Vollständig beantwortet
Zeitumstellung: Regierung sieht keine ernsthafte Gesundheitsgefahr
Hintergrund
Die AfD fragte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Gesundheitsfolgen der Zeitumstellung. Anlass war eine EU-Bürgerbefragung von 2018, bei der sich 84% der Teilnehmer für die Abschaffung aussprachen. Zahlreiche Studien deuten auf negative Auswirkungen wie Schlafstörungen und erhöhte Herzinfarktrisiken hin.
Die Bundesregierung sieht keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für Gesundheitsrisiken durch die Zeitumstellung. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Große Anfrage der AfD hervor (BT-Drs. 21/5815 vom 6. Mai 2026).
Datenlage zu Gesundheitsfolgen
Die Datenlage ist „inkonsistent“, erklärt die Bundesregierung. Während kurzfristig vermehrte Tagesmüdigkeit beschrieben wird, sind langfristige Auswirkungen „kaum beschrieben und schwierig zu untersuchen“. Kardiovaskuläre Ereignisse und Unfälle im Zusammenhang mit der Zeitumstellung werden wissenschaftlich uneinheitlich bewertet.
EU-Bürgerbefragung von 2018
84% der Teilnehmer einer EU-weiten Bürgerbefragung von 2018 sprachen sich für die Abschaffung aus. Dies ist bemerkenswert, da sich derart klare Mehrheiten in EU-Befragungen selten zeigen. Nationale Initiativen plant die Bundesregierung dennoch nicht, heißt es in der Antwort. Hintergrund ist die EU-Richtlinie 2000/84/EG, die für alle Mitgliedstaaten verbindlich ist.
Deutschland kann die Zeitumstellung nicht allein abschaffen, weil eine EU-Richtlinie sie vorschreibt.
Studienaktivitäten der Bundesregierung
Eigene Studien hat die Bundesregierung nicht beauftragt. Auch künftig sind keine geplant. Stattdessen stützt sie sich hauptsächlich auf eine TAB-Studie von 2016, die „keine Hinweise auf positive oder negative energetische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Effekte“ gefunden hat. Eine internationale Studie mit GitHub-Daten von 175.000 Software-Entwicklern zeigt hingegen, dass die Umstellung auf Sommerzeit die Arbeitsproduktivität bis zu zwei Wochen beeinträchtigen kann. Die Übertragbarkeit auf die deutsche Volkswirtschaft ist jedoch „ungewiss“, so die Regierung.
EU-Studie läuft bis 2026
Die Europäische Kommission führt derzeit eine Studie zu den Auswirkungen einer möglichen Abschaffung durch. Diese läuft bis Ende 2026. Erst danach könnte ein neuer Legislativvorschlag kommen. Ähnliche Reformprozesse zeigen, wie langsam EU-weite Änderungen vorangehen können.
Betroffen sind alle Bürger in Deutschland durch die halbjährliche Zeitumstellung. Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Schlafstörungen könnten gesundheitliche Risiken haben.
Die EU-Kommission führt bis Ende 2026 eine Studie zu den Auswirkungen einer möglichen Abschaffung durch. Erst danach könnte ein neuer Vorschlag zur Änderung der EU-Richtlinie kommen.
- TAB-Studie
- Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag untersuchte 2016 umfassend die Auswirkungen der Sommerzeit auf Energie, Wirtschaft und Gesundheit.
- EU-Richtlinie 2000/84/EG
- Diese EU-Richtlinie schreibt allen Mitgliedstaaten die jährliche Zeitumstellung verbindlich vor und lässt keine nationalen Abweichungen zu.























































