- EU listet 34 kritische Rohstoffe mit hohem Versorgungsrisiko
- China dominiert Produktion vieler strategisch wichtiger Rohstoffe
- Recycling und Substitution oft begrenzt oder mit Leistungseinbussen verbunden
Kritische Rohstoffe der EU: Überblick über Versorgungsrisiken und strategische Abhängigkeiten
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Dokumentation vom Juni 2026 (WD 5 – 3000 – 056/26) einen strukturierten Überblick über die kritischen Rohstoffe nach dem Critical Raw Materials Act (CRMA) der Europäischen Union zusammengestellt. Die Analyse richtet sich an Mitglieder des Bundestages und fasst Informationen zu Verwendung, Förderländern, Recyclingmöglichkeiten und Substitutionspotenzial der gelisteten Rohstoffe zusammen.
Was sind kritische Rohstoffe?
Der CRMA, der im April 2024 in Kraft trat, unterscheidet zwischen kritischen Rohstoffen (hohe wirtschaftliche Bedeutung bei gleichzeitigem Versorgungsrisiko) und strategischen Rohstoffen, die zusätzlich für die ökologische oder digitale Transformation, die Rüstungsindustrie oder die Luft- und Raumfahrt besonders relevant sind. Insgesamt sind derzeit 34 nichtenergetische und nichtlandwirtschaftliche Rohstoffe gelistet, darunter Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Gallium, Germanium, Kupfer, Nickel und Wolfram.
Dominanz Chinas bei der Produktion
Ein zentrales Ergebnis der Dokumentation ist die ausgeprägte Abhängigkeit der EU von China bei zahlreichen Rohstoffen. So stammen etwa 97 Prozent der weltweiten Galliumproduktion, 87 Prozent der Germaniumproduktion und 77 Prozent der Siliziumproduktion aus China. Auch bei Magnesium (91 Prozent), natürlichem Graphit (72 Prozent) und Wolfram (80 Prozent) ist China der mit Abstand größte Produzent. Diese Konzentration begründet das im CRMA formulierte Ziel, die Importquellen der EU stärker zu diversifizieren.
Recycling und Substitution oft unzureichend
Die Dokumentation zeigt, dass Recycling und Substitution bei vielen kritischen Rohstoffen nur begrenzt möglich sind. Rohstoffe wie Bor, Flussspat oder Arsen werden derzeit kaum oder gar nicht recycelt. Bei Gallium, Seltenen Erden und Silizium sind die Substitutionsmöglichkeiten aufgrund spezifischer physikalischer und chemischer Eigenschaften stark eingeschränkt. Wo Substitute existieren, gehen sie häufig mit Leistungseinbussen oder höheren Kosten einher. Positiv hervorzuheben sind Kupfer und Nickel, die vergleichsweise hohe Recyclingquoten aufweisen.
Rohstoffbedarf durch Zukunftstechnologien
Im abschliessenden Abschnitt verweist die Dokumentation auf Studien zu künftigen Rohstoffbedarfen. Eine im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur erstellte Fraunhofer-Studie aus dem Jahr 2021 analysiert den Bedarf von 33 Zukunftstechnologien – etwa aus den Bereichen Elektromobilität, erneuerbare Energien und Digitalisierung – bis zum Jahr 2040. Eine aktualisierte Studie soll im Sommer 2026 erscheinen. Ergänzend hat das Joint Research Centre der EU-Kommission 2023 eine Vorausschau zu Lieferkettenabhängigkeiten und Materialbedarfen bis 2050 veröffentlicht.
Die Dokumentation des Wissenschaftlichen Dienstes stellt keine politischen Empfehlungen dar, sondern gibt den Wissensstand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und dient als sachliche Informationsgrundlage für die parlamentarische Arbeit.
































































