- Hitzesommer 2026 schließt Wanderwege, Campingplätze und stoppt Schiffsverkehr
- 16 Fragen zur Klimaanpassung im Tourismus ohne bisherige Regierungsantwort
- Nationale Tourismusstrategie enthält laut Grünen kein Gesamtkonzept für Klimaschutz
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7997 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Sommer 2026 war nach Angaben der Fragesteller von Rekordhitze und Extremwetterereignissen geprägt, darunter Waldbrände in Belgien, Frankreich und Griechenland sowie anhaltende Dürreperioden in Deutschland. Erstmals seit Jahrzehnten war nach Medienberichten in hochgelegenen Gletscherskigebieten der Alpen kein Sommerskibetrieb mehr möglich. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) hatte öffentlich Investitionen in Klimaanpassung gefordert. Eine frühere Kleine Anfrage der Grünen (BT-Drs. 21/969) hatte bereits ergeben, dass die Bundesregierung kein dauerhaftes Monitoring zu Klimafolgen im Tourismus eingeführt hat.
Im Detail
Diese Entwicklungen gefährden mittel- bis langfristig die Existenz ganzer touristischer Geschäftsmodelle und Destinationen.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7997, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Gesperrte Campingplätze, stillgelegte Wanderwege und Flusskreuzfahrten, die wegen zu niedriger Pegelstände ausfallen — der Hitzesommer 2026 hat dem deutschen Tourismus erhebliche Schäden zugefügt. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7997 vom 11. September 2026 stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bundesregierung 16 konkrete Fragen zu den Klimafolgen für den Tourismus und verlangt Auskunft darüber, welche politischen Maßnahmen die Regierung plant.
Klimakrise und Tourismus: Was der Sommer 2026 sichtbar gemacht hat
Die Sommersaison 2026 war nach Darstellung der Fragesteller von großflächigen Waldbränden in Westeuropa, anhaltenden Dürreperioden und einer Rekordzahl an Hitzetagen in Deutschland geprägt. Besonders betroffen waren laut Drucksache beliebte Reiseregionen wie Mittelgebirge, Flusslandschaften, Seengebiete, Küsten und Naturparks. Sinkende Pegelstände auf Rhein, Donau, Mosel, Main, Elbe und Oder schränkten den touristischen Schiffsverkehr ein. Auch Wanderwege im Elbsandsteingebirge wurden nach Sturmschäden gesperrt, Unwetter trafen den Bodenseeraum. Die Grünen-Fraktion bewertet dies als Zeichen, dass Klimafolgen für den Tourismus nicht länger als Ausnahmeerscheinung gelten können.
16 Fragen — was die Grünen konkret wissen wollen
Die Anfrage gliedert sich in mehrere Themenkomplexe. Zunächst fragen die Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias Gastel und sieben weitere Unterzeichner, ob der Bundesregierung bereits Daten zu Umsatzeinbußen und Besucherzahlen in der Gastronomie, zur regionalen Auslastung touristischer Destinationen sowie zur Entwicklung saisonaler Beschäftigungsverhältnisse vorliegen. Ebenfalls erfragt werden Kenntnisse über gesperrte oder eingeschränkte touristische Infrastrukturangebote — von Wanderwegen über Freizeitparks bis zu Bootsverleihen — aufgeschlüsselt nach dem jeweiligen Schließungsgrund.
Ein zweiter Fragenkomplex widmet sich dem Wasserstand auf deutschen Flüssen und Seen. Die Grünen wollen wissen, wie sich Pegelstände auf Rhein, Elbe, Donau und weiteren Gewässern wie Bodensee, Müritz oder Chiemsee in den Sommermonaten entwickelt haben und welche Einschränkungen für Flusskreuzfahrten und anderen touristischen Verkehr daraus resultiert sind. Außerdem fragen sie, ob das sogenannte „Spitzengespräch Niedrigwasser“ des Bundesministeriums für Verkehr fortgesetzt wird und ob künftig touristische Verbände daran beteiligt werden sollen.
Nationale Tourismusstrategie und Klimaanpassung im Fokus
Mehrere Fragen zielen auf die strategische Ebene ab: Plant die Bundesregierung ein dauerhaftes Monitoring von Klimafolgen für touristische Destinationen in Kooperation mit den Bundesländern? Werden die Empfehlungen des Deutschen Tourismusverbands (DTV) aufgegriffen, der mehr Investitionen in Klimaanpassung und eine stärkere Koordinierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen fordert? Und wird die Nationale Tourismusstrategie um ein Gesamtkonzept zum Klimaschutz erweitert?
