Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8055 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Bundespolizei: nur 9 Prozent Frauen in Besoldungsgruppe A16
- BKA-Frauenanteil gesamt 41,18 Prozent, in Führung deutlich darunter
- Mentoring, Jobsharing und Telearbeit sollen Lücke mittelfristig schließen
Hintergrund
Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) schreibt vor, bis zum 31. Dezember 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen der Bundesverwaltung zu erreichen. Dieses Ziel haben BKA und Bundespolizei nach eigenen Angaben verfehlt. Der Tätigkeitsbericht des Bundespolizeibeauftragten für den Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 hatte die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungsämtern dokumentiert und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Im breiteren öffentlichen Dienst des Bundes liegt der Frauenanteil in Führungspositionen laut Bundesministerium bei 47 Prozent — ein Wert, den die Sicherheitsbehörden weit unterschreiten.
- 26,1 Prozent — Frauenanteil gesamt bei der Bundespolizei (Stand Mitte 2026)
- 9 Prozent — Frauenanteil in der Besoldungsgruppe A16 bei der Bundespolizei
- 41,18 Prozent — Frauenanteil gesamt beim BKA; im Vollzug höherer Dienst 28,3 Prozent
- 76 Prozent — Anteil der Frauen an allen Teilzeitbeschäftigten beim BKA (Stand 30. Juni 2026)
- 3.242 Frauen — in Teilzeit bei der Bundespolizei, gegenüber 1.593 Männern (Stand 1. Juli 2026)
Im Detail
Die Unterrepräsentanz von Frauen in der Bundespolizei und beim BKA ist das Ergebnis historisch gewachsener Strukturen, die sich spürbar im Wandel befinden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8055, S. 2
Beim Bundeskriminalamt (BKA) und bei der Bundespolizei sind Frauen in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor, die als BT-Drs. 21/8055 vom 17. September 2026 veröffentlicht wurde. Die Drucksache umfasst 60 Einzelfragen und liefert auf 34 Seiten umfangreiche Statistiken zu Bewerberzahlen, Einstellungsquoten, Beurteilungen, Teilzeitbeschäftigung und Beförderungszeiten.
Frauenanteil Bundespolizei: Führungslücke besonders ausgeprägt
Der Gesamtanteil der Frauen bei der Bundespolizei liegt laut Drucksache bei 26,1 Prozent. In den Führungsbesoldungsgruppen verschlechtert sich das Bild erheblich: In der Besoldungsgruppe A15 sind 14 Prozent der Stellen mit Frauen besetzt, in A16 nur 9 Prozent. Im gesamten höheren Polizeivollzugsdienst beträgt der Frauenanteil 15,49 Prozent. Das Bundesgleichstellungsgesetz schrieb vor, bis zum 31. Dezember 2025 paritätische Teilhabe in Führungspositionen zu erreichen — dieses Ziel wurde verfehlt. Zum Vergleich: Im gesamten öffentlichen Dienst des Bundes besetzen Frauen 47 Prozent der Führungspositionen.
Was gilt aktuell beim BKA?
Beim BKA liegt der Gesamtfrauenanteil mit 41,18 Prozent deutlich höher als bei der Bundespolizei. Im höheren Dienst ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild: Im Vollzugsbereich sind 28,3 Prozent der Stellen mit Frauen besetzt, in der Verwaltung 40,4 Prozent und im Tarifbereich 40,3 Prozent. Insgesamt beträgt der Frauenanteil im höheren Dienst des BKA 36,8 Prozent. Auch hier verbleibt eine Lücke zum gesetzlichen Ziel der Parität.
Bei den Bewerberzahlen zeigt sich für den gehobenen Kriminalpolizeivollzugsdienst beim BKA ein ausgeglichenes Verhältnis: 2026 bewarben sich 1.002 Frauen gegenüber 941 Männern. Im höheren Dienst lagen 2026 mit 10 Bewerberinnen gegenüber 22 Bewerbern die Männer vorn. Die Einstellungsquote — Anteil der eingestellten Bewerber an allen Bewerbenden — lag 2026 im gehobenen Dienst bei 2,9 Prozent für Frauen und 2,3 Prozent für Männer, war also bei Frauen leicht höher.
Beurteilungen: Frauen schneiden relativ besser ab
Die Regelbeurteilungsrunde 2025 des BKA zeigt, dass Frauen in mehreren Besoldungsgruppen relativ häufiger Bestnoten erhalten als Männer. Im Polizeivollzugsdienst der Bundespolizei ergibt sich ein ähnliches Bild: In der Besoldungsgruppe A15 erhalten 36,36 Prozent der weiblichen Beamten die Note A1 oder A2, bei Männern sind es 28 Prozent. Die Daten deuten darauf hin, dass weibliche Beamte, die trotz struktureller Hürden Führungspositionen erreichen, überdurchschnittliche Leistungsbeurteilungen aufweisen.
Gleichstellungsmaßnahmen bei BKA und Bundespolizei
Die Bundesregierung nennt in ihrer Antwort eine Reihe laufender Maßnahmen. Das BKA betreibt ein jährliches Mentoring-Programm für Frauen, unterstützt interne Frauennetzwerke — darunter ein neu gestartetes Alumni-Netzwerk — und plant für Ende 2026 erstmals eine Ausschreibung einer Führungsposition ausschließlich im Job-Sharing-Modell. Eltern-Kind-Zimmer an allen Standorten und eine Servicestelle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ergänzen das Angebot.
