- Wissenschaftlicher Dienst erklärt zehn Schlüsselkonzepte des Innovationsmanagements
- Absorptive Capacity, Dynamic Capabilities und Open Innovation im Überblick
- Konzepte helfen, technologische Potenziale strategisch zu nutzen
Organisationale Fähigkeiten und Strategien im Technologie- und Innovationsmanagement
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im September 2026 eine Dokumentation veröffentlicht, die zentrale Konzepte des Technologie- und Innovationsmanagements kompakt aufbereitet. Die Arbeit mit dem Aktenzeichen WD 5-3000-099/26 ist der vierte Teil einer siebenteiligen Publikationsreihe zu Zukunfts- und Schlüsseltechnologien. Im Mittelpunkt stehen organisationale Fähigkeiten, Strategien und Geschäftsmodelle, die erklären, wie Unternehmen technologische Veränderungen erkennen, aufnehmen und strategisch nutzen können.
Die zehn behandelten Konzepte im Überblick
Die Dokumentation stellt zehn Konzepte in standardisierten Steckbriefen vor, jeweils mit Kerngedanke, Verwendungskontext, Beschreibung und einschlägiger Literatur.
Absorptive Capacity beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, externes Wissen zu erkennen, aufzunehmen und für Innovation nutzbar zu machen. Entscheidend ist dabei vorhandenes Vorwissen, das neue Erkenntnisse einordbar macht. Das Gegenstück, die Desorptive Capacity, bezeichnet die Fähigkeit, internes Wissen gezielt nach außen zu übertragen, etwa durch Lizenzierung oder Technologietransfer.
Core Competencies (Kernkompetenzen) sind tief verankerte, schwer imitierbare Fähigkeiten einer Organisation, die mehrere Märkte erschließen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile sichern. Dynamic Capabilities (Dynamische Fähigkeiten) ergänzen diesen Ansatz: Sie beschreiben die übergeordnete Fähigkeit, Ressourcen und Routinen bei veränderten Markt- oder Technologiebedingungen neu zu konfigurieren. Dabei werden drei Phasen unterschieden: Wahrnehmen (Sensing), Nutzen (Seizing) und Transformieren (Transforming).
Die Dynamic Managerial Capabilities lenken den Blick auf die individuelle Ebene von Führungskräften. Deren Wissen, soziale Netzwerke und mentale Modelle prägen maßgeblich, ob strategische Erneuerung gelingt. Eng damit verbunden ist das Konzept der Managerial Cognition, das zeigt, wie Wahrnehmungsmuster und kognitive Rahmen die strategische Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung von Managern beeinflussen.
Ambidexterity (organisationale Beidhändigkeit) beschreibt die Fähigkeit, bestehendes Geschäft effizient zu betreiben (Exploitation) und gleichzeitig neue Technologien und Märkte zu erkunden (Exploration). Dieses Spannungsverhältnis kann strukturell oder kontextuell gelöst werden.
Open Innovation beschreibt die gezielte Öffnung von Innovationsprozessen über Unternehmensgrenzen hinweg. Drei Kernprozesse werden unterschieden: der Outside-in-Prozess (externes Wissen aufnehmen), der Inside-out-Prozess (internes Wissen extern verwerten) und der Coupled-Prozess (wechselseitige Kooperation).
Serendipitous Innovation befasst sich mit Innovationen, die aus unerwarteten Entdeckungen entstehen. Entscheidend ist nicht der Zufall allein, sondern ein vorbereiteter Geist, der Anomalien als Innovationschance erkennt. Schließlich beschreibt die Blue Ocean Strategy (Value Innovation), wie Organisationen neue Markträume erschaffen, indem sie Kundennutzen und Kostenstruktur gleichzeitig neu gestalten und so dem direkten Wettbewerb ausweichen.
Einordnung und Zweck der Analyse
Die Dokumentation richtet sich an Mitglieder des Bundestages und soll keine abschließende wissenschaftliche Diskussion liefern, sondern eine kompakte begriffliche Orientierung für Fragen der Innovationspolitik, des Technologietransfers und der Unternehmensstrategie bieten. Die Auswahl der Konzepte verdeutlicht, dass technologischer Erfolg nicht allein von Forschungsausgaben abhängt, sondern wesentlich von den organisationalen und kognitiven Fähigkeiten, technologische Potenziale tatsächlich in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen zu überführen.

































































