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Home Themen Wirtschaft & Finanzen

Grunderwerbsteuer: EuGH-Urteil gefährdet Ländereinnahmen von 1,3 Mrd. Euro monatlich

durch Redaktion Bundestag
31. Juli 2026
in Wirtschaft & Finanzen
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7409

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/7409

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VerfahrensstandKleine Anfrage
Beantwortet
✓
Einreichung
Eingereicht von einer Fraktion oder einzelnen Abgeordneten.
✓
Antwort der Bundesregierung
Die Regierung antwortet schriftlich innerhalb vorgeschriebener Fristen.
3
Veröffentlichung
Anfrage und Antwort werden als Drucksache veröffentlicht.
Vorgang VO337845 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/7409 | Kleine Anfrage | Original-PDF | dip.bundestag.de

⏱ 7 Min. Lesezeit
⚡ Auf einen Blick
  • EuGH verbietet Grunderwerbsteuer auf reine Gesellschaftsumstrukturierungen
  • Monatliches Grunderwerbsteueraufkommen beträgt rund 1,3 Mrd. Euro
  • Erstattungsrisiko für Länderhaushalte noch nicht beziffert
🔗 Hintergrund: Das EuGH-Urteil vom 4. Juni 2026 in der Rechtssache C-837/24 ist neu; beim Bundesfinanzhof ist zudem das Verfahren II R 8/23 zur gleichen Rechtsfrage anhängig.
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Hintergrund

Der EuGH hat am 4. Juni 2026 in der Rechtssache C-837/24 „Nova Iberomoldes“ festgestellt, dass eine nationale Grunderwerbsteuer nicht auf Einbringungen von Anteilen an grundbesitzenden Gesellschaften in eine Kapitalgesellschaft erhoben werden darf, wenn dies nach der EU-Richtlinie 2008/7/EG als geschützte Kapitalaufbringungs- oder Umstrukturierungsmaßnahme einzuordnen ist. Die Bundesregierung hatte sich an dem Verfahren beteiligt und argumentiert, der Vorgang sei wirtschaftlich als Grundstückserwerb zu werten — dieses Argument wies der EuGH zurück. Das monatliche Grunderwerbsteueraufkommen in Deutschland lag laut Bundesfinanzministerium im Jahr 2025 bei rund 1,3 Mrd. Euro; das Gesamtsteueraufkommen Deutschlands belief sich 2025 auf 989,8 Mrd. Euro.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • ~1,3 Mrd. Euro/Monat — Durchschnittliches Grunderwerbsteueraufkommen in Deutschland im Jahr 2025 (Bundesfinanzministerium, Monatsbericht August 2025, S. 45).
  • 989,8 Mrd. Euro — Gesamtes Steueraufkommen Deutschlands im Jahr 2025 (Statistisches Bundesamt).
  • 4. Juni 2026 — Datum des EuGH-Urteils in der Rechtssache C-837/24 „Nova Iberomoldes“, das die Anfrage ausgelöst hat.
  • 16 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7409 zu Prüfpflichten, Koordination und Erstattungsrisiken.

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Infografik BT-Drs. 21/7409
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Im Detail

Weder rechtlich noch tatsächlich habe ein Eigentumswechsel an Grundstücken stattgefunden.

— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7409, unter Verweis auf EuGH-Urteil C-837/24

Das Grunderwerbsteuerrecht in Deutschland steht nach einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom 4. Juni 2026 unter erheblichem Reformdruck. Die AfD-Fraktion hat am 29. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7409 eingereicht und fragt die Bundesregierung mit 16 konkreten Fragen, wie sie auf das Urteil reagiert, ob Gesetzesänderungen geplant sind und welche Haushaltsrisiken für die Länder bestehen. Das monatliche Grunderwerbsteueraufkommen lag im Jahr 2025 bei rund 1,3 Mrd. Euro.

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Was hat der EuGH in der Rechtssache C-837/24 entschieden?

Der EuGH hat in der Rechtssache C-837/24 „Nova Iberomoldes“ klargestellt, dass eine nationale Steuer auf Grundstücksübertragungen nicht auf Vorgänge ausgedehnt werden darf, die nach der EU-Richtlinie 2008/7/EG als Kapitalaufbringungs- oder Umstrukturierungsmaßnahme geschützt sind. Im Ausgangsfall war die Einbringung von Anteilen an grundbesitzenden Gesellschaften in eine Kapitalgesellschaft mit einer grunderwerbsteuerähnlichen Abgabe belastet worden. Die Bundesregierung hatte sich an dem Verfahren beteiligt und argumentiert, der Vorgang sei „wirtschaftlich“ als Grundstückserwerb zu werten. Der EuGH wies diesen Vortrag zurück: Weder rechtlich noch tatsächlich habe ein Eigentumswechsel an Grundstücken stattgefunden.