Die Bundespolizei adressiert das Thema unter dem Titel „Frauen im Fokus“ mit einem strategischen Handlungsprogramm. Es setzt auf Mentoring, Shadowing, Fortbildungen speziell für Frauen sowie Jobsharing-Modelle, die derzeit in den Direktionen Bereitschaftspolizei und München pilotiert werden. Nach Angaben der Bundesregierung wird der Erfolg dieser Maßnahmen erst mittel- bis langfristig messbar sein.
Teilzeit und Homeoffice: Frauen nutzen flexible Modelle deutlich öfter
Von den Teilzeitbeschäftigten beim BKA sind laut Drucksache 76 Prozent Frauen. Bei der Bundespolizei arbeiten zum Stichtag 1. Juli 2026 insgesamt 3.242 Frauen in Teilzeit, gegenüber 1.593 Männern. Beim BKA nutzen 595 Frauen und 286 Männer das Telearbeitsmodell. Diese Zahlen stehen im Zusammenhang mit der nach wie vor ungleichen Verteilung von Familien- und Pflegeaufgaben. Die Bundesregierung sieht flexible Arbeitszeiten als wichtigen Hebel zur Erhöhung des Frauenanteils, auch in Führungspositionen: Beim BKA nehmen zum Stand 30. Juni 2026 insgesamt 79 Führungskräfte Teilzeit wahr, davon 55 Frauen.
Zu Fragen über den Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte — sowohl beim BKA als auch bei der Bundespolizei — verweist die Bundesregierung darauf, dass diese Daten im Personalverwaltungssystem nicht erhoben werden. Angaben zu Beförderungszeiten beim BKA nach Geschlecht können ebenfalls nicht geliefert werden. Beide Behörden haben nach eigenen Angaben ein Vielfaltsmanagement eingeführt, das Chancengleichheit am Arbeitsplatz fördern soll. Vergleichbare Datenlücken sind auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes bekannt, wie etwa beim Personalengpass bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit dokumentiert.
Die umfassenden Daten zur Gleichstellungssituation bei BKA und Bundespolizei fügen sich in eine breitere Debatte über Repräsentation in staatlichen Institutionen ein. So hat der Bundestag zuletzt auch die Repräsentation ostdeutscher Beschäftigter in der Bundeswehr thematisiert.
Betroffen sind Beamtinnen und Beschäftigte beim BKA und der Bundespolizei, die Gleichstellungsmaßnahmen in Anspruch nehmen oder anstreben, sowie Bewerberinnen für den Polizeidienst. Mittelbar betrifft das Thema alle Bürgerinnen und Bürger, die ein Interesse an einer diversen, gleichstellungskonformen Bundesverwaltung haben.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten statistischen Fragen vollständig. Bei Fragen zu Standzeiten und Beförderungszeiten beim BKA sowie zum Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte verweist sie auf fehlende Daten im Personalverwaltungssystem. Detailangaben zu Spezialkräften (MEK, Verhandlungsgruppe) werden aus Sicherheitsgründen nur in allgemeiner Form gegeben.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Frauenanteil bei BKA und Bundespolizei: 60 Fragen →
- Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG)
- Gesetz, das die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung regelt und verbindliche Zielvorgaben für Führungspositionen setzt.
- Besoldungsgruppe A15 / A16
- Gehobene Führungsbesoldung im öffentlichen Dienst; A16 entspricht der höchsten Stufe des gehobenen und unteren höheren Dienstes, typischerweise Abteilungsleitungs- oder Direktionsebene.
- Job-Sharing auf Führungsebene
- Modell, bei dem sich zwei Personen eine Führungsposition teilen — soll die Vereinbarkeit von Familie und Karriere verbessern und damit den Frauenanteil in Leitungsfunktionen erhöhen.
Wie hoch ist der Frauenanteil bei der Bundespolizei in Führungspositionen?
In der Besoldungsgruppe A15 beträgt der Frauenanteil bei der Bundespolizei 14 Prozent, in A16 nur 9 Prozent — deutlich unter dem gesetzlichen Ziel der Parität.
Welche Maßnahmen plant das BKA, um mehr Frauen in Führung zu bringen?
Das BKA setzt auf ein jährliches Mentoring-Programm, Frauennetzwerke, flexible Teilzeit- und Homeoffice-Modelle sowie ein erstmals für Ende 2026 geplantes Job-Sharing-Modell auf Führungsebene.
Unterscheiden sich Beförderungszeiten von Frauen und Männern bei der Bundespolizei?
Laut Drucksache sind die durchschnittlichen Beförderungszeiten bei der Bundespolizei zwischen Frauen und Männern je nach Besoldungsgruppe und Laufbahn leicht unterschiedlich, ohne dass ein einheitliches Muster erkennbar ist.































































