- EU schloss 2024 Migrationsabkommen mit Mauretanien für 210 Mio. Euro
- Grüner Wasserstoff: AMAN-Projekt auf 8.500 km² Wüstenfläche geplant
- 40 Fragen zu Sicherheit, Migration und Extremismus nach Wadephuls Besuch
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7987 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Mauritanien ist nach dem Zerfall der G5-Sahel-Gruppe und dem Abzug westlicher Truppen aus Mali der letzte verbliebene demokratische Partnerstaat in der unmittelbaren Sahelzone, der eine pro-westliche Sicherheitsarchitektur aufrechterhält. Mali, Burkina Faso, Sudan und Niger werden von Militärregierungen beherrscht; der Tschad gilt als autoritär. Die EU reagierte auf stark steigende Migrationszahlen über die sogenannte Atlantik-Route mit einem Abkommen im Februar 2024, das Mauretanien 210 Mio. Euro für verbesserten Grenzschutz zusagt. Präsident Mohamed Ould Ghazouani wurde im Juni 2024 wiedergewählt.
- 210 Mio. Euro — EU-Finanzhilfen für Mauretanien im Migrationsabkommen vom Februar 2024 zur Stärkung des Grenzschutzes.
- 8.500 km² — Wüstenfläche im mauretanischen AMAN-Projekt zur Produktion von grünem Wasserstoff und Derivaten wie Ammoniak.
- 20 Jahre — So lange hatte kein deutscher Außenminister Mauretanien besucht, bevor Wadephul im Juli 2026 dorthin reiste.
- 40 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion zu Sicherheit, Migration, Wasserstoff und Pressefreiheit.
- 7 Sahel-Länder — Von denen laut Drucksache nur Mauretanien und Senegal als demokratisch eingestuft werden; alle anderen werden von Militärregierungen oder autoritären Strukturen regiert.
Im Detail
Neben dem Senegal ist Mauretanien der einzige verbliebene demokratische Staat der sieben Sahel-Länder.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7987
Außenminister Johann Wadephul reiste am 20. Juli 2026 nach Mauretanien — als erster deutscher Außenminister seit 20 Jahren. Der Besuch markiert eine strategische Neuausrichtung der deutschen Sahelstrategie: Nach dem Zerfall der G5-Sahel-Gruppe und dem Abzug westlicher Truppen aus Mali ist Mauretanien das letzte Partnerland in der Region mit einer pro-westlichen Sicherheitsarchitektur. Die AfD-Fraktion richtet mit BT-Drs. 21/7987 vom 11. September 2026 insgesamt 40 Fragen an die Bundesregierung und verlangt umfassende Auskunft über die Ergebnisse des Besuchs.
Migration und der EU-Deal über 210 Mio. Euro
Ein zentrales Thema der deutsch-mauretanischen Beziehungen ist die Migrationspolitik. Die EU schloss im Februar 2024 ein Abkommen mit Mauretanien, das Finanzhilfen von 210 Mio. Euro vorsieht. Das Geld soll die Grenzschutzkapazitäten des Landes stärken und Rückführungen erleichtern. Hintergrund sind massiv gestiegene Zahlen von Migranten, die über die sogenannte Atlantik-Route von der mauretanischen Küste zu den Kanarischen Inseln aufbrechen. Die AfD fragt konkret, ob beim Besuch Wadephuls ein neues Migrationsabkommen oder eine Rückkehrvereinbarung thematisiert wurde, wie viele mauretanische Staatsangehörige in Deutschland ausreisepflichtig sind und wie viele Rückführungen in den Jahren 2023 bis zum ersten Halbjahr 2026 stattfanden. Auch Pläne für mögliche Asylverfahrenszentren in Mauretanien stehen auf der Fragenliste.
Grüner Wasserstoff: Das AMAN-Projekt
Wirtschaftspolitisch steht Mauretanien für Deutschland vor allem als potenzieller Lieferant für grüne Energie im Fokus. Das Großprojekt AMAN sieht die Nutzung einer Wüstenfläche von 8.500 Quadratkilometern für die Erzeugung erneuerbarer Energien vor, aus denen grüner Wasserstoff sowie Derivate wie Ammoniak und Methanol produziert werden sollen. Die Bundesregierung unterstützt dieses Vorhaben nach Angaben der Drucksache politisch. Die Anfrage erkundigt sich nach dem Stand der Verhandlungen über Wasserstoffexporte nach Deutschland, welche deutschen Unternehmen konkret beteiligt sind und welche Fördermittel die Bundesregierung seit 2020 für Energieinfrastrukturprojekte in Mauretanien bereitgestellt hat — aufgeschlüsselt nach Jahren, Projekten, Haushaltstiteln und Auszahlungen.