Was gilt aktuell im deutschen Grunderwerbsteuerrecht?

Das deutsche Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG) besteuert nicht nur den unmittelbaren Erwerb von Grundstücken, sondern auch sogenannte Ersatztatbestände: Anteilsvereinigungen, bei denen eine Person mindestens 90 % der Anteile an einer grundbesitzenden Gesellschaft auf sich vereinigt (§ 1 Abs. 3 GrEStG), Anteilsübertragungen im Rahmen von Umstrukturierungen (§ 1 Abs. 2a, 2b GrEStG) sowie Umwandlungsvorgänge innerhalb von Konzernstrukturen (§ 6a GrEStG). Diese Tatbestände greifen, obwohl kein Grundstück unmittelbar den Eigentümer wechselt, sondern lediglich Gesellschaftsanteile übertragen werden. Genau diese Fallgestaltungen stehen nun unter unionsrechtlichem Prüfvorbehalt.

16 Fragen zum Grunderwerbsteuerrecht — was die Anfrage konkret will

Die Anfrage zielt auf vier Kernbereiche ab. Erstens fragt die AfD, ob das Bundesministerium der Finanzen nach dem EuGH-Urteil eine formelle Prüfung der betroffenen GrEStG-Paragraphen eingeleitet hat — insbesondere zu § 1 Abs. 2a, § 1 Abs. 2b, § 1 Abs. 3, § 1 Abs. 3a und § 6a GrEStG. Zweitens erkundigt sich die Anfrage nach der Koordination zwischen Bund und Ländern: Wurden schriftliche Hinweise oder Verwaltungserlasse an die obersten Finanzbehörden der Länder übermittelt? Haben Bund-Länder-Besprechungen stattgefunden, und falls ja, wurde dabei die Ruhendstellung offener Einspruchsverfahren oder die Aussetzung der Vollziehung erörtert?

Drittens geht es um das fiskalische Ausmaß: Wie viele offene Einspruchsverfahren, finanzgerichtliche Klagen und Revisionsverfahren können von den Urteilsfolgen betroffen sein? Welche Erstattungsvolumina und dauerhaften Mindereinnahmen hat die Bundesregierung berechnet oder geschätzt? Diese Fragen sind besonders brisant, weil das Grunderwerbsteueraufkommen vollständig den Ländern zufließt, die gesetzliche Regelungskompetenz aber beim Bundesgesetzgeber liegt. Eine EU-rechtswidrige Ausgestaltung des GrEStG würde die Länder finanziell belasten, ohne dass sie selbst unmittelbar gegensteuern könnten.

Viertens fragt die Anfrage nach dem parallel anhängigen BFH-Verfahren unter dem Aktenzeichen II R 8/23, in dem die Europarechtskonformität des § 1 Abs. 3 Nr. 4 GrEStG bei Umstrukturierungen geklärt werden soll. Die AfD will wissen, ob die Bundesregierung dieses Verfahren in ihre Bewertung der EuGH-Entscheidung einbezieht und ob sie eine Gesetzesänderung für erforderlich hält — gegebenenfalls mit Zeitplan für einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Fiskalische Dimension: Milliarden-Risiko für Länderhaushalte

Die Größenordnung des möglichen Problems ist erheblich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes belief sich das gesamte Steueraufkommen Deutschlands im Jahr 2025 auf 989,8 Mrd. Euro. Allein die Grunderwerbsteuer trug dazu mit rund 1,3 Mrd. Euro monatlich bei. Wie viel davon auf gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungsvorgänge entfällt — also auf die vom EuGH nun in Frage gestellten Tatbestände —, ist nach dem Stand der Anfrage nicht öffentlich bekannt. Genau diese Zahl versucht die Anfrage zu ermitteln. Sollten zahlreiche nicht bestandskräftige Steuerfestsetzungen rückabgewickelt werden müssen, entstünden den Länderhaushalten erhebliche Belastungen, ohne dass ihnen unmittelbare Möglichkeiten der Gegensteuerung zur Verfügung stehen.

Ähnliche Fragen zur Finanzierbarkeit staatlicher Leistungen und zu strukturellen Haushaltsrisiken beschäftigen den Bundestag auch in anderen Bereichen, etwa beim drohenden Defizit der Bundesagentur für Arbeit oder bei der Diskussion über die GKV-Finanzierung. Im Bereich der Steuerpolitik zeigt auch die Debatte um steuerliche Wettbewerbsnachteile für einzelne Branchen, wie EU-Recht und nationales Steuerrecht immer wieder in Konflikt geraten.

Weiterlesen:

  • Kernkraft-Reaktivierung: 29 Fragen zum Rückbaustand deutscher AKW
👥 Wen betrifft das?

