Vollständig beantwortet
Russlands Zusammenarbeit mit Organisierter Kriminalität wird offengelegt
Hintergrund
Nach dem Europolbericht 2025 arbeiten staatliche Akteure wie Russland zunehmend mit kriminellen Gruppen zusammen, um europäische Staaten zu destabilisieren. Diese Entwicklung hat sich seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 verstärkt. Die Grünen-Fraktion wollte wissen, welche konkreten Erkenntnisse Deutschland zu dieser hybriden Bedrohung hat.
Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion (Drucksache 21/5805 vom 6. Mai 2026) bestätigt, dass Russland systematisch mit organisierter Kriminalität zusammenarbeitet, um Deutschland und Europa zu destabilisieren. Die Antwort zeigt Entwicklungen seit Russlands Angriff auf die Ukraine auf.
Anstieg der Tatverdächtigen
Bemerkenswert ist der Anstieg bei der Russisch-Eurasischen Organisierten Kriminalität (REOK). Das Bundeskriminalamt hat 2024 insgesamt 562 Tatverdächtige gezählt. Dies sind mehr als doppelt so viele wie 2022 mit 213 Personen gewesen. 2023 hat die Zahl bei 568 Tatverdächtigen gelegen. Hintergrund ist nach Regierungsangaben eine ‚Verlagerung der Aktivitäten von kriminellen Organisation aus Russland nach Deutschland und in die EU‘ seit dem völkerrechtswidrigen Angriff 2022.
Die REOK verfügt über ‚enge und mannigfaltige Kontakte in die russische Regierung‘, teilt die Bundesregierung mit. Relevante REOK-Strukturen, die sich der Kontrolle durch die russische Regierung entziehen können, existieren kaum. Im Gegenzug für die Tolerierung ihrer Aktivitäten sind die REOK-Strukturen gezwungen, bei Bedarf mit staatlichen Stellen zu kooperieren.
Russland nutzt kriminelle Gruppen als verlängerten Arm – das bietet plausible Abstreitbarkeit für staatliche Aufträge wie Sabotage oder Tötungsoperationen.
Aktivitäten in Deutschland
Die Zusammenarbeit umfasst laut Bundesregierung insbesondere ‚disruptive Aktivitäten wie Sabotage- oder Tötungsoperationen‘. Kriminelle Akteure verfügen hier über nutzbare Fähigkeiten. Sie bieten gegenüber hauptamtlichen Nachrichtendienst-Angehörigen den Vorteil der plausiblen Abstreitbarkeit. Zusätzlich greift Russland auf Geldwäschestrukturen zurück, um die Herkunft von Transaktionen zu verschleiern.
Dies ist bemerkenswert, da sich Russlands Vorgehen verstärkt seit dem Jahreswechsel 2023/2024 geändert hat: Vermehrt setzt das Land sogenannte ‚Low-Level-Agenten‘ oder ‚Wegwerf-Agenten‘ ein – Personen, die niedrigschwellig angeworben und für einfache Operationen eingesetzt werden. Die Bundesregierung hat eine Präventionskampagne mit dem Titel ‚Kein Wegwerf-Agent werden‘ gestartet.
Auch der Iran nutzt ähnliche Methoden
Iranische Nachrichtendienste bedienen sich ‚fast ausschließlich sogenannter Proxys für ihre Ausspähungsaktivitäten und staatsterroristischen Operationen‘, so die Erkenntnisse der Bundesregierung. Dabei spielt ‚häufig die Nutzung von Strukturen der Organisierten Kriminalität oder kriminellen Einzelpersonen‘ eine Rolle.
Die meisten konkreten Details stufte die Bundesregierung als Verschlusssache ein. Sie sind nur für Abgeordnete in speziellen Geheimschutzräumen einsehbar. Dies betrifft insbesondere Fragen zu spezifischen Gruppierungen, Operationsmethoden und Schadensbewertungen. Die Begründung: Öffentliche Informationen können die Arbeit deutscher Nachrichtendienste und die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern gefährden.
Betroffen sind deutsche Bürger durch mögliche Sabotageakte, Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur und die Schwächung staatlicher Institutionen. Besonders gefährdet sind Unternehmen und staatliche Einrichtungen als Ziele von Cyberangriffen und Spionage.
Die Bundesregierung hat alle 23 Fragen beantwortet, wobei viele Antworten als Verschlusssache eingestuft wurden. Ein Großteil der sensiblen Informationen ist nur für Abgeordnete in speziellen Geheimschutzräumen einsehbar. Weitere parlamentarische Beratungen sind möglich.
- REOK
- Russisch-Eurasische Organisierte Kriminalität – kriminelle Strukturen aus dem russischen Raum, die teilweise mit staatlichen Stellen kooperieren.
- Low-Level-Agenten
- Auch 'Wegwerf-Agenten' genannt – einfach angeworbene Personen für niedrigschwellige nachrichtendienstliche Operationen.
- Plausible Abstreitbarkeit
- Möglichkeit für Staaten, ihre Beteiligung an kriminellen Aktivitäten glaubhaft zu leugnen, indem sie Dritte beauftragen.























