Sahel-Strategie und Sicherheitskooperation
Mauretanien gilt laut Drucksache aus Sicht der Bundesregierung als demokratischer Stabilitätsanker. Neben dem Senegal ist es das einzige Land unter den sieben Sahelstaaten, das noch demokratisch regiert wird. In Mali, Burkina Faso, Sudan und Niger haben Militärs die Macht übernommen; der Tschad wird als autoritär eingestuft. Die AfD-Fraktion fragt nach der konkreten Rolle Mauretaniens in der deutschen Sahelstrategie nach dem Ende des MINUSMA-Mandats in Mali sowie nach der Sicherheitszusammenarbeit mit dem mauretanischen Geheimdienst und Militär im Bereich Terrorismusbekämpfung. Auch das Engagement Russlands, Chinas und der Türkei in Mauretanien — bei Investitionen, Rohstoffen und militärischer Zusammenarbeit — ist Gegenstand der Anfrage.
Extremismusprävention: Das Mourchidates-Programm
Ein weiterer Pfeiler der bilateralen Kooperation ist die Extremismusprävention. Die Bundesregierung fördert den mauretanischen Ansatz der Deradikalisierung, der auf religiösen Dialog setzt. Herzstück ist das Programm der sogenannten Mourchidates — weibliche religiöse Wegweiserinnen, die in Moscheen und Gemeinden gegen islamistische Indoktrination wirken sollen. Die Anfrage fragt, wie viele Mourchidates mit deutschen Haushaltsmitteln ausgebildet wurden, wie die Bundesregierung die Wirksamkeit des Programms im ländlichen Raum einschätzt und ob die Förderung künftig ausgebaut werden soll. Laut Drucksache bemängeln Kritiker die schwierige Bewertbarkeit solcher Soft-Power-Ansätze in einem Land, in dem konservative Islamauslegungen tief verwurzelt sind — diese Einschätzung stammt aus der Vorbemerkung der Fragesteller und gibt deren Position wieder.
Pressefreiheit und CSD-Bezug
Aufsehen erregte bei Wadephuls Besuch der Abbruch der gemeinsamen Pressekonferenz: Nachdem beide Außenminister ihre Eingangsstatements abgegeben hatten, beendete der mauretanische Amtskollege Merzoug die Veranstaltung — ohne eine einzige Journalistenfrage zuzulassen. Die AfD-Fraktion fragt nach den Hintergründen und den Schlussfolgerungen der Bundesregierung für ihre Einschätzung der Pressefreiheit in Mauretanien. Darüber hinaus thematisiert die Anfrage Medienberichte über eine angebliche Verbindung des CSD-Attentäters zu einem salafistischen Prediger, der in Mauretanien lebt. Die Fragesteller wollen wissen, welche Erkenntnisse die Bundesregierung über mauretanische Salafistenprediger und deren Einfluss auf Radikalisierungstendenzen in Deutschland hat — und ob Mauretanien als ideologisches Zentrum des globalen Salafismus einzustufen sei. Diese Bewertungsfragen spiegeln die Position der Fragesteller wider; eine Regierungsantwort liegt noch nicht vor.
Die Anfrage ist ein Beispiel dafür, wie Deutschlands Engagement in fragilen Staaten parlamentarisch kontrolliert wird. Ähnliche Fragen zur Wirksamkeit von Förderprogrammen und zur Transparenz bei Auslandskooperationen tauchen auch in anderen Bereichen auf, etwa bei der UNICEF-Förderung über 516 Mio. Euro.
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Betroffen sind potenziell Steuerzahler, die Entwicklungshilfe und Sicherheitskooperationen finanzieren, sowie deutsche Energieunternehmen, die an Wasserstoffprojekten in Mauretanien beteiligt sind oder Interesse haben. Darüber hinaus berührt die Migrationspolitik mit Mauretanien alle, die die Entwicklung der irregulären Migration nach Europa verfolgen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7987) wurde am 11. September 2026 eingereicht. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Antwortfrist von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- G5-Sahel-Gruppe
- Sicherheitsbündnis der fünf Sahelstaaten Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad, das nach den Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger weitgehend zerfallen ist.
- Atlantik-Route
- Migrationsroute von der westafrikanischen Küste, insbesondere Mauretanien und Senegal, über den Atlantik zu den spanischen Kanarischen Inseln.
- Grüner Wasserstoff
- Wasserstoff, der durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Solar- oder Windkraft erzeugt wird und als klimaneutraler Energieträger gilt.
Warum reiste Wadephul nach Mauretanien?
Es war die erste Reise eines deutschen Außenministers nach Mauretanien seit 20 Jahren. Auf der Agenda standen Flüchtlingshilfe, grüner Wasserstoff und Mauretaniens Rolle als demokratischer Stabilitätsanker im Sahel.
Was ist das EU-Abkommen mit Mauretanien?
Die EU schloss im Februar 2024 ein Migrationsabkommen mit Mauretanien, das Finanzhilfen von 210 Mio. Euro umfasst, um Grenzschutzkapazitäten zu stärken und Rückführungen zu erleichtern.
Was ist das AMAN-Projekt in Mauretanien?
Das AMAN-Vorhaben nutzt eine Wüstenfläche von 8.500 Quadratkilometern, um mit erneuerbaren Energien grünen Wasserstoff und Derivate wie Ammoniak oder Methanol zu produzieren.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7987 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































