- Sechs Technologiebegriffe werden klar definiert und voneinander abgegrenzt
- Schlüsseltechnologien, Deep Tech und Dual Use haben unterschiedliche Bedeutungen
- Begriffe werden in Politik und Wirtschaft oft unscharf und synonym verwendet
Technologiebegriffe im Überblick: Was Schlüsseltechnologien, Deep Tech und Co. wirklich bedeuten
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat eine Dokumentation vorgelegt, die grundlegende Begriffe des Technologie- und Innovationsmanagements erläutert und voneinander abgrenzt. Das Papier mit dem Aktenzeichen WD 5-3000-037/26 ist Teil einer siebenteiligen Publikationsreihe zu Zukunfts- und Schlüsseltechnologien und wurde im September 2026 abgeschlossen.
Im Mittelpunkt stehen sechs Konzepte, die in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft häufig verwendet, aber selten präzise definiert werden. Die Dokumentation schließt diese Lücke mit standardisierten Steckbriefen, die jeweils Kerngedanke, Verwendungskontext, Beschreibung und einschlägige Literatur enthalten.
Schlüsseltechnologien: Strategische Bedeutung, unklare Grenzen
Schlüsseltechnologien (englisch: Key Enabling Technologies) bezeichnen Technologien mit besonderer strategischer Hebelwirkung für Innovation und Wertschöpfung. Der Begriff wird im Technologiemanagement ebenso verwendet wie in der Wirtschafts- und Innovationspolitik. Die Dokumentation stellt fest, dass die Bedeutung des Begriffs sich gewandelt hat: Neben Wettbewerbsfähigkeit spielen heute technologische Souveränität, Resilienz und Transformationsbeiträge eine zentrale Rolle. Die EU verwendet den Begriff Key Enabling Technologies stärker im Sinne einer ermöglichenden Querschnittsfunktion.
Zukunftstechnologien: Sammelbegriff mit Unschärfen
Zukunftstechnologien sind laut Dokumentation kein wissenschaftlich standardisiertes Konzept, sondern ein strategischer Sammelbegriff. Er wird in der Praxis häufig synonym zu Schlüsseltechnologien verwendet, etwa auf Webseiten des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ordnet Zukunftstechnologien als neu aufkommende Schlüsseltechnologien ein, deren volles Potenzial noch nicht abzusehen ist.
Emerging Technologies, Deep Tech und GPT
Emerging Technologies beschreiben Technologien in einer frühen Entwicklungsphase mit hoher Unsicherheit über Marktfolgen und gesellschaftliche Wirkung. Deep Tech ist der am schärfsten abgrenzbare Begriff: Er bezeichnet wissenschaftsbasierte Ausgründungen mit langen Entwicklungszyklen, hohem Kapitalbedarf und schwer imitierbaren technologischen Kernen. General Purpose Technologies (GPT) wiederum sind breit einsetzbare Basistechnologien wie Elektrizität oder Halbleiter, die durch komplementäre Innovationen langfristig ganze Wirtschaftssektoren verändern.
Dual Use: Zivil und militärisch zugleich
Dual Use Technologies werden nicht nach technischem Neuheitsgrad bewertet, sondern nach ihrer Mehrfachverwendbarkeit in zivilen und militärischen Kontexten. Sensorik, Künstliche Intelligenz, Drohnen oder Quantentechnologien können zivile Innovationen ebenso fördern wie militärische Fähigkeiten. Die Europäische Kommission nutzt den Begriff für Exportkontrollen. Der Wissenschaftliche Dienst betont, dass gerade bei Querschnittstechnologien die Grenzen zwischen zivilen und sicherheitsrelevanten Anwendungen zunehmend verschwimmen.
Die Dokumentation richtet sich an Abgeordnete und dient als begriffliche Grundlage für weitere Arbeiten der Reihe zu Technologiereifegraden, Innovationsarten und Foresight-Methoden. Sie gibt nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages wieder, sondern liegt in der fachlichen Verantwortung der Verfasser.


































































