- 1.184 linksextreme Klimastraftaten allein 2023 — Rekordhoch seit 2015
- Ende Gelände: 51 Ortsgruppen, BfV stuft als Verdachtsfall ein
- Switch-off-Kampagne verzeichnet über 100 Straftaten seit 2023
Hintergrund
Das Bundesamt für Verfassungsschutz erfasst linksextremistische Bestrebungen gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 1 Bundesverfassungsschutzgesetz. Die polizeiliche Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) wird über den Kriminalpolizeilichen Meldedienst (KPMD-PMK) erhoben; Stichtag für die Jahreswerte ist jeweils der 31. Januar des Folgejahres. Im Jahr 2023 verzeichneten Sicherheitsbehörden bundesweit einen deutlichen Anstieg extremistisch motivierter Klimaschutzdelikte, der unter anderem mit massiven Blockadeaktionen und einer wachsenden Präsenz der Kampagne ‚Switch off‘ zusammenfiel. Das Bündnis ‚Ende Gelände‘ wurde 2014 gegründet und wird laut Bundesregierung mittlerweile vom BfV als linksextremistischer Verdachtsfall geführt.
- 1.184 Fälle (2023) — Höchstwert linksextrem motivierter Straftaten im Klima-/Umweltkontext seit Beginn der Erfassung 2015.
- 645 Sachbeschädigungen (2023) — Häufigste Einzeldeliktart; mehr als dreimal so viele wie 2022 (171).
- 48 Brandstiftungsdelikte (2023) — Höchstwert im Gesamtzeitraum 2015–2025, deutlich über dem Vorjahreswert von 19.
- Über 100 Straftaten — wurden seit 2023 der linksextremistischen Kampagne ‚Switch off‘ zugeordnet, darunter Brandstiftungen und Sachbeschädigungen.
- 165 Fälle (2025) — Starker Rückgang gegenüber 2023; die Zahlen für 2025 sind wegen des Stichtags 31. Januar 2026 noch nicht vollständig erfasst.
Im Detail
„Ende Gelände“ versucht auf diesem Wege, die Themenfelder „Klimaschutz“ und „Antimilitarismus“ mit propalästinensischer Agitation zu verbinden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8728, S. 7
Linksextremistisch motivierte Straftaten im Klimakontext haben sich in Deutschland zwischen 2015 und 2023 massiv ausgeweitet. Laut BT-Drs. 21/8728, der Antwort der Bundesregierung vom 19. Oktober 2026, erreichten die nach PMK-Kriterien erfassten Fälle im Jahr 2023 einen Spitzenwert von 1.184 Straftaten — mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (501) und fast das Siebenfache des Wertes von 2016 (172). Mit dem Rückgang auf 617 Fälle im Jahr 2024 und vorläufig 165 Fällen im Jahr 2025 ist zwar eine Entspannung erkennbar, der Trend auf mittlere Sicht bleibt jedoch deutlich über dem Ausgangsniveau von 2015 (657 Fälle).
Linksextremismus im Klimaprotest: Deliktstruktur und Entwicklung
Innerhalb der Gesamtzahlen dominieren Sachbeschädigungen: Allein 2023 wurden 645 solcher Delikte registriert, hinzu kamen 48 Brandstiftungen und 74 Widerstandsdelikte gegen Vollstreckungsbeamte. Die Daten beruhen auf dem Kriminalpolizeilichen Meldedienst (KPMD-PMK) mit den Erfassungskriterien ‚PMK links‘, ‚Extremismus: ja‘ und ‚Unterthemenfeld Klima und/oder Umweltschutz‘. Stichtag ist jeweils der 31. Januar des Folgejahres, weshalb die Zahlen für 2025 noch unvollständig sind.
Bei den Angriffszielen zeigt die Anlage zur Drucksache, dass Energieversorgungseinrichtungen und Verkehrsinfrastruktur besonders häufig betroffen sind. Im Jahr 2023 entfielen 118 Fälle auf Energieversorgungseinrichtungen und 100 Fälle auf Verkehrseinrichtungen. Besonders auffällig: 239 Fälle richteten sich 2023 gegen Polizeibeamte.
Ende Gelände: BfV stuft Bündnis als Verdachtsfall ein
Das 2014 ursprünglich als Klimaschutzprojekt der ‚Interventionistischen Linken‘ gegründete Bündnis Ende Gelände führt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) inzwischen als linksextremistischen Verdachtsfall. Die Bundesregierung beschreibt in BT-Drs. 21/8728 eine zunehmende ideologische Radikalisierung und eine sprachliche Verschärfung der propagierten Aktionsformen bis hin zur Sabotage. Mit Stand September 2026 verzeichnet das Bündnis 51 Ortsgruppen im Bundesgebiet und kooperiert nach Angaben der Bundesregierung mit Akteuren aus dem linksextremistischen Spektrum. Im Jahr 2026 führte Ende Gelände eine Massenaktion gegen geplante Gaskraftwerke im Ruhrgebiet durch; mehrere hundert Teilnehmer blockierten Zugänge zu Kraftwerken. Eine staatliche Förderung des Bündnisses schloss eine Ressortabfrage aus.
