Antrag eingereicht
Die Linke fordert Schutz der Fankultur vor Repression
Hintergrund
Auslöser des Antrags sind die rückläufigen Gewaltstatistiken bei Fußballspielen laut ZIS-Bericht für 2024/25, während gleichzeitig auf der Innenministerkonferenz härtere sicherheitspolitische Maßnahmen gefordert wurden. Der Dachverband der Fanhilfen dokumentierte 24 Fälle unverhältnismäßiger Polizeieinsätze. Am 16. November 2025 demonstrierten 20.000 Fußballfans bundesweit in Leipzig unter dem Motto ‚Fußball ist sicher‘.
Die Fraktion Die Linke hat am 7. Mai 2026 einen Antrag zum Schutz der deutschen Fankultur vorgelegt (BT-Drs. 21/5826). Der Titel lautet ‚Fankultur schützen – Dialog statt Repression, Mitbestimmung statt Diskriminierung‘. Gefordert werden umfassende Reformen im Umgang mit Fußballfans.
Reform der Datei ‚Gewalttäter Sport‘ gefordert
Als zentraler Punkt gilt die Reform der beim Bundeskriminalamt geführten Datei ‚Gewalttäter Sport‘. Namen von Fußballfans sollen künftig erst nach einer Verurteilung wegen Gewalttat gespeichert werden, so der Antrag. Eine automatische Löschung nach bestimmten Fristen ist vorgesehen. Dies ist bemerkenswert, da derzeit bereits Verdächtige erfasst werden. Betroffene müssen über Aufnahme, Löschung oder Statusänderungen informiert werden.
Die Linke bezeichnet die aktuell rund 20.000 Einträge als unverhältnismäßig. Während die Gewaltstatistik bei Fußballspielen rückläufig ist, diskutiert die Innenministerkonferenz paradoxerweise härtere Maßnahmen. Der ZIS-Bericht für 2024/25 dokumentiert weniger Verletzte und weniger Strafverfahren bei Fußballspielen.
Ende von Kollektivstrafen und mehr Dialog
Kollektivstrafen wie präventive Stadionverbote ohne Verurteilung sollen beendet werden. Der Dialog zwischen Polizei, Vereinen und Fans muss gestärkt werden, heißt es. Hintergrund ist die Kritik an anlasslosen Kontrollen ganzer Fangruppen. Zwei Expertenkommissionen sollen Vorschläge erarbeiten – eine für legale Pyrotechnik, eine für deeskalierende Polizeitaktiken.
Die demokratische Teilhabe der Fans stellt ein hohes Gut dar. Ähnlich wie bei anderen gesellschaftlichen Gruppen geht es um Schutz vor unverhältnismäßigen staatlichen Eingriffen.
Förderung der Fankultur und Inklusion
Über die Sicherheitspolitik hinaus will Die Linke die Fankultur stärken. Ein Projektfonds soll sozialarbeiterische Fanprojekte unterstützen. Sportverbände müssen ein Prozent ihrer TV-Vermarktungserlöse für gemeinnützige Projekte bereitstellen. Ein Archiv der Fankultur soll die gesellschaftliche Bedeutung des Phänomens dokumentieren.
Der Antrag hebt die internationale Vorbildfunktion der deutschen Fankultur hervor. Die 50+1-Regel ermöglicht demokratische Teilhabe, die in vielen anderen Ländern nicht existiert, wird argumentiert.
Betroffen sind primär aktive Fußballfans und Ultragruppen, die in der Datei ‚Gewalttäter Sport‘ erfasst sind oder von polizeilichen Maßnahmen betroffen werden. Auch Fanprojekte und deren sozialarbeiterische Tätigkeit stehen im Fokus der geplanten Reformen.
Der Antrag wird zunächst im zuständigen Fachausschuss beraten. Die Bundesregierung muss zu den Forderungen Stellung beziehen. Eine parlamentarische Behandlung in den Lesungen des Bundestags steht noch aus.
- 50+1-Regel
- Regel im deutschen Fußball, die sicherstellt, dass Vereine die Mehrheit der Stimmrechte an ihrer Profifußball-Abteilung behalten.
- Datei Gewalttäter Sport
- Polizeiliche Datei des Bundeskriminalamts zur Erfassung von Personen, die im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen auffällig geworden sind.
- ZIS
- Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze – dokumentiert Gewalt und Polizeieinsätze bei Sportveranstaltungen.























