Besonders politisch brisant ist Frage 13: Die Grünen fragen, ob die Bundesregierung angesichts der Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz, alles gegen den Klimawandel zu tun, auch die Senkung der Luftverkehrsteuer und die Abschaffung der nationalen PtL-Quote (Power-to-Liquid-Quote) rückgängig machen will — Maßnahmen, die aus Sicht der Fragesteller dem Klimaschutz entgegenlaufen. Frage 16 verlangt schließlich eine detaillierte Aufschlüsselung geplanter Förderprogramme für investive Klimaanpassungsmaßnahmen in touristischen Betrieben, etwa für Beschattung, Wassermanagement oder Hitzeschutz — inklusive Einzelplan, Kapitel, Titel und konkreten Betragsangaben.
Was gilt aktuell?
Ein dauerhaftes Monitoring zu Klimafolgen im Tourismus gibt es nach Angaben der Fragesteller bislang nicht. Eine frühere Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/969) hatte ergeben, dass die Bundesregierung ein solches Instrument in ihrer koordinierenden Funktion nicht einführen will. Die Nationale Tourismusstrategie enthält nach Einschätzung der Grünen kein umfassendes Gesamtkonzept zum Schutz des inländischen Tourismus vor Klimafolgen. Spezifische Förderprogramme für Klimaanpassungsmaßnahmen in touristischen Betrieben sind nicht öffentlich ausgewiesen.
Die Klimafolgen für den Tourismus berühren thematisch auch die Frage nach Bundesförderung für Naturschutz und Klimaresilienz, wie sie etwa beim Programm Demokratie leben! oder bei Infrastrukturprojekten wie der Siegstrecke diskutiert wird. Auch bei internationalen Themen wie der UNICEF-Förderung steht die Frage nach transparenten Projektzielen im Vordergrund — ein Muster, das auch die Grünen-Anfrage zum Tourismus prägt.
Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Sobald sie vorliegt, lässt sich beurteilen, ob und in welchem Umfang konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung im Tourismus geplant sind.
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Betroffen sind Urlauber und Tagesausflügler, Beschäftigte in der Gastronomie und Freizeitwirtschaft, Betreiber von Campingplätzen, Wanderwegen und Bootsverleihen sowie Anbieter von Flusskreuzfahrten. Auch Kommunen und Regionen, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, stehen im Fokus der Anfrage.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7997) ist am 11. September 2026 beim Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss die Fragen grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt schriftlich beantworten. Eine Antwort liegt bislang nicht vor.
- PtL-Quote (Power-to-Liquid)
- Verpflichtende Beimischungsquote für synthetische Kraftstoffe im Luftverkehr, die aus erneuerbarem Strom hergestellt werden. Die Anfrage thematisiert deren Abschaffung als klimapolitisch problematisch.
- Nationale Tourismusstrategie
- Strategiepapier der Bundesregierung zur Entwicklung des deutschen Tourismus, das laut den Fragestellern kein umfassendes Konzept zur Klimaanpassung enthält.
- Spitzengespräch Niedrigwasser
- Format des Bundesministeriums für Verkehr, bei dem Auswirkungen von Niedrigwasser auf die Schifffahrt besprochen werden. Die Anfrage fragt, ob auch touristische Akteure künftig einbezogen werden.
Welche Regionen sind besonders vom Klimawandel betroffen?
Laut Drucksache leiden Mittelgebirge, Flusslandschaften, Seengebiete, Küsten und Naturparks besonders unter Trockenheit und Dürre.
Welche Flüsse sind für den touristischen Schiffsverkehr relevant?
Die Anfrage nennt Rhein, Donau, Mosel, Main, Elbe und Oder sowie Gewässer wie Bodensee, Müritz, Königssee, Chiemsee und Steinhuder Meer.
Was fordert der Deutsche Tourismusverband?
Der DTV fordert laut Drucksache Investitionen in Klimaanpassungsmaßnahmen und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Tourismus.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7997 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































