- 1,1 Mio. Tonnen Kerosin in strategischer Reserve — reicht für einen Monat
- Sommerreiseverkehr 2026 nach Regierungseinschätzung unbeeinträchtigt
- Bis zu 2 Mrd. Euro Förderung für eSAF-Markthochlauf geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7342 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Frühjahr 2026 rief die Internationale Energieagentur (IEA) am 11. März 2026 eine sogenannte Collective Action zur koordinierten Freigabe von Ölreserven ihrer Mitgliedstaaten aus. Deutschland beteiligte sich mit dem Erlass der Sechsten Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes (6. ErdölFrV). Medienberichte über mögliche Kerosinengpässe in Europa — darunter Meldungen, Europa habe noch Kerosin für etwa sechs Wochen — veranlassten die AfD-Fraktion, die Versorgungslage, bestehende Vorsorgemechanismen und die mittel- bis langfristige Kraftstoffstrategie der Bundesregierung zu hinterfragen. Die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung entstand laut Drucksache im Lichte der Krise im Nahen Osten und behandelt die Resilienz des Luftfahrtstandorts Deutschland als wesentliches Ziel.
- knapp 1,1 Mio. Tonnen — Kerosinreserve des Erdölbevorratungsverbandes, entspricht rechnerisch mehr als einem Monat Gesamtbedarf
- 1,5 bis 2 Versorgungsmonate — ergibt sich nach Addition der Industrievorräte zur EBV-Reserve
- bis zu 5 Monate — theoretische Gesamtversorgungszeit bei eingeschränkten Importen plus 50% Eigenerzeugung
- bis zu 2 Mrd. Euro — geplantes Fördervolumen des BMV für den eSAF-Markthochlauf über Doppelauktionsmechanismus
- über 14 eSAF-Produktionsstandorte — geplant oder im Bau in Deutschland bis 2030, darunter Leuna (200.000 t/Jahr), Frankfurt-Höchst-Erweiterung (80.000 t/Jahr) und Brandenburg eSAF Schwedt (30.000 t/Jahr)
Im Detail
Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Sommerreiseverkehr 2026 ohne Beeinträchtigungen bei der Kerosinversorgung stattfindet.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7342, Frage 10
Deutschlands Versorgungssicherheit mit Flugzeugkerosin steht nach Einschätzung der Bundesregierung auf solider Grundlage: Der Erdölbevorratungsverband (EBV) hält aktuell knapp 1,1 Millionen Tonnen Kerosin — rechnerisch etwas mehr als ein Monat des gesamten deutschen Kerosinbedarfs. Hinzu kommen Industrievorräte, sodass sich in Addition rund 1,5 bis 2 Versorgungsmonate ergeben. Zusammen mit eingeschränkten Importen und der 50-prozentigen Eigenerzeugung ergibt sich laut Drucksache 21/7342 eine theoretische Versorgungszeit von bis zu 5 Monaten.
Kerosin-Versorgungssicherheit im Sommer 2026
Anlass der Anfrage waren Medienberichte über potenzielle Kerosinengpässe in Europa sowie die Aktivierung der IEA-Collective-Action: Am 11. März 2026 rief die Internationale Energieagentur ihre Mitgliedstaaten zur koordinierten Freigabe von Ölreserven auf. Deutschland beteiligte sich mit dem Erlass der Sechsten Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes (6. ErdölFrV). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) prüft derzeit, ob diese Verordnung über den 31. August 2026 hinaus verlängert wird. Kriterium ist laut Regierungsantwort die aktuelle Versorgungssituation unter Berücksichtigung der geopolitischen Lage.
Für Flugreisende beruhigend: Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Sommerreiseverkehr 2026 ohne Beeinträchtigungen bei der Kerosinversorgung stattfindet. Zu möglichen Flugstreichungen, Kapazitätskürzungen oder Preissteigerungen infolge von Kerosinengpässen lagen der Bundesregierung zum Zeitpunkt der Antwort keine Informationen vor. Ebenso fehlten ihr belastbare Daten zu den kommerziellen Beständen an Flughäfen und Tanklagern — eine Datenlücke, die die AfD-Fraktion mit der Anfrage aufzuzeigen suchte.
Importstruktur: Mehr Lieferungen aus USA und Nigeria
Seit dem 1. Januar 2026 verzeichnet Deutschland eine Verschiebung in der Kerosin-Importstruktur: Lieferungen nahmen vor allem aus den USA und Nigeria zu. Die Mineralölwirtschaft ist dabei marktwirtschaftlich organisiert — die Bundesregierung hat nach eigener Aussage keinen direkten Einfluss auf Produktion, Verarbeitung und Logistik, will sich aber für eine weitere Diversifizierung der Lieferwege einsetzen. Im Krisenfall koordiniert die Deutsche NESO (National Emergency Strategy Organization) die relevanten Behörden, Institutionen und Unternehmen. Der Krisenversorgungsrat fungiert als zentrales Beratungsgremium für das BMWE. Am 20. April 2026 fand zudem ein gemeinsamer Round Table Flugtreibstoffe unter Federführung von BMV und BMWE mit Luftverkehrsunternehmen und der Mineralölbranche statt.
Strategische Reserve: Was gilt aktuell?
