Beantwortet am 5. Mai 2026
167 Bundesrechenzentren: Nur 7 im Klimaregister erfasst
Hintergrund
Die Anfrage der Linken zielt auf eine Bewertung der Klimawirkung der Bundes-IT ab. Rechenzentren machen etwa 4 Prozent des deutschen Gesamtstromverbrauchs aus. Das Energieeffizienzgesetz von 2023 verpflichtet größere Rechenzentren zur Meldung von Effizienzdaten. Die Bundesregierung arbeitet an einer Rechenzentrumsstrategie, die bis 2030 eine Verdoppelung der Kapazitäten vorsieht.
Die Bundesregierung nutzt aktuell 167 Rechenzentren (Stand April 2026), davon 141 im Eigenbetrieb. Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/5725 vom 5. Mai 2026). Bemerkenswert ist dabei die geringe Beteiligung am offiziellen Transparenz-System.
Nur sieben Rechenzentren des Bundes beteiligen sich derzeit am offiziellen Rechenzentrumsregister beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Vier davon aufgrund rechtlicher Verpflichtung. Das Register soll eigentlich Transparenz über die Energieeffizienz von Rechenzentren schaffen.
Ökostrom-Ziel verfehlt
Ein klares Versäumnis räumt die Regierung beim Ökostrom-Ziel ein. Das im Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit von 2021 festgelegte Ziel wurde nicht erreicht – es sah vor, alle Bundesliegenschaften bis Ende 2024 auf 100 Prozent Ökostrom umzustellen. Wann alle Rechenzentren mit Ökostrom versorgt sind, dazu gibt die Bundesregierung kein klares Datum an.
Rechenzentren sind die digitalen Kraftwerke der Verwaltung – sie verarbeiten Online-Anträge, E-Mails und Datenbanken rund um die Uhr.
Auch bei den Nachhaltigkeitsstandards hapert es. Die meisten Bundesrechenzentren erfüllen die Kriterien des Blauen Engels für nachhaltige Rechenzentren nicht, räumt die Regierung ein. Als Hauptgrund führt sie an, dass viele Anlagen vor März 2020 gebaut worden sind – zu diesem Zeitpunkt haben diese Standards noch nicht gegolten.
Sicherheitsbedenken begrenzen Transparenz
Bei den Detailinformationen mauert die Regierung. Angaben zum Energieverbrauch und zur Abwärmenutzung verweigert die Bundesregierung mit Verweis auf Sicherheitsrisiken. Rückschlüsse auf kritische Infrastruktur könnten „gezielte Angriffe vereinfachen“, so die Begründung. Dies ist insofern bemerkenswert, da andere europäische Länder deutlich transparenter über ihre IT-Infrastruktur berichten.
Für das geplante Masterrechenzentrum Berlin meldet die Regierung immerhin Fortschritte: Es befindet sich in der aktiven Inbetriebnahme, erste produktive Systeme sind bereits in Betrieb.
Die Linken-Abgeordneten kritisieren die mangelnde Koordination der Green-IT-Initiativen des Bundes und fordern mehr Verbindlichkeit bei Nachhaltigkeitskriterien.
Betroffen sind alle Bundesbehörden und ihre IT-Infrastruktur sowie indirekt alle Bürger, die digitale Verwaltungsdienste nutzen. Die Klimaziele des Bundes betreffen auch die Nachhaltigkeit der öffentlichen IT-Systeme.
Die Anfrage wurde vollständig beantwortet. Die Bundesregierung plant weitere Maßnahmen zur Klimaneutralität der Bundesverwaltung bis 2030 gemäß § 15 Klimaschutzgesetz.
- PUE-Wert
- Power Usage Effectiveness – misst die Energieeffizienz von Rechenzentren. Ein Wert von 1,0 wäre ideal.
- Rechenzentrumsregister
- Offizielles Register beim BAFA, wo Rechenzentren ab 300 kW ihre Effizienzdaten melden müssen.
- Blauer Engel DE-UZ 228
- Umweltzeichen für energieeffiziente Rechenzentren mit strengen Nachhaltigkeitskriterien.























