Betroffen sind vor allem Unternehmen, die in der Vergangenheit Anteile an grundbesitzenden Gesellschaften erworben, vereinigt oder im Rahmen von Umstrukturierungen übertragen haben und dabei Grunderwerbsteuer entrichtet haben. In zweiter Linie sind die Länderhaushalte betroffen, denen das Steueraufkommen zufließt und die bei einer Ausdehnung des EuGH-Urteils auf deutsches Recht mit Steuererstattungen und dauerhaften Mindereinnahmen rechnen müssen.

Parlamentarischer Fahrplan

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 12.08.2026)

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG)
📖 Begriffe erklärt
Grunderwerbsteuer (GrEStG)
Steuer auf den Erwerb von Grundstücken oder grundstücksgleichen Rechten; das Aufkommen steht den Bundesländern zu, die gesetzliche Grundlage liegt beim Bund.
Richtlinie 2008/7/EG
EU-Richtlinie, die Kapitalgesellschaften bei Kapitalaufbringungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen vor bestimmten indirekten Steuern schützt.
Anteilsvereinigung
Vorgang, bei dem eine Person mindestens 90 % der Anteile an einer grundbesitzenden Gesellschaft auf sich vereinigt; nach deutschem GrEStG bislang grunderwerbsteuerpflichtig.
❓ Häufige Fragen

Was hat der EuGH in der Rechtssache C-837/24 entschieden?

Der EuGH urteilte am 4. Juni 2026, dass eine nationale Steuer auf Grundstücksübertragungen nicht auf Vorgänge erstreckt werden darf, die nach EU-Recht als Kapitalaufbringungs- oder Umstrukturierungsmaßnahme geschützt sind — also dann nicht, wenn kein tatsächlicher Grundstücksübergang stattfindet.

Welche Paragraphen des GrEStG stehen auf dem Prüfstand?

Die Anfrage nennt § 1 Abs. 2a, § 1 Abs. 2b, § 1 Abs. 3, § 1 Abs. 3a und § 6a GrEStG als potenziell unionsrechtswidrige Tatbestände bei gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen.

Wer trägt die finanziellen Folgen eines möglichen Erstattungsrisikos?

Das Grunderwerbsteueraufkommen steht den Ländern zu; mögliche Erstattungen oder Mindereinnahmen treffen daher primär die Länderhaushalte, während die gesetzliche Verantwortung für eine EU-konforme Ausgestaltung beim Bundesgesetzgeber liegt.

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7409 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

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Tags: AfDBundesfinanzhofDrucksache 21/7409EU-RechtEuGHGrEStGGrunderwerbsteuerLänderhaushalteSteuerrechtTobias Matthias PeterkaUnternehmensumstrukturierungVO337845

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9. September 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7701

Wissenschaftsspionage: CISPA unter Verdacht des Wissensabflusses

30. August 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/6675

Sächsische Separatisten: FBI-Einsatz in Deutschland verneint

30. Juni 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7156

Offene Haftbefehle 2026: 170.667 Fahndungen in Deutschland

27. Juli 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache

Petitionswesen im Bundestag: Verfahren und aktuelle Entscheidungen

18
Bundestag 20.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen

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16
Aus den Ausschüssen – KW23/2026

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12
Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Heute im Bundestag – 24.09.2026

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Aus den Ausschüssen – KW41/2026

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12
Bundesförderung im Bundestag: Kontrolle, Transparenz und Millionenbeträge

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11
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8807

GIZ-Fachkräfte: 190 Mio. Euro Entwicklungshilfe in 87 Ländern

31. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8806

Inkassoaufsicht: 6.464 Beschwerden, Statistik lückenhaft

31. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8795

BAMF-Asylverfahren: 267 Fälle länger als 24 Monate offen

31. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8801

Abraham Accords Institute: Bundesförderung unter Prüfung

31. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8794

Erbschaftsteuer: 3,7 Mrd. Euro Steuererlasse für 34 Fälle

31. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8793

Elterngeldreform 2027: Haushalt sinkt um 440 Mio. Euro

31. Oktober 2026

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Kinderärzte 2027: GKV-Reform und pädiatrische Versorgung

27. Oktober 2026
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Infraschall und Herzrisiken: Windkraft-Studie im Bundestag

22. Oktober 2026

Neueingänge

  • GIZ-Fachkräfte: 190 Mio. Euro Entwicklungshilfe in 87 Ländern
  • Inkassoaufsicht: 6.464 Beschwerden, Statistik lückenhaft
  • BAMF-Asylverfahren: 267 Fälle länger als 24 Monate offen
  • Abraham Accords Institute: Bundesförderung unter Prüfung
  • Erbschaftsteuer: 3,7 Mrd. Euro Steuererlasse für 34 Fälle
  • Elterngeldreform 2027: Haushalt sinkt um 440 Mio. Euro
  • EU-Verteidigungsfähigkeit: Bundesregierung beantwortet 30 Fragen
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  • Indienpolitik: 20 Fragen zu EU-Abkommen und Russland-Kurs
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