Das Erdölbevorratungsgesetz verpflichtet Deutschland zur Haltung einer 90-tägigen Reserve an Erdölprodukten, darunter Kerosin der Spezifikation Jet A-1. Der EBV verwaltet diese Pflichtreserve zentral. Im Falle schwerwiegender Versorgungsstörungen kann die Bundesregierung per Verordnung in den Markt eingreifen — die Rechtsgrundlage bildet das Energiesicherungsgesetz. Dieses Instrument wurde mit der 6. ErdölFrV im Kontext der IEA-Collective-Action erstmals für Kerosin aktiviert. Wie die Debatte um fossile Exportförderung zeigt, steht die deutsche Energieversorgungspolitik insgesamt unter Druck, kurzfristige Versorgungssicherheit mit langfristigen Klimazielen in Einklang zu bringen.
Synthetische Flugkraftstoffe: eSAF als Langfriststrategie
Langfristig setzt die Bundesregierung auf strombasierte erneuerbare Flugkraftstoffe (eSAF), um den Luftverkehr zu dekarbonisieren. Alternative Kraftstoffe sind derzeit noch teurer als konventionelles Kerosin; der Einsatz wird über die europäische ReFuelEU-Aviation-Verordnung mittels Beimischungsquoten angereizt. Das Bundesverkehrsministerium plant einen Doppelauktionsmechanismus mit einem Fördervolumen von bis zu 2 Milliarden Euro, um den Markthochlauf strombasierter Kraftstoffe zu beschleunigen.
Für die Produktion benennt die Regierung in der Anlage zur Drucksache mehr als ein Dutzend Standorte in Deutschland. Die ambitioniertesten Projekte zielen auf Kapazitäten von 200.000 Tonnen pro Jahr in Leuna (geplante Inbetriebnahme 2030) sowie 80.000 Tonnen im Industriepark Frankfurt-Höchst (Erweiterung bis 2030). Bestehende kleinere Anlagen, etwa in Werlte (400 Tonnen, seit 2021) und Jülich (100 Tonnen, seit 2024), zeigen, dass eSAF-Produktion in Deutschland bereits begonnen hat — allerdings in einem Umfang, der den Bedarf des Luftverkehrs noch nicht annähernd deckt.
Parallel fördert der Bund seit 2020 eine Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu wasserstoffbasierten Antrieben, batterieelektrischen und hybridelektrischen Flugzeugen. Allein das DLR-Projekt UpLift erhielt laut Anlage 1 der Drucksache eine Förderung von über 54 Millionen Euro. Die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung, die im Lichte der Krise im Nahen Osten entstanden ist, nennt die Resilienz des Luftfahrtstandorts Deutschland als zentrales Ziel. Welche Auswirkungen die laufende Kostenkontrolle bei öffentlichen Ausgaben auf diesen Förderrahmen haben wird, bleibt offen.
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- KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung
Unmittelbar betroffen sind Flugreisende in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf den Sommerreiseverkehr 2026. Darüber hinaus sind Luftverkehrsunternehmen, die Mineralölwirtschaft sowie Flughafenbetreiber von der Versorgungslage abhängig. Langfristig betrifft die Förderstrategie für alternative Flugkraftstoffe (eSAF) Forschungseinrichtungen, Anlagenbauer und die gesamte deutsche Luftfahrtindustrie.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich. Zu den kommerziellen Beständen an Flughäfen und Tanklagern (Frage 3) sowie zu möglichen Flugstreichungen oder Preissteigerungen (Frage 11) gibt sie an, keine belastbaren Daten bzw. keine Informationen zu haben. Die Strategie zur Verringerung geopolitischer Importabhängigkeiten (Frage 17) fällt inhaltlich knapp aus mit dem Hinweis auf die marktwirtschaftliche Organisation der Mineralölwirtschaft.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Kerosin-Versorgung 2026: 18 Fragen zur Sicherheit des Luftverkehrs →
- Erdölbevorratungsverband (EBV)
- Körperschaft des öffentlichen Rechts, die in Deutschland die gesetzlich vorgeschriebene 90-Tage-Reserve an Erdölprodukten — darunter Kerosin — hält und verwaltet.
- eSAF (E-Sustainable Aviation Fuels)
- Strombasierte erneuerbare Flugkraftstoffe, die aus erneuerbarem Strom und CO2 hergestellt werden und langfristig zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs beitragen sollen.
- IEA Collective Action
- Koordinierte Maßnahme der Internationalen Energieagentur, bei der Mitgliedstaaten gleichzeitig strategische Ölreserven freigeben, um Versorgungsengpässe zu mildern.
Wie lange reichen Deutschlands Kerosinreserven?
Der Erdölbevorratungsverband hält knapp 1,1 Millionen Tonnen Kerosin, was rechnerisch etwas mehr als einem Monat des gesamten deutschen Kerosinbedarfs entspricht. Inklusive Industrievorräten und eingeschränkter Eigenerzeugung ergibt sich theoretisch eine Versorgungszeit von bis zu 5 Monaten.
Was ist die 6. ErdölFrV?
Die Sechste Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes wurde erlassen, um sich an der IEA-Collective-Action vom 11. März 2026 zu beteiligen — einer koordinierten Freigabe von Ölreserven der IEA-Mitgliedstaaten.
Was sind eSAF und wie viel Förderung plant der Bund?
eSAF (E-Sustainable Aviation Fuels) sind strombasierte erneuerbare Flugkraftstoffe. Das Bundesverkehrsministerium plant ihre Förderung über einen Doppelauktionsmechanismus mit einem Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7342 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































