Bericht veröffentlicht
Seltene Erden: Deutschlands Abhängigkeit von China bis 2035
Hintergrund
Seltene Erden sind für die Digitalisierung, Dekarbonisierung und den demografischen Wandel unverzichtbar. Sie stecken in Permanentmagneten für Windkraftanlagen, E-Auto-Motoren und Elektronik. China hat seit den 1990er Jahren systematisch seine Marktposition ausgebaut und setzt diese bereits mehrfach als geopolitisches Druckmittel ein, zuletzt 2025 mit erweiterten Exportkontrollen.
Der Bundestag erhält mit der Drucksache 21/5820 vom 6. Mai 2026 eine umfassende Analyse zur deutschen Abhängigkeit von seltenen Erden. Der 63-seitige Bericht des Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung beleuchtet eine der kritischsten Rohstoffabhängigkeiten der deutschen Wirtschaft.
Chinas dominante Marktposition
China kontrolliert 70 Prozent der weltweiten Förderung und 90 Prozent der Weiterverarbeitung seltener Erden. Deutschland importiert 84 Prozent seiner seltenen Erdmetalle aus dem Reich der Mitte. Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für Permanentmagnete in E-Auto-Motoren, Windkraftanlagen, Smartphones und Festplatten.
China nutzt diese Marktmacht bereits als geopolitisches Druckmittel. Dies ist bemerkenswert, da nach ersten Exportbeschränkungen 2010 Peking 2025 erneut die Kontrollen verschärft hat. Die Maßnahmen erstrecken sich auch auf Recyclingtechnologien. Ende Oktober 2025 hat China eine einjährige Aussetzung der Exportkontrollen angekündigt – die Verlässlichkeit dieser Zusage bleibt jedoch ungewiss.
Drei Zukunftsszenarien bis 2035
Der Bericht entwickelt drei detaillierte Szenarien für die Entwicklung bis 2035:
Im „Blockierten“ Szenario bleibt Deutschland abhängig, im „Fragmentierten“ gibt es neue Bezugsquellen, im „Proaktiven“ setzt Europa erfolgreich auf Recycling und Substitute.
Das pessimistische „Blockierte Souveränitätswende“-Szenario zeigt eine Welt in Blöcken. Sicherheit geht vor Nachhaltigkeit. China verteidigt seine Dominanz. Das moderate „Fragmentierte Souveränitätswende“-Szenario hingegen sieht neue Bergbauprojekte außerhalb Chinas und erste EU-Recyclingkapazitäten vor. Im optimistischen „Proaktiven Souveränitätswende“-Szenario gelingt Europa schließlich der Aufbau geschlossener Materialkreisläufe.
Lösungsansätze für mehr Unabhängigkeit
Als kurzfristige Maßnahmen empfiehlt der Bericht den Aufbau von EU-Recyclingkapazitäten. Bis 2035 kann Recycling 25-40 Prozent der Nachfrage decken. Hintergrund ist, dass parallel die Substitutionsforschung intensiviert werden soll – etwa für SEE-freie Magnete oder effizientere Verwendung in Permanentmagneten.
Langfristig sieht der Bericht Potenzial in der finanziellen Unterstützung von Bergbauprojekten außerhalb Chinas. Derzeit gelten nur 19 solcher Projekte als fortgeschritten. Der Aufbau dauert jedoch Jahrzehnte. Zusätzlich sind EU-Kapazitäten für die Weiterverarbeitung erforderlich.
Eine strategische EU-Reserve für seltene Erden nach dem Vorbild der Öl- und Gasreserven kann als Puffer gegen Preisvolatilitäten und Exportbeschränkungen dienen. Der Critical Raw Materials Act der EU von 2024 setzt bereits Richtwerte: 25 Prozent aus Recycling, 10 Prozent aus eigenem Bergbau bis 2030.
Betroffen sind alle Industrien, die seltene Erden benötigen: Automobilhersteller für E-Autos, Windkraftanlagenbauer, Elektronikkonzerne und die gesamte deutsche Hightech-Industrie. Verbraucher spüren die Abhängigkeit bei Smartphones, Laptops und anderen elektronischen Geräten.
Der Bericht liegt vor und dient als Grundlage für politische Entscheidungen. Der Bundestag kann nun über konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Rohstoffabhängigkeit beraten, etwa Förderprogramme für Recycling oder den Aufbau strategischer EU-Reserven.
- Seltene Erden
- 16 chemische Elemente, die trotz des Namens relativ häufig vorkommen, aber schwer zu gewinnen sind und in Hochtechnologie-Produkten verwendet werden.
- CRMA
- Critical Raw Materials Act der EU von 2024, der bis 2030 Richtwerte für weniger Rohstoffabhängigkeit setzt: 25% aus Recycling, 10% aus eigenem Bergbau.
- Permanentmagnete
- Dauerhaft magnetische Bauteile aus seltenen Erden, die in E-Auto-Motoren, Windkraftanlagen und Festplatten unverzichtbar sind.























