Switch off und Vulkangruppen: gewalttätige Kleinstrukturen
Seit 2023 bündelt die linksextremistische Kampagne ‚Switch off‘ Sabotageakte unter einem gemeinsamen Label. Über 100 Straftaten — vor allem Brandstiftungen und Sachbeschädigungen in mehrstelliger Millionenhöhe — wurden ihr bislang zugeordnet. Die Kampagnenplattform war im September 2026 aufgrund von Maßnahmen US-amerikanischer Behörden nicht mehr abrufbar. Eng verbunden mit diesem Umfeld sind die sogenannten Vulkangruppen, die seit 2011 in Berlin und Brandenburg Brandanschläge auf Kabelschächte und Verteilerkästen verüben. Zu den bekanntesten Taten zählt der Stromausfall am Tesla-Werk in Brandenburg (2024) sowie ein Anschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin am 3. Januar 2026, der das Heizkraftwerk Berlin-Lichterfelde traf. Die Bundesregierung ordnet die Vulkangruppen ideologisch dem gewaltorientierten anarchistischen Spektrum zu und schätzt sie als loses Netzwerk ein, das den Namen als Label nutzt.
Grenzen der Auskunft: Staatswohl gegen Informationsrecht
Zu einer Vielzahl von Fragen — darunter zu Einzelorganisationen ohne öffentliche Verfassungsschutzeinstufung, zu Personenverbindungen und zu Hochschulen als Vernetzungsräumen — verweigerte die Bundesregierung die Auskunft. Sie begründete dies damit, dass entsprechende Angaben Rückschlüsse auf Erkenntnisstand und Arbeitsweise des BfV zuließen und damit dem Staatswohl schadeten. Auch eine Einstufung nach der Geheimschutzordnung lehnte die Regierung ab. Zu Fragen über Gruppen wie ‚Letzte Generation‘, ‚Extinction Rebellion‘ oder ‚Fridays for Future‘ verwies die Bundesregierung auf die fehlende BfV-Zuständigkeit: Diese Organisationen seien keine Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes, da die Anfrage keine konkreten extremistischen Bestrebungen belegt habe. Weitere Hintergründe zur Sicherheitsplattform Strom finden sich im Artikel Sicherheitsplattform Strom: Bundesnetzagentur plant Notfallsystem.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem Betreiber kritischer Infrastruktur wie Energieversorger, Bahnbetriebe und Telekommunikationsanbieter sowie deren Kunden — also Privathaushalte und Unternehmen, die bei Anschlägen auf Strommasten oder Kabelschächte von Ausfällen betroffen sind. Darüber hinaus dokumentiert die Statistik Angriffe gegen Polizeibeamte (2023: 239 Fälle im Bereich Polizei/Klima-PMK) und Politiker.
Die Bundesregierung hat die Mehrzahl der Fragen zu konkreten Organisationen und Einzelpersonen unter Berufung auf entgegenstehende Staatswohl-Interessen und die fehlende BfV-Zuständigkeit nicht oder nur pauschal beantwortet. Lediglich zu den im Verfassungsschutzbericht öffentlich erwähnten Strukturen (Ende Gelände, Switch off, Vulkangruppen) sowie zu den PMK-Statistiken erfolgten inhaltliche Antworten.
Die Anfrage ist mit der Antwort vom 19. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8728) abgeschlossen. Weiterer parlamentarischer Handlungsbedarf ergibt sich aus der Drucksache selbst nicht; die Bundesregierung verweist auf bestehende Rechtsgrundlagen und das ‚Haber-Verfahren‘ zur Verhinderung von Förderungen extremistischer Strukturen.
- PMK links
- Politisch motivierte Kriminalität im Phänomenbereich Linksextremismus; Erfassungskriterium der deutschen Polizeistatistik für Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund.
- Verdachtsfall (BfV)
- Einstufung des Bundesamts für Verfassungsschutz, wenn tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen vorliegen, aber noch kein gesicherter Nachweis erbracht ist.
- KRITIS
- Kritische Infrastruktur: Einrichtungen und Systeme mit besonderer Bedeutung für das gesellschaftliche Leben, zum Beispiel Strom- und Wasserversorgung, Verkehr und Telekommunikation.
Was ist die Kampagne 'Switch off'?
Die seit Anfang 2023 aktive linksextremistische Kampagne verbindet antikapitalistische Ziele mit Klimapolitik und fordert Angriffe auf Infrastruktur und Unternehmen. Über 100 Straftaten wurden ihr bislang zugeordnet, darunter Brandstiftungen und Sachbeschädigungen.
Was sind 'Vulkangruppen'?
Seit 2011 aktive anonyme Kleingruppen in Berlin und Brandenburg, die Brandanschläge auf Kabelschächte und Verteilerkästen verüben. Sie lösten unter anderem 2024 einen Stromausfall am Tesla-Werk in Brandenburg und 2026 einen Ausfall am Berliner Heizkraftwerk Lichterfelde aus.
Erhält 'Ende Gelände' staatliche Förderung?
Nein. Eine Ressortabfrage der Bundesregierung hat ergeben, dass keine Förderung aus Bundesmitteln an das Bündnis 'Ende Gelände' erfolgt oder erfolgt ist.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8728 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































