- Kerosinproduktion in Raffinerien nur begrenzt steigerbar
- Mehr Kerosin geht zwingend auf Kosten von Diesel und Heizöl
- Nur 6 von 13 deutschen Raffinerien besitzen einen Hydrocracker
Kerosinproduktion in deutschen Raffinerien: Spielräume begrenzt
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Kurzinformation (WD 5 – 3000 – 051/26) untersucht, inwieweit die Kerosinproduktion in deutschen Raffinerien durch prozesstechnische Anpassungen gesteigert werden kann und welche Auswirkungen dies auf die Produktion anderer Kraftstoffe hätte.
Produktverhältnis weitgehend festgelegt
Das zentrale Ergebnis der Analyse lautet: Eine Erhöhung der Kerosinproduktion ist technisch grundsätzlich möglich, aber nur in begrenztem Umfang. In vielen Raffinerien gilt das Verhältnis der erzeugten Produkte als weitgehend festgelegt. Zusätzliche Kerosinmengen lassen sich nur punktuell und auf Kosten von Diesel gewinnen. Eine freie, großskalige Umverteilung der Raffinerieproduktion zugunsten von Kerosin ist nicht möglich. Die vorhandenen Spielräume sind in deutschen Anlagen nach Einschätzung der Experten bereits weitgehend ausgeschöpft.
Hydrocracker als zentrales Stellglied
Entscheidend für eine mögliche Produktionsverschiebung ist der sogenannte Hydrocracker. Dieses Anlagenelement ist jedoch nur in 6 der insgesamt 13 deutschen Raffinerien vorhanden. Der Hydrocracker kann innerhalb gewisser Grenzen flexibel betrieben werden: Je nach Fahrweise lässt sich der Produktmix entweder stärker in Richtung Kerosin oder stärker in Richtung Dieselöl und leichtes Heizöl verschieben. Eine vollständige Umstellung aller vorhandenen Hydrocracker auf kerosinfreundlichen Betrieb würde die Kerosinproduktion zwar spürbar erhöhen, gleichzeitig aber zu einem deutlichen Rückgang bei Diesel und Heizöl führen.
Hinzu kommt ein weiterer technischer Engpass: Der kerosinfreundliche Betrieb des Hydrocrackers erfordert mehr Wasserstoff. Ist die Wasserstoffbereitstellung in der jeweiligen Raffinerie nicht entsprechend ausgelegt, schränkt dies die Umstellungsmöglichkeiten zusätzlich ein.
Auch bei der Rohöldestillation begrenzte Optionen
Bereits bei der Rohöldestillation – dem ersten Schritt der Raffinerieproduktion – ist eine gewisse Verschiebung zugunsten von Kerosin möglich. Auch diese Option geht jedoch auf Kosten von Diesel und leichtem Heizöl und kann zudem die Produktqualität dieser Fraktionen verändern. Zusätzlich spielt die Qualität des eingesetzten Rohöls eine wesentliche Rolle für die erreichbare Produktverteilung und die notwendige Anlagenauslegung.
Fazit: Mehr Kerosin bedeutet weniger andere Mitteldestillate
Die vom Wissenschaftlichen Dienst eingeholte Stellungnahme der Universität Bayreuth (Prof. Andreas Jess, Fakultät für Ingenieurwissenschaften) fasst die Lage klar zusammen: Eine Ausweitung der Kerosinproduktion ist technisch machbar, aber standortabhängig, begrenzt und mit klaren Zielkonflikten verbunden. Mehr Kerosin bedeutet in jedem Fall weniger Diesel und weniger Heizöl. Eine ergebnisneutrale Umsteuerung der Raffinerieproduktion ist nicht möglich.



































































