- UBB hatte 50 Tickets zur Merkel-Lesung für je 79 Euro angeboten
- Angebot wurde eingestellt — DB AG meldet keine anfallenden Kosten
- DB AG ist als Bundesunternehmen zur politischer Neutralität verpflichtet
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6616 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Usedomer Bäderbahn GmbH (UBB) mit Sitz in Heringsdorf ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, deren Anteile vollständig vom Bund gehalten werden. Als staatseigenes Unternehmen unterliegt die DB AG dem Gebot politischer Neutralität. Im Frühjahr 2026 wurde auf der UBB-Website ein kombiniertes Angebot aus Eintrittskarte und Bustransfer zur Merkel-Lesung für 79 Euro beworben. Das Ticketkontingent von 50 Stück hatte die UBB am 19. Februar 2026 beim Usedomer Musikfestival e. V. eingekauft. Das Angebot war laut DB AG vom 27. März bis zum 9. Juni 2026 online. Die Fragesteller der AfD sahen darin einen möglichen mittelbaren Werbeeffekt für Merkels Buch „Freiheit“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch).
- 50 Tickets — Gesamtkontingent, das die UBB im Auftrag des Usedomer Musikfestivals für die Lesung am 10. September 2026 verkaufen sollte.
- 79 Euro — Preis je Ticket inklusive Hin- und Rücktransfer nach Peenemünde.
- 19. Februar 2026 — Datum, an dem die UBB das Ticketkontingent beim Veranstalter einkaufte.
- 27. März bis 9. Juni 2026 — Zeitraum, in dem das Angebot auf der UBB-Homepage veröffentlicht war.
Im Detail
Als Unternehmen im Eigentum des Bundes ist die DB AG zur politischen Neutralität verpflichtet.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6616, Frage 5
Ein Staatsunternehmen und die Frage politischer Neutralität: Die Usedomer Bäderbahn GmbH (UBB), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, hatte auf ihrer Website für eine Lesung der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel geworben und 50 Tickets inklusive Bustransfer für je 79 Euro zum Verkauf angeboten. Das Angebot wurde inzwischen eingestellt. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/6616 vom 23. Juni 2026 hervor.
Was die DB-Tochter UBB konkret tat
Die UBB hatte das Ticketkontingent am 19. Februar 2026 beim Usedomer Musikfestival e. V. eingekauft. Vom 27. März bis zum 9. Juni 2026 war das kombinierte Angebot — Eintrittskarte zur Lesung plus Hin- und Rücktransfer nach Peenemünde — auf der UBB-Website verfügbar. Auf dieser Seite wurde auch das Buchcover von Merkels Erinnerungswerk Freiheit (Verlag Kiepenheuer & Witsch) abgebildet. Die Anfrage erkundigt sich danach, ob darin ein mittelbarer Werbeeffekt für das Buch liegt. Die Bundesregierung bewertet dies nicht ausdrücklich, stellt jedoch den kommerziellen Hintergrund der UBB-Tätigkeit in den Vordergrund: Das Geschäftsmodell von Bäderbahnen basiere auf der Kombination aus regionalem Personennahverkehr und Tourismus-Marketing.
Politische Neutralität bei staatseigenen Unternehmen
Als Unternehmen im vollständigen Bundesbesitz unterliegt die DB AG dem Gebot politischer Neutralität. Die Bundesregierung erklärt, die DB AG verfüge über interne Richtlinien, Kontrollmechanismen und Entscheidungsprozesse, die sicherstellen sollen, dass Kooperationen ausschließlich nach unternehmerischen und nicht nach politischen Kriterien entschieden werden. Grundlage sei die aktienrechtliche Eigenverantwortung des Vorstands nach §§ 76 ff. AktG. Ob die Kooperation mit dem Merkel-Lesungsangebot diesen Standards entsprach, lässt die Bundesregierung offen.
Keine Zahlungen, keine Folgekosten
Laut Bundesregierung hat weder Angela Merkel noch der für sie tätige Veranstalter eine Zahlung an die UBB für Werbe- oder Vertriebsunterstützung geleistet. Da das Angebot eingestellt wurde, entstehen der UBB nach Angaben der DB AG auch keine Kosten für Bustransfer oder Ticketvertrieb. Zur Frage, ob die UBB-Geschäftsführung bei Vertragsschluss wusste, dass die Lesung nur zehn Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 geplant war, teilt die Bundesregierung mit, dass ihr hierzu keine Erkenntnisse vorliegen.
Einmaliger Vorgang seit 2021
Die Bundesregierung bestätigt, dass die UBB seit 2021 keine weiteren Veranstaltungen der Usedomer Literaturtage mit Ticketvertrieb und Transport begleitet hat. Die Kooperation mit dem Merkel-Lesungsangebot war demnach ein einmaliger Vorgang. Wie häufig andere DB-Tochtergesellschaften vergleichbare Unterstützung für Veranstaltungen von Politikern geleistet haben, beantwortet die Bundesregierung nicht mit konkreten Zahlen, verweist jedoch auf die unternehmerische Freiheit der DB AG im Rahmen des Aktiengesetzes.
Für Steuerzahler und Bahnkunden stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und in welchem Umfang ein Staatsunternehmen Veranstaltungen ehemaliger Spitzenpolitiker kommerziell begleiten darf — auch wenn wie hier keine Verluste entstehen. Die Debatte berührt das breitere Thema der Governance öffentlicher Unternehmen und ihrer Abgrenzung zu politischen Interessen.
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Betroffen ist vorrangig die öffentliche Diskussion über die Grenzen kommerzieller Kooperationen staatseigener Unternehmen mit Veranstaltungen ehemaliger Politiker. Unmittelbar beteiligt sind die DB AG sowie ihre Tochter UBB, das Usedomer Musikfestival e. V. als Veranstalter und die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel als Lesende.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen direkt und knapp. Bei Frage 8 zu den Buskosten bleibt die Antwort offen, da sie zusammen mit Frage 9 beantwortet wird und die Kosten mit der Einstellung des Angebots entfallen seien. Zur Frage des Bewusstseins über die zeitliche Nähe zur Landtagswahl (Frage 11) verweist die Regierung auf fehlende eigene Erkenntnisse.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 23.06.2026) 79 Euro: Bahn-Tochter verkauft Merkel-Tickets vor Landtagswahl →
- Compliance
- Gesamtheit interner Regeln und Kontrollmechanismen, die sicherstellen sollen, dass ein Unternehmen gesetzliche und ethische Vorgaben einhält.
- § 76 ff. AktG
- Paragrafen des Aktiengesetzes, die dem Vorstand einer Aktiengesellschaft die eigenverantwortliche Unternehmensleitung zuweisen.
- § 313 Abs. 2 HGB
- Handelsgesetzbuch-Vorschrift zur Pflicht, Tochterunternehmen in den Konzernabschluss einzubeziehen.
Ist die UBB wirklich ein Staatsunternehmen?
Ja. Die Bundesregierung bestätigt, dass die UBB zu 100 Prozent im Eigentum der DB AG steht und in deren Jahresabschluss einbezogen wird.
Hat Angela Merkel für die Werbung der UBB bezahlt?
Nein. Laut Bundesregierung erfolgten keine Zahlungen von Merkel oder dem Veranstalter an die UBB.
Warum wurde das Ticketangebot eingestellt?
Die Bundesregierung nennt keine Begründung. Die DB AG teilt lediglich mit, dass das Angebot eingestellt wurde und daher keine Kosten anfallen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6616 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































