzen.
Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juni 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat ab Einreichung 21 Tage Zeit, die Fragen schriftlich zu beantworten — die Antwortfrist läuft bis zum 20. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Gamescom
- Die Gamescom in Köln ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele, die jährlich stattfindet und auch einen Karrierebereich umfasst.
- Konversionsrate
- Anteil der auf einer Messe geknüpften Kontakte, die tatsächlich zu einer Bewerbung oder Einstellung führen — hier bei der Bundeswehr nach Gamescom-Auftritten.
- UN-Kinderrechtskonvention
- Internationales Abkommen der Vereinten Nationen zum Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen; enthält auch Regelungen zur Rekrutierung Minderjähriger für Streitkräfte.
Seit wann ist die Bundeswehr auf der Gamescom vertreten?
Laut Drucksache präsentiert sich die Bundeswehr seit dem Jahr 2009 kontinuierlich als Aussteller im Karrierebereich der Gamescom in Köln.
Welche Slogans nutzte die Bundeswehr auf der Gamescom?
Laut Drucksache warb die Bundeswehr unter anderem mit Slogans wie 'Multiplayer at its best' oder 'Mehr Open World geht nicht', die an Redewendungen der Gaming-Szene angelehnt sind.
Was fragt Die Linke zur Drohnensteuerung?
Die Fraktion fragt, ob die Bundeswehr Videospiel-Controller derzeit zur Steuerung von militärischem Gerät — etwa Drohnen — im operativen Echtbetrieb nutzt und um welche Modelle es sich handelt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6775 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































