- Foresight-Methoden helfen, Zukunftstechnologien frühzeitig zu erkennen und zu bewerten
- Qualitative Methoden dominieren in der strategischen Vorausschau deutlich
- Sieben Methoden werden detailliert vorgestellt, von Horizon Scanning bis Technologieportfolio
Zukunftstechnologien systematisch erkennen: Methoden der strategischen Vorausschau
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Analyse vom 2. September 2026 untersucht, wie Methoden der strategischen Vorausschau – sogenannte Foresight-Methoden – genutzt werden können, um Zukunfts- und Schlüsseltechnologien zu identifizieren, zu bewerten und zu priorisieren. Das Dokument ist Teil einer umfangreicheren Reihe zu Technologie- und Innovationsmanagement.
Ausgangslage und politischer Kontext
Zukunftstechnologien gelten als wichtiger Faktor für Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität. Laut Boston Consulting Group und UnternehmerTUM könnte der globale Markt in sechs zentralen Technologiefeldern bis 2030 auf rund 7,2 Billionen Euro wachsen. Die Bundesregierung reagierte im Juli 2025 mit der Hightech Agenda Deutschland, die sich zunächst auf sechs Schlüsseltechnologien konzentriert: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion sowie klimaneutrale Energie und Mobilität. Diese Fokussierung verdeutlicht die Herausforderung, bei begrenzten Ressourcen strategische Prioritäten setzen zu müssen.
Warum strategische Vorausschau?
Da die Zukunft nicht exakt vorhergesagt werden kann, hat sich im Innovationsmanagement das Teilgebiet der strategischen Vorausschau etabliert. Ziel ist es, sogenanntes Futures Thinking zu entwickeln – also Möglichkeitsräume sichtbar zu machen, statt lineare Trendfortschreibungen zu betreiben. Das Konzept des „Cone of Possibilities“ veranschaulicht, dass der Raum möglicher Entwicklungen mit zunehmendem Zeithorizont breiter wird. Eine Auswertung von fast 900 Foresight-Projekten zeigt, dass in der Praxis qualitative Methoden deutlich überwiegen, da Zukunftsfragen Einschätzungen und strategische Urteile erfordern, die sich nicht allein aus Daten ableiten lassen.
Die wichtigsten Methoden im Überblick
Die Analyse stellt sieben Methoden detailliert vor. Horizon Scanning sucht systematisch nach schwachen Signalen und frühen Hinweisen auf mögliche Veränderungen. Der Technologieradar ordnet Technologien nach Relevanz, Reifegrad und Handlungsbedarf in eine übersichtliche Darstellung ein. Die Szenarioanalyse entwickelt mehrere plausible Zukunftsbilder, um Unsicherheiten und Wechselwirkungen sichtbar zu machen. Roadmapping verbindet Märkte, Technologien, Ressourcen und Meilensteine auf einer Zeitachse. Expertenbefragungen erschließen verteiltes Fachwissen und sind als Datenelement in viele andere Methoden integriert. Die Delphi-Umfrage stellt eine strukturierte Mehrrundenform der Expertenbefragung dar, die Konsens und Dissens methodisch kontrolliert sichtbar macht. Schließlich ermöglicht die Technologieportfolio-Analyse die systematische Bewertung mehrerer Technologien anhand eines Kriteriensystems, um Investitions- und Ausstiegsentscheidungen zu steuern.
Fazit
Die Methoden ergänzen sich gegenseitig und bauen häufig aufeinander auf: Horizon Scanning liefert Eingaben für den Technologieradar, Szenarien dienen als Grundlage für Roadmaps, und Delphi-Ergebnisse fließen in Portfolioentscheidungen ein. Ob eine Technologie als Schlüsseltechnologie gilt, ergibt sich laut dem Wissenschaftlichen Dienst nicht allein aus technischen Merkmalen, sondern maßgeblich aus dem Bewertungsraster und den Einschätzungen der beteiligten Experten.

































































